Die große Kälte ging genau zum richtigen Zeitpunkt zu Ende: Vier Wochen zitterten die Bürger am Hochrhein, nachdem sich das Kandidatenkarussell zum Ende der Bewerbungsfrist für die Bürgermeisterwahl doch noch begonnen hatte zu drehen. Aber wohl eher wegen frostiger Temperaturen, als wegen der Spannung um den Wahlausgang. Am Tag der Entscheidung haben sich die Schneewolken verzogen und die Sonne lockte zum Spaziergang mit anschließender Einkehr im Wahllokal.

Doch der Einladung folgten nicht alle. Die Wahlbeteiligung lag bei 57,7 Prozent. Nur wenig mehr als jeder Zweite nutzte die Gelegenheit, mit abzustimmen. Dennoch war das Ergebnis eindeutig: Knapp 80,2 Prozent der Wähler gaben Thomas Auer ihre Stimme, Mitbewerberin Dietlinde Schweikle kam auf 14,3 Prozent, Dauerkandidatin Fridi Miller mit insgesamt 14 Stimmen gerade noch knapp 1,2 Prozent. Die Gailinger hat es gefreut, Schweikle hat das Ergebnis zur Kenntnis genommen und dem Wahlsieger gratuliert, während die Bürger den Wahlausgang mit großem Applaus quittierten, nachdem Bürgermeister Heinz Brennenstuhl als Wahlausschussvorsitzender das Ergebnis bekannt gegeben hatte und Auer auf Landrat Frank Hämmerles Frage, ob er die Wahl annehme, mit einem deutlichen Ja antwortete. Nicht nur viele Mitbürger hatten sich ab 19 Uhr vor dem Rathaus versammelt, sondern auch etliche künftige Amtskollegen der Nachbargemeinden aus dem Hegau und der angrenzenden Schweiz.

Überglücklich und fast sprachlos nahm Auer das Ergebnis zur Kenntnis. Dass er nicht alle Gailinger überzeugen konnte, war ihm klar. Das aber will er in den nächsten Jahren nachholen. "Ich will ein Bürgermeister für alle sein. Die Türen stehen jedem offen", versprach er. Und während die Feuerwehr den Bürgermeisterbaum aufstellte, spielte der Musikverein das Badnerlied – als Bürgermeisterchor bewiesen dabei Alfred Mutter aus Volkertshausen und Hans-Peter Lehmann aus Mühlhausen-Ehingen Textsicherheit. Lang war anschließend die Schlange der Gratulanten. Im Schlosskeller des Liebenfelsischen Schlösschen dauerte die Wahlparty noch bis in den frühen Morgen.

"Das ist ein Ergebnis, auf das sich aufbauen lässt", attestierte Brennenstuhl dem frisch gewählten Nachfolger. Er habe jetzt erfahren, dass Bürgermeister zu werden schwer sei, Bürgermeister zu sein sei häufig aber noch schwerer. Für die Amtskollegen gratulierte Engens Bürgermeister Johannes Moser: Das Ergebnis zeige, dass er stärkeren Rückhalt unter seinen Mitbürgern hat, als die künftige Berliner Regierung in der SPD. Das Mitgliedervotum der Genossen zur Regierungsbeteiligung sei mit 66 Prozent am selben Tag deutlich geringer ausgefallen.

Überaus zufrieden zeigen sich die Gailinger mit dem Wahlausgang: "Mit diesem Ergebnis haben wir gerechnet. Jetzt kann's weiter vorangehen", bilanziert Ingbert Sienel, Gemeinderatsmitglied der konkurrierenden CDU. Stolz war auch FW-Rat Günter Manogg. "Nach 32 Jahren haben wir jetzt wieder einen freien Wähler als Bürgermeister." Nun gelte es, die Zukunft der Gemeinde gemeinsam zu gestalten.

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So geht's weiter

  • 5. Mai: Heinz Brennenstuhl wird am Sanstag, 5. Mai, offiziell verabschiedet. Der Festakt findet in der Hochrheinhalle statt, die im letzten Jahren für 3,6 Millionen saniert wurde und sein letztes großes Projekt war. Erst am 9. Mai wird die neue Halle offiziell eingeweiht werden. Das soll dann die allerletzte Amtshandlung Brennenstuhls werden.
  • 11. Mai: Zu diesem Datum ist endgültig Schluss für den langjährigen Gailinger Bürgermeister. Am Tag nach Christi Himmelfahrt tritt er in den Ruhestand. Danach wird Nachfolger Thomas Auer offiziell ins Amt eingeführt.