Die nächste Touristen-Saison steht in den Startlöchern, doch ist die Zukunft des Hesse-Museums in Gaienhofen ungewiss. Denn die Leiterin Ute Hübner wird das Haus nach rund 20 Jahren mitten im Sommer verlassen. Noch ist keine Nachfolge für die Einrichtung gefunden. Auch die Öffnungszeiten in den Wintermonaten stehen aktuell auf der Kippe.

Nun wendet sich die Grüne-Landtagsabgeordnete Nese Erikli in einem offenen Brief an den Gaienhofener Bürgermeister Uwe Eisch und möchte von ihm wissen: „Was ist Ihnen dieses Haus wert, was sind Ihnen Kunst, Kultur und Literatur auf der Höri wert und wie kann es mit dem Hesse-Museum in Gaienhofen weitergehen?“.

Fehlende Kommunikation als Kündigungsgrund

Grund für Eriklis Schreiben ist die Kündigung Ute Hübners selbst. Denn diese geht nicht, weil sie eine andere, attraktivere Anstellung gefunden hat. Sondern wegen der Rathausspitze und deren Umgang mit ihr als Museumsleitung. Der Mangel an Wertschätzung sei der Grund gewesen, warum Ute Hübner gekündigt hat. Eisch soll dem Museum ohne vorherige Absprache oder Information eine Stelle umstrukturiert haben.

Für Ute Hübner war dies Ausdruck der Geringschätzung für ihr Team und ihre Arbeit vor Ort. Mit dieser Nachricht ging sie vor einiger Zeit an die Öffentlichkeit. Auch um Gerüchten ein Ende zu setzen. Denn im Rathaus sei behauptet worden, sie ginge aus gesundheitlichen Gründen.

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Als Landtagsabgeordnete für die Höri und Vorsitzende des für die Kultur zuständigen Fachausschusses im Landtag liege es nahe, dass sie sich für dieses Haus besonders interessiere, schreibt Erikli an Eisch. Es sei Hübners Wirken am Hesse-Museum gemeinsam mit ihren Mitarbeitern, die das Haus zu einem Ort von Strahlkraft weit über die Region hinaus habe werden lassen. Für Erikli ist eine Frage nicht geklärt: „Warum wurde Frau Dr. Hübner als langjährige Partnerin der Gemeinde nicht zumindest in den Stellenabbau des Hauses einbezogen?“

Hesse-Museum zieht Besucher auf die Höri

Auch erinnert die Grüne-Politikerin den Bürgermeister von Gaienhofen an die Bedeutung der Kultur für den Tourismus. Tausende Besucher würden jährlich dank des Museums in die Region gelockt, würden für Übernachtungen in der Gemeinde und für Gastronomiebesuche sorgen und so „Geld in die Kasse spülen“.

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Aber das Hesse-Museum sei mehr als das: „Ich muss auch daran denken, dass das Museum ein außerschulischer Lernort ist. Gelernt wird während allen vier Jahreszeiten“, so Erikli. Das Land habe gemeinsam mit der Gemeinde dafür gesorgt, die Kultur in Gaienhofen zu pflegen. Und nun würden sich viele Bürgerinnen und Bürger fragen, wie es weitergehen werde. Denn das Hesse-Museum sei gerade jetzt in Zeiten von Pandemie und Krieg ein Zufluchtsort, der Abwechslung vom Alltag und die Möglichkeit der Reflexion biete, fasst Nese Erikli zusammen.