Jürgen Graf trat auf vielfältige Weise in Erscheinung. Als Kommandant der Feuerwehr Gaienhofen, als Leiter des Ordnungsamts der Gemeinde Moos, als Mitglied der Freien Wähler Gaienhofen, als Elferrat der Heufresser-Zunft in Horn, als Kassier des Vereins „Die Höri Bülle“. In allen diesen Organisationen wird Jürgen Graf fehlen. Familienmitglieder, Freunde, Kollegen und Mitarbeiter ereilte die traurige Nachricht, Jürgen Graf ist seiner schweren Krankheit im Alter von 54 Jahren erlegen.

Viele kritische Einsätze

Wenn Hektik aufkam, behielt Jürgen Graf die Ruhe. Zuvorkommend, freundlich und mit großer Aufmerksamkeit begegnete er seinen Gesprächspartnern, pflichtbewusst und mit großem Einsatz ging er an seine Aufgaben. Sein verschmitztes Lächeln bleibt in Erinnerung. Diese freundliche Grundeinstellung zum Leben legte er auch nicht ab, wenn es stressig im Beruf etwa bei Bürgermeisterwahlen und im wahrsten Sinne des Wortes „brenzlig“ in seiner Eigenschaft als Kommandant der Feuerwehr Gaienhofen wurde.

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Mehrfach galt es kritische Situationen zu bewältigen wie beim Großbrand des Hofguts Balisheim im Sommer 2018. Peter Jetter, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Gaienhofen, bezeichnet seinen Kameraden Jürgen Graf „als Führungskraft, als Macher, der immer da war und einer, auf den wir uns verlassen konnten“.

Fast vier Jahrzehnte bei der Feuerwehr

Über 37 Jahre war Jürgen Graf bei der Feuerwehr. Oder wie es Peter Jetter formuliert: „Gefühlt, war er schon immer dabei.“ Graf habe in Gaienhofen eine der ersten Jugendfeuerwehren im Kreis aufgebaut. Seit 2005 war Graf Gesamtkommandant der Feuerwehr Gaienhofen und Abteilungskommandant der Feuerwehr Horn. Als treibende Kraft stehe Graf hinter allen Neuanschaffungen für den Fuhrpark der Feuerwehr Gaienhofen. „Unter seiner Regie wurden die Fahrzeuge bestellt und gekauft“, sagt Jetter. Auch die Zusammenlegung der vier Feuerwehren Gaienhofen und Hemmenhofen sowie Gundholzen und Horn in nunmehr zwei Abteilungen Gaienhofen und Horn ist unter seiner Federführung erst im vergangenen Jahr vollzogen worden. Mit dieser Fusion hat Graf dann seine langjährige Aufgabe als Abteilungskommdant von Horn an Felix Wößner abgegeben.

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Gaienhofens Bürgermeister Uwe ­Eisch bestätigt dieses außergewöhnliche Engagement für die Feuerwehr: „Jürgen Graf drängte immer auf eine moderne und umfassende Ausstattung.“ In diesem Zusammenhang nennt Eisch auch den Bau des neuen Feuerwehrhauses im Ortsteil Horn. Jürgen Graf habe seine Anliegen stets gründlich vortragen können, weil er alle Ausbildungen durchlaufen habe und selbst Ausbilder auf Landkreisebene gewesen sei. Eisch unterstreicht das Engagement Grafs für die Jugendfeuerwehr: „Wir haben über 35 Jugendliche und sind damit eine der größten Jugendfeuerwehren im Kreis.“ Diese Jugendarbeit sei Jürgen Graf besonders am Herzen gelegen. Auch habe Graf intensiv die Partnerschaft zur Feuerwehr im Schweizerischen Steckborn auf der anderen Seite des Sees gepflegt. „Er hat große Fußspuren in unserer Gemeinde hinterlassen“, sagt Eisch.

Die Kameraden vermissen ihn

Der Bürgermeister zeigt sich tief betroffen über den Tod des Kommandanten: „Wir hatten die Hoffnung, dass er sich erholt – auch weil er selbst guten Mutes war.“ Der stellvertretende Kommandant Peter Jetter spricht auch für 60 aktive Mitglieder in der Feuerwehr Gaienhofen, wenn er über Jürgen Graf sagt: „Wir vermissen ihn alle.“

Drei Jahrzehnte im Rathaus Moos

Das trifft auch für seinen Chef im Rathaus Moos zu. Bürgermeister Patrick Krauss, der nach seiner Wahl im Dezember 2018 nur eineinhalb intensive Jahre mit Graf zusammenarbeiten konnte, bezeichnet den Tod seines Mitarbeiters als „sehr, sehr tragisch“. 30 Jahre sei Graf in der Gemeinde Moos beschäftigt gewesen, „sein Wissen und seine Kompetenz kann man nicht ersetzen“. Trotz seiner Krankheit habe er bis zuletzt im Rathaus ausgeholfen. „Wenn seine Kräfte es ausgehalten haben, war er da“, sagt Krauss. Der Bürgermeister beschreibt Graf als „Kämpfer, äußerst pflichtbewusst und einsatzbereit.“

Bürgermeister Krauss: „Ich habe einen Freund verloren.“

Patrick Krauss spricht darüber hinaus von einem sehr offenen Verhältnis zwischen ihm und seinem Mitarbeiter: „Jürgen Graf stand mir von Anfang an mit Rat und Tat zur Seite.“ So habe sich mehr entwickelt, als nur ein dienstliches Verhältnis, sagt der Mooser Bürgermeister: „Ich habe nicht nur einen Mitarbeiter verloren, sondern auch einen Freund.“

Jürgen Grafs Wirken beschränkte sich nicht auf das Rathaus Moos und die Feuerwehr Gaienhofen, er brachte sich bei der Heufresser-Zunft in Horn und beim Verein „Die Höri Bülle“ ein. Als Vertreter dieses Vereins nahm er noch im vergangenen Jahr einen dritten Preis des Deutschen Gartenbuchpreises in der Kategorie Gartenkochbuch entgegen.

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Und nicht zu vergessen: Von 1999 bis 2009 saß Jürgen Graf für die Freien Wähler im Gemeinderat Gaienhofen. Wie Bürgermeister Uwe Eisch berichtet, habe es damals einen nahtlosen Übergang in der Familie gegeben. Vater Gerhard Graf sei 1999 aus dem Gemeinderat ausgeschieden und sein Sohn Jürgen sei dafür in das Gremium eingezogen. Nun hinterlässt der Familienvater Jürgen Graf seine Frau Sonja und die Söhne Martin und Matthias.

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