Man muss schon über 50 Jahre alt sein, um jemals in Gailingen an einer Bürgermeisterwahl teilgenommen zu haben, an der nicht Heinz Brennenstuhl am Ende der Gewinner war. 32 Jahre hat er die Hochrheingemeinde geprägt und als Ort zum Wohlfühlen und gesund werden etabliert. Jetzt stehen die Wahlberechtigten vor einer Entscheidung, bei der Brennenstuhl nur noch eine Nebenrolle spielt – als Vorsitzender des Wahlausschusses ist er für den korrekten Wahlablauf verantwortlich.

Am Sonntag, 4. März, sind die 2203 wahlberechtigten Gailinger aufgerufen, Brennenstuhls Nachfolger zu wählen: Drei Kandidaten haben ihre Bewerbungen eingereicht und zwei davon haben sich ihren Wählern auch schon vor Ort präsentiert. Gemeinderatsmitglied Thomas Auer als der ortsbekannte Kenner dieses Fleckens und die Ingenieurin Dietlinde Schweikle aus Aalen als unabhängige Kraft von außen. Er punktet mit einem großen Bekanntheitsgrad, sie präsentiert sich als kühle Technikerin, die sich in die Verwaltungtätigkeit einarbeiten will. Einzig die bislang eher aus der Regenbogenpresse bekannte, einstige "Wer wird Millionär"-Teilnehmerin Fridi Miller hat sich bislang in Gailingen nicht blicken lassen. Laut Medienberichten kandidiert sie derzeit in mehreren Dutzend Städten und Gemeinden – darunter auch in der Stadt Wehr im benachbarten Landkreis Waldshut, wo am kommenden Wochenende gewählt wird.

Gespannt blicken die interessierten Gailinger nun auf Freitagabend. Um 19 Uhr ist die offizielle Kandidatenvorstellung der Gemeinde in der Turnhalle des Hegau-Jugendwerks. Zu der Informationsveranstaltung sind alle drei Bewerber eingeladen. Auer und Schweikle haben ihr Kommen bereits zugesagt. Ob Fridi Miller dabei ist, bleibt ungewiss. "Von Frau Miller liegt uns bislang weder eine Zu- noch eine Absage vor", erklärt Amtsinhaber Heinz Brennenstuhl auf Nachfrage des SÜDKURIER. Dass sie tatsächlich auftaucht, scheint fraglich.

Von ihrer Kandidatur in Wehr nimmt sie mittlerweile Abstand. Wehr sei für sie komplett abgehakt, weil ihre politischen Inhalte von den örtlichen Medien nicht ausreichend gewürdigt wurden – teilte sie schriftlich dem Wehrer Wahlvorstand mit. Auf dem Stimmzettel zur Wahl wird sie dennoch als dritte Kandidatin zu finden sein. Ein offizieller Rückzug ist dort – wie auch in Gailingen – schon aus formalen Gründen nicht mehr möglich. Ihre Teilnahme an der gestrigen Kandidatenvorstellungen in Wehr hat die 48-Jährige ebenfalls abgesagt: „Diesen Stress, über 200 Kilometer anzureisen, werde ich mir sparen und an diesem Tag in die Sauna gehen, um neue Kraft zu tanken für meinen Kampf für eine Welt voll Liebe und Frieden“, ließ sie die Wehrer in einer E-Mail an die dortige SÜDKURIER-Redaktion wissen.

Für die offizielle Kandidatenvorstellung hat der Gemeindewahlausschuss klare Regeln aufgestellt. So werden die Bewerber bei der Veranstaltung am Freitag, 23. Februar, ab 19 Uhr ein enges Zeitfenster für ihre Präsentation haben. Da die Hochrheinhalle derzeit wegen Sanierungsarbeiten blockiert ist, soll die Turnhalle des Hegau-Jugendwerks zur Information von Bürgern und Wählern genutzt werden. Jeder Kandidat erhält 30 Minuten Zeit, davon maximal eine Viertelstunde zur persönlichen Vorstellung. Danach hat die Gailinger Bürgerschaft Gelegenheit, Fragen zu stellen. Die Themen Verkehr, von rasenden Schweizern bis zu parkenden Rheinuferparkbesuchern, Schule angesichts des drohenden Wegfalls des Werkrealschulzweigs an der Hochrheinschule und die Frage nach einem Ersatz für das geschlossene Altenheim werden breit diskutiert werden. Die anderen Bewerber müssen währenddessen in einem anderen Raum ausharren. Sie sollen nicht mitbekommen, welche Fragen gestellt werden und welche Antworten das Publikum bekommt.

Zur Podiumsdiskussion rund um die Bürgermeisterwahl lädt der SÜDKURIER kurz vor der Wahl am Dienstag, 27. Februar, die beiden aktiven Kandidaten Thomas Auer und Dietlinde Schweikle ab 19 Uhr in den Schlosskeller des Liebenfelsischen Schlössle ein. Dort werden die zwei Kontrahenten, die vor Ort Wahlkampf betreiben, erstmals direkt aufeinandertreffen. Nach einer kurzen Vorstellung und einer moderierten Diskussionsrunde auf dem Podium sollen abschließend die Gailinger die Möglichkeit erhalten, Fragen an die Kandidaten zu richten, um sich vor der wichtigen Wahl am Sonntag, 4. März, ein Meinungsbild über die Qualität der Kandidaten machen zu können. In zwei Wahlbezirken, mit dem Rathaus und der Schule als Wahllokale, können die Gailinger Bürger am Wahlsonntag von 8-18 Uhr dann ihre Stimmen abgeben. "Ein eventueller Neuwahltermin ist am 18. März für den Fall, dass im ersten Wahlgang kein Kandidat eine absolute Mehrheit erreicht", kündigt Brennenstuhl den Ausnahmefall an. Damit rechnen aber nur wenige in der Hochrheingemeinde.

So wird man Bürgermeister

  1. Zulässig sind alle Kandidaturen von Bürgern aus der EU, die in Deutschland wohnen, am Wahltag älter als 25 und jünger als 68 sind und nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen wurden.
  2. In Gemeinden unter 20 000 Einwohnern genügt die fristgerechte Abgabe der kompletten Bewerbungsunterlagen inklusive Nachweis der Wählbarkeit. Diese stellt die Gemeinde des Hauptwohnsitzes aus. Der Gemeindewahlausschuss muss die Bewerbung zulassen, wenn sie allen erforderlichen Anforderungen entspricht.
  3. Ab einer bestimmten Gemeindegröße muss der Kandidat von einer bestimmten Anzahl in der Gemeinde wahlberechtigter Personen unterstützt werden. Ab 20 000 Einwohnern werden 50 Unterschriften von Wahlberechtigten benötigt, bei mehr als 50 000 Einwohnern 100 Unterschriften, ab 100 000 Einwohnern 150 Unterschriften, in Gemeinden mit über 200 000 Einwohnern sogar 250 Unterschriften. Dabei darf ein Wahlberechtigter für dieselbe Wahl nur eine Bewerbung unterzeichnen. Einzig amtierende Bürgermeister, die sich zur Wiederwahl aufstellen, benötigt für die Bewerbung keine Unterschriften.

Quelle: Serviceportal Baden-Württemberg