Für Gailingen ist der wohl wichtigste Tag des Jahres Sonntag, der 4. März. Dann ist Bürgermeisterwahl. Der bisherige langjährige Amtsinhaber Heinz Brennenstuhl zieht sich ins Privatleben zurück. Neuer Rathauschef will Thomas Auer werden. Der derzeitige Leiter des Finanzamtes Mülheim mit rund 150 Mitarbeitern hat als erster Kandidat seine Bewerbung eingereicht.

Auer ist in Gailingen rundum bekannt. Der promovierte Jurist, seit neun Jahren Gemeinderat, stammt aus Gailingen und hat – von einigen Unterbrechungen abgesehen – sein Leben auch in der Hochrheingemeinde verbracht. Mit den Gedanken, sich um das Bürgermeisteramt zu bewerben, trägt er sich schon länger. Er ist im Dorf gut vernetzt. „Das wäre doch was für dich“, habe er in den letzten zwei Jahren immer wieder aus Gailinger Mund gehört.

Nach einer Zeit langer Überlegungen sei dann der Entschluss, zu kandidieren, über den Jahreswechsel konkret geworden, so Auer. „Ich bin hier zu Hause“, erklärt er seine Motivation, aus der heraus er auch seit neun Jahren als Gemeinderat der Freien Wähler im kommunalen Parlament der Hochrheingemeinde sitzt. „Ich bin Gailinger, und unser Gailingen, seine weitere Entwicklung und die Bürger Gailingens liegen mir am Herzen. Ich empfinde Verantwortung für unsere Gemeinde“.

Auer sieht sich als überparteilicher Kandidat. Als Bürgermeister für alle etwas bewirken zu können, ist das, was den parteilosen Juristen sehr reizt. „Ich möchte die Zukunft Gailingens gemeinsam mit allen Bürgern gestalten“, erklärt er. Auer kennt aus seiner Gemeinderatsarbeit die Themen, die die Hochrheingemeinde umtreiben. Wichtige Zukunftsfragen sind fürden Verwaltungsfachmann, in welchen Bereichen sich Gailingen wirtschaftlich weiterentwickeln kann, wie die Attraktivität des Ortes zu steigern wäre. Besondere Aufmerksamkeit kommt nach seiner Meinung der Gewährleistung einer guten Kinderbetreuung und der Schaffung von Altenbetreuungseinrichtungen zu. Des weiteren sei die Sanierung der Gemeindestraßen und die Verkehrsplanung weiter voranzutreiben: „Mit dem dazu stattgefundenen Bürgerworkshop und den daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen ist ein richtiger Schritt gemacht“, meint er. Dabei sei natürlich stets der finanzielle Rahmen zu beachten: „Eine solide Haushaltspolitik ist oberste Handlungsmaxime.“ Was ihm darüber hinaus persönlich am Herzen liege, seien die weitere Entwicklung des Rheinuferparks und ein starkes Vereinsleben.

Lieber ruhig und gelassen

Auer beschreibt seinen Führungsstil als ruhig und gelassen, ohne Aktionismus und partnerschaftlich-kommunikativ. Durch seine bisherige Tätigkeit in der Verwaltung und durch sein Gemeinderatsamt wisse er, wie wichtig der Dialog mit den Bürgern und die Offenheit für neue Ideen und Gedanken sei, um im Konsens zu sachgerechten Entscheidungen zu gelangen. „Das ist gelebte Demokratie und bringt die besten Ergebnisse.“

Privat ist Auer ein Mensch mit einem breit gefächerten Interessengebiet. Im Alltag entspannt der 53-Jährige bei Spaziergängen mit Ehefrau Isabelle Wilde- Auer, die in Gailingen selbstständige Kosmetikerin ist, und Hund. Mit Frau und Tochter ist seine Bewerbung auch lange diskutiert worden – die Familie steht hinter seiner Entscheidung. „Mach' das“, habe seine Frau gesagt, so Auer.

Nebenberuflich ist der Gailinger Mitglied der Prüfungskammer der Steuerberater, dazu Lehrbeauftragter der Mannheim Business School. Soweit es seine eng bemessene Freizeit zulässt, geht er mit seiner Frau auf Reisen. Er fährt Ski, und für interessante Kunstausstellungen wie die Documenta nimmt er auch schon mal längere Anreisen in Kauf.

 

Schillernde Konkurrentin

Außer Thomas Auers Bewerbung liegt mittlerweile eine weitere Bewerbung im dem Rathaus der Hochrheingemeinde vor. Die Kandidatin heißt Friedhild Anni Miller, wohnhaft in Sindelfingen. Sie war bei der Bundestagswahl im September vergangenen Jahres parteilose Direktkandidatin. Mit ihr will eine recht schillernde Kandidatin Rathauschefin werden. Die 48-jährige, die sich als Aufdeckungspolitikerin beschreibt, bewirbt sich gerne für Bürgermeisterposten – insgesamt, so heißt es, bisher in mehr als 50 Kommunen, aktuell unter anderen gerade auch für Niedereschach und Iffezheim. Ihre Mitbewerber müssen sich warm anziehen, denn die gut aussehende Blondine, der auch mal vor laufender Facebook-Kamera das Duschtuch als einziges Bekleidungsstück zu entgleiten droht, schlägt auch unterhalb der Gürtellinie zu. (drm)