Wie lange müssen Standing Ovations dauern, wie umfangreich muss eine Rede sein, welches Abschiedsgeschenk ist angemessen, um den Dank für 30 Jahre unermüdliches Engagement auszudrücken? Die Evangelische Schule Schloss Gaienhofen musste sich zum Ende des Schuljahres eingestehen, dass man die Verdienste von Ilse Lang für Internat und Schule nur schwer in Worte fassen kann und folglich nur die Kraft symbolischer Anerkennung weitreichend genug ist, um zu würdigen, was eine Schule maßgeblich mitgeprägt hat.

Die Verdienste von Ilse Lang liegen zu einem großen Teil in ihrer Unterstufenarbeit: als Stufenkoordinatorin und damit verantwortlich für das Zusammenwirken der Klassenlehrer, Eltern und Schüler in den Klassen 5 und 6 konnte sie bereits bei der Schüleraufnahme und der geschickten Klassenzusammensetzung die Weichen für harmonierende Gemeinschaften stellen und viele Schülergenerationen mit Liebe, Strenge und einem ausgeprägten Organisationssinn zugleich ins Gaienhofener Schulleben begleiten.

Wenn Schule ein gemeinsamer Lebensraum für Lehrer und Schüler ist

„Das persönliche Gespräch, das pädagogische Gespür dafür, was einem Schüler gut tut und was er braucht, waren bei ihr selbstverständliche Grundlage für ein jahrelanges, bis 2012 andauerndes Engagement als „Unterstufenkoordinatorin“, fasste Schulleiter Dieter Toder das Wirken der langjährigen Lehrerin für Mathematik, Physik und Naturphänomene zusammen. „Was sie anpackte, lief einfach!“, ergänzte Toder und überreichte ihr eine in Eisenplatten und als Unikat gestaltete und gebundene Dokumentation ihrer Wirkungsbereiche als „Maß für ihr Übermaß“. Für ihre Verdienste um die Schule wurde Ilse Lang mit der höchsten Auszeichnung der Evangelischen Schule ausgezeichnet: dem Turmkreuz.

Wie man im Zeitalter von Burnout eine so lange Zeit am selben Ort verbringen kann, verriet Ilse Lang in gewohnt sachlichen Worten an die Schüler und Kollegen: „Sucht euch Menschen, die mit euch Leben teilen.“ Damit ist alles gesagt: wenn Schule nicht nur als Schule, sondern als gemeinsamer Lebensraum für Lehrer, Eltern und Schüler wahrgenommen wird.