Zum 100. Geburtstag und 50. Todestag des großen Lyrikers Paul Celan (1920-1970) schuf der Grafiker und Bildhauer Markus Daum im Jahr 2020 einen Zyklus von 15 Radierungen und einigen Skulpturen.

Coronabedingt konnte die Gemeinschafts-Ausstellung in der Bremer Galerie Ohnesorge im vergangenen Jahr nur kurze Zeit und mit wenigen Exponaten gezeigt werden. Der komplette Zyklus ist nun im Hermann-Hesse-Museum in Gaienhofen zu sehen.

Porträts erzählen von Beziehungen

Im Gespräch mit dem in Radolfzell und Berlin lebenden Künstler führte Museumsleiterin Ute Hübner in Werk und Ausstellung ein. Die Radierungen sind größtenteils auf schwarzem Papier angelegt und mit Silberfarbe gedruckt. Sie zeigen Porträts von Paul Celan und Menschen, die in seinem Leben eine Rolle spielten: Ingeborg Bachmann, mit der ihn eine kurze Liebesbeziehung verband, seine Frau Gisèle de Lestrange, die er 1952 heiratete oder Friedrich Hölderlin, den er verehrte und der ähnlich radikal wie Celan mit Sprache umging.

Porträts von Claire Goll, die ihn mit Plagiatvorwürfen kränkte und Martin Heidegger, mit dem er befreundet war, der aber nicht zu seiner eigenen Verstrickung im NS-Regime Stellung nahm, legt Markus Daum mit weißem Hintergrund und schwarzer Farbe als Negativ an. So will Daum auch die negativ-belastende Beziehung Celans zu diesen Menschen sichtbar machen.

Perspektivwechsel als Thema

„Schon nicht mehr/Immer noch“ ist die Ausstellung betitelt. Das Zitat stammt aus der Dankesrede Celans zur Verleihung des Georg Büchner-Preises 1960. Dass Kunst Perspektivwechsel möglich machen kann, zeigt auch der aus der Celan-Rede entlehnte Titel einer Drahtplastik von Markus Daum – ein abstrahierter, umgekehrter Kopf: „Wer auf dem Kopf geht, der hat den Himmel als Abgrund unter sich.“

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Obwohl Markus Daum keine Celan-Gedichte interpretieren wollte – „Es ist keine Ausstellung zu Celan, es ist eine Ausstellung für ihn“ – erkennt man doch in einigen Radierungen Bezüge. Etwa die waagerechten Stacheldraht-Reihen auf Schwarz, die durchaus auf Celans bekanntestes Gedicht „Todesfuge“ weisen können. Mit lyrischen Mitteln thematisiert Celan die nationalsozialistische Judenvernichtung, der auch seine Eltern 1942 zum Opfer fielen.

Bis 29. August geöffnet

Die Ausstellung im Hesse-Museum ist bis zum 29. August 2021 zu sehen. Geöffnet dienstags bis sonntags von 10-17 Uhr. Führungen im Juli und August. Weitere Infos gibt es auf der Internetseite des Hesse-Museums in Gaienhofen.