In der dunklen Jahreszeit steigt die Anzahl der Wildunfälle jedes Jahr. Die Erklärung dafür ist einfach – denn dann dämmert es bereits zwischen 16 und 17 Uhr und viele Autofahrer sind zu dieser Zeit auf der Heimfahrt von der Arbeit. Genau diese Phase des Tages nutzen aber auch viele nachtaktive Wildtiere, um zu ihren Futterplätzen zu gelangen.

„Das Wild wechselt in der Dämmerung“, sagt dazu Jäger Thomas-Oliver Meyer. Er betreut aktuell ein Jagdrevier auf der Gemarkung der Gemeinde Gaienhofen, das als Wildunfall-Schwerpunkt bezeichnet werden kann. Dabei handelt es sich um einen Abschnitt an der Landesstraße 192 zwischen Iznang und Gundholzen.

Nicht der Wald ist die gefährlichste Stelle

Der unfallträchtigeste Bereich befand sich dabei nicht in dem Waldstück zwischen den beiden Orten, sondern kurz vor dem Ortseingang von Gundholzen. Das Wild wechselt hier zwischen dem Seeufer und den Feldern unterhalb des Wasserturms. Auf dem Streckenabschnitt wurden in diesem Jahr bereits 16 Wildunfälle gemeldet.

„Neulich hatte ich an einem Tag zwei Anrufe von der Polizei“, berichtet der Jäger. Glücklicherweise kam es bisher zu keinem Verletzen, allerdings häufiger zu teuren Blechschäden.

Gefährlicher Abschnitt für Wildtierunfälle. Der Bereich vor der Ortseinfahrt von Gundholzen (im Bildhintergrund) an der Landesstraße von Iznang kommend.
Gefährlicher Abschnitt für Wildtierunfälle. Der Bereich vor der Ortseinfahrt von Gundholzen (im Bildhintergrund) an der Landesstraße von Iznang kommend. | Bild: Jarausch, Gerald

In solchen Fällen kommt Meyer und seinen Jagdkollegen die unangenehme Aufgabe zu, die verletzten Tiere aufzuspüren, und sie gegebenenfalls von ihrem Leid zu erlösen. In diesem Jahr waren das zumeist Rehe, Füchse und Dachse.

Das Aufspüren stellt sich in der Praxis oft schwierig dar. Denn vor allem angefahrene Tiere, die nicht bluten, sind auch mit Hunden, die deren Witterung aufnehmen, schwer zu finden. „Oftmals sind die Angaben aber auch sehr ungenau“, weiß er zu berichten.

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Die verendeten oder getöteten Tiere werden in die Tierverwertung gebracht und manchmal auch der Natur übergeben. „Das regelt die Natur in zwei Tagen“, sagt der Jäger. Genauso wie die Autofahrer, darf auch er die Wildtiere nicht einfach mitnehmen oder gar verwerten. Denn das käme dem Strafbestand der Wilderei gleich.

Was man bei einem Unfall tun sollte

Für alle, die einen Wildunfall hatten, gelten folgende Regeln: Es gilt die Unfallstelle abzusichern und man sollte die Warnweste anlegen. Bei Verletzten Erste Hilfe leisten und die Rettung (112) rufen. Dem geflüchteten Tier sollte man nicht folgen, dem Jäger besser nur die Fluchtrichtung angeben.

Tote Tiere nie ohne Handschuhe anfassen, zu lebenden sollte man Abstand halten. Und natürlich sollten die Polizei (110) und der Jäger verständigt werden. Für die Versicherung benötigt man eine Wildunfallbescheinigung.

Jäger geht von Dunkelziffer aus

Das alles findet längst nicht immer statt. „Vermutlich kommen zu den 16 gemeldeten Fällen einige nicht gemeldete Unfälle hinzu“, schätzt Meyer.

Er selbst hat seine Fahrweise, nachdem er Jäger geworden ist, mittlerweile verändert. „Ich fahre abends oft nur noch 60 Stundenkilometer. Aber selbst das kann schon zu schnell sein, um noch reagieren zu können“, sagt er.

Wie man Wildunfälle vermeidet

Um einen Wildunfall zu vermeiden sollte man seine Geschwindigkeit auf Strecken mit unübersichtlichen Wald- und Feldrändern reduzieren. Die größte Gefahr droht in der Morgen- und Abenddämmerung – bei Nacht und bei Nebel.

Bei einem Tier am Straßenrand: abblenden, hupen, bremsen. Lenkrad festhalten, keine unkontrollierten Ausweichmanöver. Ein Tier kommt selten allein – Autofahrer sollten stets mit Nachzüglern rechnen.