Mehr als eine Millionen Euro investierte Gaienhofen in den Umbau und in die Sanierung ihres ehemaligen Rathauses. Im linken Flügel bezog nun die Tourist-Information ihr neues Domizil. Das Land förderte den Umbau mit 462 200 Euro aus dem Tourismus-Infrastruktur-Programm. Es würdigte die Idee einer erlebnisorientierten Tourist-Information (TI) mit einem zweiten Platz im Fördertopf. Den Restbetrag wolle die Gemeinde haushaltsneutral durch den Verkauf des alten TI-Gebäudes finanzieren, sagte Bürgermeister Uwe Eisch bei der Eröffnung der Tourist-Information. Das Gebäude wurde energetisch saniert und mit einer neuen Holzfassade in dessen äußeren Gestalt komplett verändert. Der Baubeginn war Mitte September 2019. Die Fertigstellung verzögerte sich wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr.

Herbert Moser (li.) entwarf die Innenräume der neuen Tourist-Information. Jörn Thamm (Mitte) sanierte das ehemalige Rathaus energetisch und koordinierte mit dem Leiter des Bauamtes, Ludwig Wilhelm, das Projekt mit engagierten Projektbeteiligten.
Herbert Moser (li.) entwarf die Innenräume der neuen Tourist-Information. Jörn Thamm (Mitte) sanierte das ehemalige Rathaus energetisch und koordinierte mit dem Leiter des Bauamtes, Ludwig Wilhelm, das Projekt mit engagierten Projektbeteiligten.

Projekt ist eine Pionierarbeit

Mit Stolz übergaben der Bürgermeister und die Projektleiter der neuen Tourist-Information das Gebäude der Öffentlichkeit. Das Projekt kann als eine Pionierarbeit erlebnisorientierter Touristeninformationen aufgefasst werden und greift mit neuartigen Techniken dreidimensionaler Darstellung die landschaftlichen Besonderheiten der Höri und des Untersees auf. Der Besucher betritt die TI durch einen blaugetünchten Windfang, der einen realen Punkt im Bodensee darstellt, von dem man auf die Höri blicken kann. Für die Gestaltung des Bodens lieferte das internationale Projekt „Tiefenschärfe“ hochauflösende Daten für ein detailgenaues Model des Untersee-Seebeckens mit einer realen Abbildung der Tiefe und der Küstengebiete.

In der Spielecke erleben Kinder mit einem Murmelspiel die Faszination und Größe der umliegenden Bergwelt.
In der Spielecke erleben Kinder mit einem Murmelspiel die Faszination und Größe der umliegenden Bergwelt.

Schichtmodell bildet die Höri ab

Betritt der Tourist die Räume, so läuft er über den Untersee hinweg auf ein etwa neun Quadratmeter großes, plastisches Schichtmodell der Halbinsel zu. Auf dessen Oberfläche blenden Projektoren mit Hilfe einer Bildschirm-Bedienung die Topografie, die Sehenswürdigkeiten und Radwege auf das Modell. Damit sollen Besucher in Interaktion mit der Kulturlandschaft der Höri gebracht werden.

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Das Modell der Halbinsel wurde aus real existierenden Topographiedaten dreidimensional aus einem Schichtholz gefräst. Der Innenraum wurde von Herbert Moser entworfen. Der Inhaber einer Professur für Mediengestaltung an der Dualen Hochschule Ravensburg arbeitete mit einem engagierten Team an der Umsetzung seiner Ideen. Selbst das Mobiliar nimmt geologische Schichten der Höri auf. Die Spielecke zeigt das Umland mit seinen Gebirgszügen und lässt Kinder die Region mit einem Murmelspiel erfahren. Genau an dieser Stelle befand sich das ehemalige Amtszimmer des Bürgermeisters.

Auf einem detailtreuen Höhenmodell der Höri blenden Projektoren die Radwege, Sehenswürdigkeiten auf die Oberfläche des Schichtholzes.
Auf einem detailtreuen Höhenmodell der Höri blenden Projektoren die Radwege, Sehenswürdigkeiten auf die Oberfläche des Schichtholzes.

Gute Voraussetzungen für den Umbau

Das alte Rathaus bestand nach einem Anbau aus zwei Gebäudekomplexen. Der typische Verwaltungsbau aus den 1970er Jahren wurde von seiner Architektur her kleinteilig entworfen, erläuterte der Architekt Jörg Thamm vom Konstanzer Büro Bauraum. Die Baustatik erlaubte eine Entkernung für einen offenen und großzügigen Innenraum. Das Gebäude wurde energetisch saniert, mit neuer Brandschutztechnik ausgestattet und mit einer neuen Holzfassade, teilweise wellenförmig, verkleidet. Alle am Projekt Beteiligten sprachen sich positiv über die Zusammenarbeit sämtlicher Akteure aus. Angesichts der Neuartigkeit der erlebnisorientierten TI wurde der Gemeinderat bei der Eröffnung für dessen Mut sowie Kooperation und Engagement lobend hervorgehoben.