In Ägypten stand Ben Beholz das erste Mal auf einem Kiteboard. Seitdem hat ihn die Leidenschaft für den Sport nicht losgelassen. Heute, fast zehn Jahre später, fährt er im Wohnmobil durch Europa, von einem Gewässer zum anderen. „Wenn ich zu lange an einem Ort bin, werden meine Gedanken träge. Ich brauche das Reisen für meine Ideen“, erzählt er am Telefon. Momentan lebt er am Silvaplanasee in der Schweiz. Doch bereits im Oktober zieht er weiter in den Süden nach Sardinien, wo er ein größeres Filmprojekt plant. Inzwischen verdient er Geld mit dem Kitesurfen.

Langes Training: Für einen Trick übt Ben Ben Beholz oft viele Monate. Auch beim Filmen benötigt er zahlreiche Versuche.
Langes Training: Für einen Trick übt Ben Ben Beholz oft viele Monate. Auch beim Filmen benötigt er zahlreiche Versuche. | Bild: Lisi Jurenka und Leo Drees

„Als Sportler hat man nicht so viele Möglichkeiten“, sagt er. „Entweder man nimmt an Wettbewerben teil, oder man muss sich selbst etwas ausdenken.“ Auf Wettbewerbe habe er keine Lust gehabt, die Stimmung dort sei zu angespannt. Er dachte sich etwas anderes aus. Heute fährt er die verschiedensten Orte ab, immer auf der Suche nach dem perfekten Wind, um Videos für seine drei Youtube Kanäle zu produzieren. Er sei schon in Südamerika und Afrika gewesen, erzählt er.

Auf Europas Straßen

In den vergangenen vier Jahren habe er allerdings vor allem Europa für sich entdeckt. „Im Sommer bin ich eher im Norden, in Dänemark und Norddeutschland, dann bewege ich mich nach Süden. Bis zu den südlichsten Punkten Europas. Früher dachte ich, für den perfekten Wind müsse ich weit weg fliegen, inzwischen habe ich gemerkt, dass es hier eigentlich alles gibt was ich brauche“, sagt er.

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Seine Videos haben viele Zuschauer, nicht zuletzt aufgrund der Tricks, die er darin zeigt. In kurzen Einstiegsszenen baue er eine kleine Geschichte auf, mit der sich jeder identifizieren könne. Spätestens nach einer Minute steht Ben Beholz aber auf dem Board und surft über die Gewässer Europas.

Komplizierte Kunststücke

Er zeigt verschiedene Kunststücke, hebt von der Wasseroberfläche ab, fliegt mehrere Meter in die Luft, auch über Land. Im Fliegen öffnet er Cola-Flaschen an seinem Brett oder dreht sich mehrfach in der Luft, bevor er wieder auf der Wasseroberfläche landet. „Für einen Trick brauche ich mehrere Wochen“, erzählt er. „Manchmal sogar mehrere Jahre. Wenn er dann aber das erste Mal klappt, ist das ein unglaubliches Gefühl.“

Nicht ungefährlich: Kitesurfen ist ein Extremsport. Ben Beholz fliegt oft mehrere Meter über der Wasseroberfläche. Ein Leben ohne das Kitesurfen kann er sich dennoch nicht mehr vorstellen.
Nicht ungefährlich: Kitesurfen ist ein Extremsport. Ben Beholz fliegt oft mehrere Meter über der Wasseroberfläche. Ein Leben ohne das Kitesurfen kann er sich dennoch nicht mehr vorstellen. | Bild: Lisi Jurenka und Leo Drees

Für dieses Gefühl reist er das ganze Jahr über von einem Ort zum anderen. Geboren ist Ben Beholz in Gaienhofen. Nach seinem Zivildienst in einem Radolfzeller Altenheim sei ihm klar gewesen, dass er die Welt sehen wolle. Er begann mit einem Urlaub in Ägypten, wo er das Kitesurfen für sich entdeckte. Danach schrieb er sich in Oldenburg für ein Architekturstudium ein. Anwesend war er aber so gut wie nie. Während des Studiums reiste er bereits durch die Welt, das Kitesurfen hatte ihn gepackt. „Ich habe dann irgendwann gemerkt, dass ich eigentlich keinen festen Wohnsitz brauche“, erzählt Beholz.

