Im Mai geht der Gailinger Bürgermeister Heinz Brennenstuhl nach 32 Amtsjahren in den Ruhestand. Zeit, Bilanz zu ziehen. Das reichhaltige Betätigungsfeld in der damals 2400 Einwohner zählenden Gemeinde hatte ihn 1986 gereizt, sich für das Bürgermeisteramt zu bewerben. Die städtebauliche Kultur war desolat, obwohl es damals vom Land Baden Württemberg noch viel Fördergelder gab. In Gailingen ist davon nicht viel angekommen. Einer der Gründe war, dass der Bürgermeisterposten oft krankheitshalber unbesetzt war.

Seit 30 Jahren ist Gailingen nun bereits im Sanierungsprogramm des Landes, und es wurde viel in die Infrastruktur investiert, damit die jungen Leute nicht abwandern. Einen politischen Seitensprung erlaubte sich Heinz Brennenstuhl, als er im Jahr 2004 erfolglos bei der Bürgermeisterwahl in Gottmadingen kandidierte. "Die große Herausforderung der 10 000 Einwohner Gemeinde hat mich gereizt. Und ich konnte auch den Bauchpinseleien nicht widerstehen", so der scheidende Schultes. Nach seiner Wahlanalyse erkannte er jedoch, dass in Gottmadingen kein Gailinger Bürgermeister werden kann.

Brennenstuhl kehrte wie ein begossener Pudel nach Gailingen zurück und wurde dort wieder herzlich aufgenommen. "Der Gemeinderat hat mich mit Applaus begrüßt, so etwas vergisst man nicht", erinnert er sich heute noch an diesen sehr emotionalen Moment. Es sind keine Narben zurückgeblieben.

Bei der nächsten Wahl stellte sich kein Gegenkandidat auf. Die Gailinger haben Brennenstuhl mit dem Traumergebnis von über 99 Prozent der gültigen Stimmen wiedergewählt. Der 62-Jährige schildert, dass das Amt bei ihm auch Gebrauchsspuren hinterlassen und er ein dickes Fell bekommen habe. Schließlich könne man es nicht immer jedem recht machen. Er konnte mit Kritik umgehen, wenn sie offen, sachlich und nicht unter die Gürtellinie ging. Ansonsten konnte er aber auch unangenehm werden.

Gute Kontakte pflegte er zu den Schweizer Nachbargemeinden. Insbesondere mit dem Diessenhofer Stadtammann Walter Sommer arbeitete er im kulturellen Bereich und bei den Rheinuferprojekten grenzüberschreitend zusammen. Für Brennenstuhl war die Beziehung zur Schweiz immer eine Art kleine Außenpolitik. Der Gailinger Rathauschef weiß, dass die Schweizer Nachbarn andere Traditionen und Kulturen haben und wo sie empfindlich sind. Er betonte immer wieder, dass die grenzüberschreitende Region ein einmaliger Wirtschafts-, Lebens- und Erholungsraum ist, in dem beide Seiten profitieren können. Er bedauert allerdings auch, dass sich die Schweizer oft in der Opferrolle und die Deutschen als Profiteure sehen, obwohl die Dienstleistungsströme seiner Meinung nach ziemlich ausgeglichen sind. "Die Deutschen gehen in die Schweiz zum COOP und zum Tanken und wer etwas mehr Geld hat, der braucht auch die Schweizer Banken", bemerkt Brennenstuhl, dem das Bürgermeisteramt immer viel bedeutet hat, obwohl er wenig Freizeit hatte. "Man muss sich an dem freuen, was man hat und nicht an dem, was man haben könnte, sonst ist man immer unzufrieden", sagt der Bürgermeister.

Heinz Brennenstuhl wird nun am 5. Mai offiziell verabschiedet. Der Festakt findet in der Hochrheinhalle statt, die im letzten Jahren für 3,6 Millionen saniert wurde und sein letztes großes Projekt war. Am 9. Mai wird er die neue Halle noch einweihen und am 11. Mai ist dann endgültig Schluss für den Gailinger Bürgermeister. Obwohl er bereits mehrere Anfragen für ehrenamtliche Tätigkeiten in verschiedenen Fördervereinen und Ausschüssen hat, will er künftig weniger Verantwortung übernehmen und mehr Zeit für sich in Anspruch nehmen.

Zur Person

Heinz Brennenstuhl ist 62 Jahre alt und stammt aus Messkirch. Als 30-Jähriger wurde er 1986 zum Gailinger Rathauschef gewählt, nachdem er fünf Jahre in Sauldorf Hauptamtsleiter und bei der Bürgermeisterwahl in Degenhausertal knapp gescheitert war. Der Diplom-Verwaltungswirt ist seit 1984 mit seiner Frau Antonie verheiratet. Die Kinder Tanja (32), Holger (30) und Maximilian (18) sind bereits erwachsen. Seine Hobbys sind der Wintersport und das Wasser. Künftig will er sich Zeit für sein erstes Enkelkind nehmen, das im April erwartet wird.