Rund fünf Millionen Euro investiert Gaienhofen in den Ausbau eines Breitbandnetzes für den schnellen Internetzugang. Davon fließen allein 2,5 Millionen Euro in die Tiefbauarbeiten – weitere 2,4 Millionen Euro in den Bau des Glasfasernetzes und in dessen technische Infrastruktur. Rund 150.000 Euro werden für die Planung aufgewendet. Den Ausgaben stehen Zuschüsse von Bund und Land in einer Gesamthöhe von 3,8 Millionen Euro gegenüber sowie die Betreiber-Pacht für 15 Jahre in Höhe von einer Millionen Euro.

Bund fördert großen Teil des Ausbaus

Monetär belastet der Ausbau eines Breitbandnetzes die Haushaltskasse von Gaienhofen nur mit 300 000 Euro. Sie kostete aber der Gemeindeverwaltung eine gehörige Portion an Nerven beim Durchdringen eines sich laufend ändernden Förderungsdschungels sowie bei der Komplexität der Aufgabe. Im Grunde übernehme hier eine kleine Gemeinde staatliche Aufgaben der Telekommunikation, sagte Bürgermeister Uwe Eisch in der Gemeinderatssitzung. Der Vorteil ist hingegen: Das Netz gehört künftig der Gemeinde. Es sei so wertvoll wie das Wasserleitungs-, das Kanal- und das Stromnetz, so Eisch.

Thüga verlegt die Leerrohre

Die Leerrohre für die Glasfaser werden gleichzeitig mit den Tiefbau-Arbeiten für die Gasleitungen durch die Thüga Energienetze GmbH verlegt. Bis Ende 2020 erhielt die Thüga Energienetze für die Mitverlegung der Glasfaserrohre rund 518 000 Euro. Die Verlegung sei durch einen Landeszuschuss in Höhe von 348 000 Euro abgedeckt, so Arthur Ohlhäuser während seines Berichts als Berater der Gemeinde: Somit seien die Preise für den Tiefbau bisher günstig ausgefallen.

Dieses Jahr wird in Gaienhofen ausgebaut

Im Wohngebiet Möösle wurden die Arbeiten bereits im März fertiggestellt. Die Tiefbauarbeiten in Hemmenhofen seien größtenteils abgeschlossen. Ende September dieses Jahres sei Gaienhofen dran, so Arthur Ohlhäuser: Die Ortschaften Horn und Gundholzen wurden auf Ende 2022 für terminiert. Für die Hälfte aller Gebäude in den Gemeinden von Gaienhofen gab es Stand November Anträge für einen Leerrohranschluss. In der letzten Zeit habe die Gemeinde jedoch bereits vorbereitete Tiefbauarbeiten wieder aufreißen müssen. Kaum, dass Gräben zugeschüttet seien und der Bagger abfahre, kämen Leute, die auch einen Anschluss wollten, so Eisch: Dann müsse man wieder von vorne beginnen – das passiere immer wieder.

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Aktuell laufen die Ausschreibungen für das zentrale Technikgebäude (das Pop-Office) samt Erstellen der Anlage für die Technik des Netzbetreibers. „Sie sollten im August abgeschlossen sein“, kündigte Ohlhäuser an. Im zentralen Pop-Office wird durch den Netzbetreiber die Verbindung zum Basisnetz (Backbone) sowie zu den Röhrchenverteilern in den Ortschaften hergestellt.

Stadtwerke Konstanz betreiben das Netz

Als Betreiber wurden die Stadtwerke Konstanz in einer europaweiten Ausschreibung ermittelt. Von den Röhrchenverteilern verzweigen sich weitere Glasfasern in kleineren Rohren bis zur Haustür des Adressaten. Das kommunale Breitbandnetz sei erst fertig, wenn das Pop-Office aufgestellt ist, die Glasfaserkabel in den Rohren verlegt und die Kabel miteinander verschweißt sind, sagt Ohlhäuser. Auch hierfür liefen die Ausschreibungen, sagt Bürgermeister Uwe Eisch.

Seit Ende April dieses Jahres gibt es ein neues Förderprogramm des Bundes für einen Ausbau des Breitbandnetzes mit einer Geschwindigkeit bis zu 100 MBit pro Sekunde. Für den Antrag müsse eine Markterkundung erfolgen, so Ohlhäuser: Das Verfahren dauere acht Wochen und werde bei der Deutschen Telekom in Auftrag gegeben. Die Erschließung dieser „grauen Flächen“ in der Breitbandversorgung könne dann vom Bund mit einer Förderung von 50 Prozent an Netz angeschlossen werden. Wie hoch eine zusätzliche Förderung durch das Land ist, sei noch unklar, so Uwe Eisch: Zudem müsse man die Ergebnisse der Markterhebung abwarten.

Bucher-Beholz lobt den Ablauf

Ingo Bucher-Beholz (UBL) zeigte sich verblüfft. Beim Start habe man nicht gewusst, welche bürokratischen Hürden im Weg stehen könnten. Vom Ablauf und im Takt der Zuschüsse hätte man das Projekt nicht besser planen können. Pro Einwohner habe es Zuschüsse von 1000 Euro gegeben.

Bucher-Beholz sieht bei der Förderung auch eine andere Seite der Medaille: Im Grunde hätte man für die Telekommunikationsbetreiber die Kosten sozialisiert. Dies sei eine Art von Industrieförderung.

Folgekosten für die Straßendecke?

Jürgen Rottler (Die Aktiven) sieht im Ausbau der „grauen Flächen“ zusätzliche Kosten auf die Gemeinde zukommen. Uwe Eisch erachtet diese Kosten als geringfügig, da die Gemeinde von der Tiefbauverlegung profitiere. Karl Amann (UBL) mutmaßt, dass die Gemeinde in den nächsten Jahren Folgekosten zu tragen habe, da sich die Straßenbeläge absenkten und ausgebessert werden müssten. Die in Mitleidenschaft gezogenen Flächen seien im Zuge des Tiefbaus großflächig ausgebessert worden, so Eisch. Für die Gemeinde sei es jedoch nicht möglich, alle Straßen zu teeren.