Gemeindemitarbeiter Jürgen Ruh hatte reichlich zu tun bei der offiziellen Kandidatenvorstellung zur Bürgermeisterwahl in Gailingen. Am kommenden Sonntag, 4. März, sind über 2000 Bürger aufgerufen, einen Nachfolger für Heinz Brennenstuhl zu bestimmen, der 32 Jahre den Chefsessel im Rathaus ausgefüllt hat.

Knapp 300 Besucher kamen deshalb am Freitagabend in die Sporthalle des Hegau-Jugendwerks, um die Kandidaten kennen zu lernen und Ruh hatte die Aufgabe, die Bürger zu Wort kommen zu lassen. Flink flitzte er mit dem Mikrofon von Stuhlreihe zu Stuhlreihe, um den Fragenden Stimme zu geben. Die wollten es genau wissen: Verkehr, Rheinuferpark, Schulzukunft, Vereinsförderung, Breitband – die Themen sind bekannt, die Lösungsansätze erstaunlich unterschiedlich.

Groß war das Interesse an der offiziellen Kandidatenvorstellung zur Bürgermeisterwahl in Gailingen am Freitagabend in der Sporthalle des Hegau-Jugendwerks. Der amtierende Bürgermeister Heinz Brennenstuhl konnte die Kandidaten Dietlinde Schweikle und Thomas Auer begrüßen.
Groß war das Interesse an der offiziellen Kandidatenvorstellung zur Bürgermeisterwahl in Gailingen am Freitagabend in der Sporthalle des Hegau-Jugendwerks. Der amtierende Bürgermeister Heinz Brennenstuhl konnte die Kandidaten Dietlinde Schweikle und Thomas Auer begrüßen. | Bild: Matthias Biehler

Eine Botschaft hatte Brennenstuhl als Vorsitzender des Gemeindewahlausschusses gleich zu Beginn der Veranstaltung: Nur zwei Kandidaten haben sich Zeit für ihre Wähler genommen. Er dankte Thomas Auer und Dietlinde Schweikle für ihr Kommen, lobte zwischendurch die Zuhörer für ihr großes Interesse und erinnerte an die Bedeutung der Wahl. "Ich weiß aus eigener Erfahrung wie wichtig eine breite Basis für den Bürgermeister ist, um die Aufgaben angehen zu können", eröffnete er die Vorstellungsrunde und appellierte an die Gailinger, am Sonntag die Möglichkeit der Wahl zu ergreifen.

Welche Auswahl die 2203 Wahlberechtigten ab 16 Jahren haben, zeigte sich am Freitagabend nicht nur am Beispiel Rheinuferpark: Während Auer auf die konsequente Kontrolle des Parkplatzes baut und die lehrreiche Wirkung beobachtet hat, als tatsächlich ein Falschparker abgeschleppt wurde, schwebt Schweikle eine Shuttle-Lösung vor, die den gerade am Wochenende leeren Parkraum im Handelszentrum Rheinauer besser nutzen könnte. Beim Thema Jugendförderung würde Auer gerne einen Jugendgemeinderat einrichten, Schweikle das ehrenamtliche Engagement junger Leute fördern, in dem sie den Einsatz mit Gutscheinen fürs Ruftaxi belohnen wollte. Einig waren sie beide Bewerber, dass der Ausbau des Internetzugangs weiter vorangetrieben werden muss.

