Nein. Klaus Scheidtmann ist kein Schriftsteller. Er ist Neurologe. Und doch hat er ein Buch geschrieben: „Seitenwechsel. Ein Arzt als Patient.“ Darin schildert Scheidtmann, wie er an einem Hirntumor erkrankte und so die medizinische Versorgung von der Warte des Patienten aus erlebte. Der anwesende Verleger Gunter Narr zeigte sich sichtlich erfreut, dass die Premiere nun endlich wahr wurde, denn die Corona Pandemie verhinderte, das im März erschienene Buch früher vorzustellen.

Nur das Umfeld nahm Veränderungen im Verhalten wahr

Die Präsentation des Buches am Freitag in der gut gefüllten Gaienhofener Melanchtonkirche war als Dialog gestaltet: Pfarrer Roland Klaus, Freund und Vertrauter des Autors und Scheidtmann, der selbst Mitglied in der Gemeinde ist, unterhielten sich. Zunächst habe er nicht die Absicht gehabt, ein Buch zu schreiben, sondern er habe nur seine Gedanken festhalten wollen, berichtete der Autor. Ob Mut dazu gehört habe, sein Innerstes für andere zu öffnen, fragte Pfarrer Klaus. Er habe nie ein Geheimnis aus seiner Krankheit gemacht, gestand der Autor, doch das Ergebnis der Kernspintomographie, die einen faustgroßen Tumor zeigte, habe ihn erschüttert: „Man selbst merkt nichts, es tut nicht weh, nur das Umfeld nimmt Veränderungen im Verhalten wahr.“

Ein starker Wille hat ihn gerettet

Scheidtmann leugnete nicht, dass auch Professoren Fehldiagnosen stellen und empfahl, immer eine zweite Meinung einzuholen. Mehrere Operationen waren nötig. Ein Zitat aus dem Buch beschreibt die Ängste, die sich auftun, wenn man plötzlich nicht mehr schlafen kann, Körperteile gelähmt sind, man nicht einmal mehr die Socken selbstständig anziehen kann. Die Familie habe ihn getragen, ein starker Wille ihn gerettet, Meditationen Geist und Körper zur Ruhe bringen können. Natürlich kam ihm sein Fachwissen zugute, er traf auch auf Ärzte, mit denen er sich auf Augenhöhe unterhalten konnte – das sei leider nicht oft passiert.

Wichtig ist Ehrlichkeit dem Patienten gegenüber

Klaus Scheidtmann konnte geheilt werden und langsam wieder ins Berufsleben zurückkehren. Gelernt habe er, seine Patienten immer so zu behandeln, wie er selbst behandelt werden möchte. „Die Krankheit hat mir die Möglichkeit eröffnet, mit ganzem Herzen zu lieben, mitfühlender, einfühlender zu sein.“ Deshalb sehe er immer den ganzen Menschen, nicht nur das Hirn. Es sei wichtig, dem Patienten zuzuhören, ihn ernst zu nehmen und ehrlich zu ihm zu sein.

Das Buch ist erschienen bei der Klöpfer, Narr GmbH Tübingen. Es hat 130 Seiten und kostet 24 Euro. ISBN-Nr.: 978-3749610320.

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