Kitesurfen auch im Winter in den Bergen

Er kaufte sich den Wohnwagen und ist seit dem auf den Straßen Europas unterwegs. Einer seiner Lieblingsorte sei dabei der Silvaplanasee geworden, wo seine Freundin eine Kitesurf Schule betreibt. Hier habe er auch die vergangenen Monate verbracht. „Bis Mai ist der See noch zugefroren. Zum Glück gab es ein Eisloch, in dem wir dann kiten konnten, die Videos davon sind viral gegangen,“ erinnert er sich.

Daumen hoch: Ben Beholz lebt von seinen YouTube-Videos, in denen er seine Tricks aber auch seinen Alltag im Wohnwagen zeigt. Außerdem verkauft er Kleidung seiner Marke „Freistil“.
Daumen hoch: Ben Beholz lebt von seinen YouTube-Videos, in denen er seine Tricks aber auch seinen Alltag im Wohnwagen zeigt. Außerdem verkauft er Kleidung seiner Marke „Freistil“. | Bild: Lisi Jurenka und Leo Drees

Die Videos entstehen durch Teamarbeit. Seine Freunde, ebenfalls alle begeisterte Kitesurfer, helfen beim Filmen und Schauspielern und eine Fotografin macht seine Bilder. Heute hat Ben Beholz drei feste Sponsoren, die in seinen Videos Werbeprodukte platzieren. Immer wieder melden sich außerdem andere Sponsoren, die ihn in einem einzelnen Videoprojekt unterstützen möchten.

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Eine kleine Firma hat er auch gegründet: Freistiel. Dort verkauft er Kleidung mit seinem Markenzeichen. Er könne davon leben, sagt Ben Beholz. „Ich brauche nicht viel, weil ich das mache, was ich liebe.“ Immer mit dabei ist sein Hund Minzie, den er aus Teneriffa adoptiert hat. Auch seine Freundin begleitet ihn außerhalb der Saison.

Treuer Reisegefährte: Hund Minzie begleitet Ben Beholz auf seinen Reisen.
Treuer Reisegefährte: Hund Minzie begleitet Ben Beholz auf seinen Reisen. | Bild: Lisi Jurenka und Leo Drees

Mit seinen Videos möchte er nicht nur Kitesurfer erreichen. „Ich will die Leute mit meiner Leidenschaft anstecken“, sagt er. Auf einem seiner YouTube-Kanäle versucht er eine neue Sportform bekannt zu machen: Wingsurfen ist eine Mischung aus Windsurfen, Kitesurfen und Stand Up Paddling. „Das Wingsurfen ist erst im vergangenen Jahr entstanden, das macht es besonders spannend“, sagt er.

Er verbringt viel Zeit mit dem Schneiden seiner Videos

Auf einem anderen Kanal veröffentlicht er die aufwendig gedrehten Videos, auf einem Weiteren persönliche Vlogs, in denen er beispielsweise seinen Alltag filmt. Nur der zweite Kanal ist auf Deutsch. „Auf dem deutschen Kanal können vor allem Leute, die mich kennen, mein Leben ein bisschen nachverfolgen“, erzählt er. Das Leben im Wohnwagen sei perfekt für ihn. „Es ist wie meine eigene Wohnung“, sagt er. Im Wagen hat er Strom, einen Kühlschrank, Herd und Dusche.

Mobile Wohnung: Der Wohnwagen ist zu seinem Zuhause geworden. Bei schlechtem Wetter schneidet er dort seine Videos. Er weiß es zu schätzen, immer alles griffbereit zu haben.
Mobile Wohnung: Der Wohnwagen ist zu seinem Zuhause geworden. Bei schlechtem Wetter schneidet er dort seine Videos. Er weiß es zu schätzen, immer alles griffbereit zu haben. | Bild: Lisi Jurenka und Leo Drees

Ben Beholz geht in diesem Leben auf. Es gefällt ihm, von einem Ort zum anderen zu ziehen, immer dem Wind hinterher. Das Zusammenspiel aus kreativer Arbeit und Sport, das Schneiden der Videos, genau wie das Probieren neuer Tricks sind heute fester Bestandteil seines Lebens. „Inzwischen gibt es für mich beruflich keine andere Möglichkeit mehr, als das Kitesurfen„, sagt er.

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