"In acht Jahren hat Gailingen eine verkehrsberuhigte Zone im Ortskern mit schönen Fachwerkhäusern, vielen Geschäften und wachsendem Gewerbe", antwortet Dietlinde Schweikle auf die Frage, wie sie sich Gailingen in acht Jahren vorstellt.
"In acht Jahren hat Gailingen eine verkehrsberuhigte Zone im Ortskern mit schönen Fachwerkhäusern, vielen Geschäften und wachsendem Gewerbe", antwortet Dietlinde Schweikle auf die Frage, wie sie sich Gailingen in acht Jahren vorstellt. | Bild: Matthias Biehler

Auer präsentierte sich als Einheimischer. "Ich bin von hier", begrüßte er das Publikum. Sein Augenmerk wolle er auf das Wohl der Gemeinde legen. Die Bürger sieht er in der Mitverantwortung. Nicht immer sei das Gemeindewohl aus unterschiedlichen Blickwinkeln deckungsgleich, dann gehe es darum im Dialog einen Konsens zu finden. "Was wir brauchen, ist eine gesunde Streitkultur, in der jeder seine eigene Position darstellen kann", so Auer. Den Erhalt der Werkrealschule vor Ort bezweifelt er. "Eltern machen hier Schulpolitik", erklärt er. Wenn nicht genügend Schulanmeldung für die fünfte Klasse eingehen, helfe auch das Wissen nicht, dass viele ab der siebten Klasse wieder zurückkommen. Schweikle sieht dies optimistischer: Man müsse eben das Gespräch mit den zuständigen Stellen suchen.

Gemeinsam mit den Bürgern gelte es auch den Spagat zwischen Baulandpolitik und Ressourcenschonung zu bewältigen. Wie der Flächenverbrauch reduziert werden kann und dennoch notwendige Bauplätze geschaffen werden, das müsse breit diskutiert werden.

"Ich habe mich auf das Rentenalter mit 67 Jahren eingestellt. Ich würde gerne, wenn ich wiedergewählt werde, zwei Amtsperioden in Gailingen voll machen", kündigt Thomas Auer schon heute eine erneute Kandidatur in acht Jahren an.
"Ich habe mich auf das Rentenalter mit 67 Jahren eingestellt. Ich würde gerne, wenn ich wiedergewählt werde, zwei Amtsperioden in Gailingen voll machen", kündigt Thomas Auer schon heute eine erneute Kandidatur in acht Jahren an. | Bild: Matthias Biehler

Schweikle will das Ortszentrum stärken. Ihre Vision: In acht Jahren könnte die Ortsmitte frisch saniert erstrahlen und vor dem Rathaus ein verkehrsberuhigter Bereich zum Bummeln einladen. Statt Handel auf der grünen Wiese, will sie Gewerbe an den Hochrhein locken, das zum Rehabereich passt. Sie habe Kontakte zu Firmengründern, die Produkte entwickeln um Behinderungen technisch zu beheben. Dass sie in der Lage sei, Ziele zu erreichen, machte sie an ihrem Lebenslauf deutlich: Erst wollte kein Ausbildungsbetrieb ein Mädchen als Werkzeugmacherin einstellen, am Ende sei sie Jahrgangsbeste gewesen. Nun hoffe sie auf das Vertrauen der Gailingen: "Auch wenn ich nicht ganz so sicher bin in der freien Rede." Vor so vielen Menschen zu sprechen sei eine neue Erfahrung für sie.

Auch Vorredner Thomas Auer gestand, dass er ein derart großes Publikum nicht gewohnt sei. Die Besucher machten ihm deutlich, dass die Verkehrswege ins benachbarte Ramsen zu autolastig seien. Was fehlt, sei ein Radweg und eine Buslinie Richtung Stein am Rhein. "Das wird schwierig, aber dafür lohnt es sich zu kämpfen", versprach Auer. Auch die immer wieder geforderte Busverbindung nach Singen will er zum Thema machen. Der ständig defekte Aufzug am Gottmadinger Bahnhof mache es gehbehinderten Menschen fast unmöglich, mit dem öffentlichen Nahverkehr nach Singen zu kommen. Joachim Speck wollte vom Kandidaten Auer konkret wissen, wie lange er Bürgermeister bleiben wolle: "Ich habe mich auf das Rentenalter mit 67 Jahren eingestellt. Ich würde gerne, wenn ich wiedergewählt werde, zwei Amtsperioden in Gailingen vollmachen", antwortete der.