Noch ist Ute Hübner, Leiterin des Hesse Museums Gaienhofen, optimistisch. Gerne würde sie möglichst bald wieder öffnen. Die neue Saison steht eigentlich in den Startlöchern, doch noch wisse niemand, wie es weitergehen soll.

Die Grüne-Landtagsabgeordnete und Kandidatin für den Wahlkreis Konstanz-Radolfzell, Nese Erikli, hatte sich via Zoom zu einem kurzen Austausch mit Ute Hübner verabredet. Sie wollte wissen, wie die Lage in dem kleinen Museum auf der Höri ist, wie das vergangene Jahr erlebt wurde und auch, wie es finanziell stehe.

Ein Drittel weniger Besucher trotz starker Saison

Von März bis Mitte Mai hatte das Hesse Museum 2020 geschlossen bleiben müssen und dies habe sich auch auf die Besucherzahlen ausgewirkt, berichtete Ute Hübner. Fast ein Drittel weniger Besucher als gewöhnlich hatte das Museum zu verzeichnen, obwohl deutlich mehr Gäste als sonst in die Bodenseeregion gekommen seien.

Die Ausstellung zu Hermann Hesse und Theodor Heuss habe man bis September verlängern können, das Hygienekonzept habe bestens funktioniert. Es sei zwar zu Warteschlangen am Eingang gekommen, weil nur eine begrenzte Zahl an Besuchern ins Museum durfte, aber das hätten diese mit viel Verständnis akzeptiert, so Hübner. „Die Gäste waren einfach froh, dass sie kommen durften und wir geöffnet hatten“, so die Museumsleiterin.

Das Gespräch zwischen Ute Hübner (links unten) und Nese Erikli (links oben) fand wegen der Pandemie über das Internet statt. Mit dabei auch SÜDKURIER-Redakteurin Anna-Maria Schneider. Bild: Screenshot
Das Gespräch zwischen Ute Hübner (links unten) und Nese Erikli (links oben) fand wegen der Pandemie über das Internet statt. Mit dabei auch SÜDKURIER-Redakteurin Anna-Maria Schneider. Bild: Screenshot | Bild: Schneider, Anna-Maria

Besonders traurig sei sie, dass die vielen Schulklassen, die für gewöhnlich im Lauf des Jahres ins Museum kommen würden, wegen der Pandemie keine Ausflüge mehr unternehmen dürfen.

„Wir sehen uns auch als außerschulischer Lernort, vor allem seitdem der Steppenwolf ein Thema in den Abiturprüfungen ist“, erklärte Hübner. Und natürlich hätt der Wegfall dieser Besucher, der Ausfall zahlreicher Führungen und Sonderaktionen auch finanzielle Auswirkungen für das Museum.

Digitalisierung ist für kleine Museen kaum umsetzbar

Die Ausstellung zu digitalisieren sei keine Alternative, gab Hübner auf Nachfrage von Nese Erikli zu. Gerade die kleinen Museen hätten diese Möglichkeiten nicht. Sie würden eher von der Mischung an Medien, durch die die Ausstellungsstücke präsentiert würden, leben.

Kurz vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie habe man mit Fördergeldern einen Audio-Guide mit dem Schwerpunkt Hesse für das Museum produzieren können. Diesen könnten Besucher herunterladen.

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Die Grüne-Landtagsabgeordnete Nese Erikli informierte über den neuen Nothilfefonds für Kunst- und Kultureinrichtungen der Landesregierung. In dem Topf seien 32,5 Millionen Euro, Bewerbungen seien seit dem 1. Januar möglich.

Erikli bot Ute Hübner Unterstützung bei der Antragsstellung an, falls das Hesse Museum diese Gelder bräuchte. Weiter stehe für sie die Öffnung der Museen an erster Stelle, wenn es darum ginge, Lockerungen der Corona-Verordnung im kulturellen Bereich vorzunehmen. „Gerade in solchen Einrichtungen lässt sich ein Hygienekonzept bestens umsetzen“, so Erikli.

Freie Mitarbeiter haben große Existenznöte

Museumsleiterin Ute Hübner berichtete noch über die Lage der Freien Mitarbeiter im Museum, für die eine Einrichtung im Lockdown einfach keine Mittel hätte. Da stünden ebenfalls Existenzen auf dem Spiel, die nicht wüssten, wie sie in Zukunft Geld verdienen können. Sie als Museum hätten keine Möglichkeit, diese Mitarbeiter besser abzusichern.

Kultur im ländlichen Raum sei längst ein wichtiger Standortfaktor geworden, vor allem als Arbeitgeber und touristisches Angebot, betonte Hübner. Doch gehe es auch darum, das Museum als Ort des Austausches und Bildung für die einheimische Bevölkerung zu erschaffen.