Weder Befürworter noch Gegner des Sachantrags haben eine Mehrheit erhalten. Nach der Abstimmung einer zuvor lebendig geführten Diskussion herrschte plötzlich für acht Sekunden absolute Stille.

In der Sitzung des Gemeinderats stand eine weitergehende Beschlussvorlage für den Umbau des leer stehenden Dachstuhls der Hafenmeisterei zur Abstimmung.

Es ging um den Einbau einer Gaupe für 8900 Euro. Dem gegenüber stand die Alternative, beim geplanten Umbau für sanitäre Anlagen für 2500 Euro Dachfenster einzubauen und sich den Differenzbetrag von 6400 Euro zu sparen. Insgesamt kostet die Sanierung der Hafenmeisterei rund eine Viertelmillion Euro.

Bei Stimmengleichheit sind Sachanträge laut Gemeindeordnung abgelehnt. Freude kam bei niemandem auf.

Architekt stellt zwei Varianten vor

Der Beschluss für einen Umbau des Dachstuhls für sanitäre Anlagen von Liegeplatzinhabern am Hafen von Gaienhofen stand bereits in der vorangegangenen Ratssitzung fest. Damals waren die Kosten geschätzt. In der jüngsten Sitzung sollte eine genaue Aufstellung der Kosten erfolgen. Für den Beschluss wurde der Architekt vom Rat beauftragt zwei Varianten anzufertigen: mit und ohne zusätzliche Dachgaupe.

Der Entwurf sah bereits eine Dachgaupe am außenliegenden Aufgang zum Dachstuhl mit eigenem Türzugang vor. Auf dessen gegenüberliegenden Seite hätte der Durchbruch architektonisch in Richtung See fortgeführt werden können – mit einer Kostendifferenz von 6400 Euro bei einem Bauvolumen von 141 000 Euro für das Dachgeschoss. Das Erdgeschoss wurde vor dem letzten Saisonbeginn bereits für 100 000 Euro saniert.

Der Architekt schlug vor, die Ausschreibungsergebnisse abzuwarten um eine exakte Berechnung vorlegen zu können. Nachträglich hätte der Rat bei einem positiven Bescheid über den Bauantrag die Gaupe wieder herausnehmen können. Bürgermeister Uwe Eisch ahnte den Lauf der Sitzung: „Man kann darüber trefflich streiten.“

Sanitäre Anlagen stehen außer Frage

Außer Frage stand bei den Beteiligten, dass die sanitären Anlagen erneuert werden müssen. Konsens bestand auch darin, dass sie als Aushängeschild eines jeden Hafens und Gastbetriebs aufgefasst werden. Seit mehr als drei Jahrzehnte fließen die Einnahmen aus dem Hafenbetrieb in den Haushalt, allein im Vorjahr mit 230 000 Euro. Bei Ausbauten seien sanitäre Anlagen das teuerste Gewerk, so Eisch.

Mechtild Bichele (CDU) zeigte sich bei den Kosten des gesamten Umbaus entsetzt. Der mit dem Durchbruch entstehende sakrale Gedanke sei hier fehl am Platz. Ihr reiche eine profane Ausführung. Die Anlage müsse zweckmäßig sein und die Infrastruktur stimmen. Segler würden den ganzen Tag eine Seesicht genießen. Dies müsse im Gebäude nicht verwirklicht werden. Dachfenster seien ausreichend für den Ausbau.

Klaus Sturm (Freie Wähler) plädierte auf einen sorgsamen Umgang mit den Finanzen. Der Haushaltsbericht habe die Gemeinde zur Vorsicht gemahnt. Gegenüber den Bürgern stünde der Rat in einer Rechenschaftspflicht.

Argumente für die Gaupe

„Die Einnahmen aus dem Hafenbetrieb kamen seit Jahrzehnten dem Haushalt zugute“, argumentierte Bürgermeister Eisch. Er betonte, dass die Gemeinde die Maßnahmen zum Umbau absetzen könnte. Ehe sie viel Steuern zahle, würde er lieber die Gaupe bauen und für den Betrag ein bisschen weniger Steuern zahlen.

Bernd Sutter (Die Aktiven) beleuchtete die Sanierung aus Sicht des Vermieters. Liegeplatzinhaber würden jährlich Miete zahlen und hätten einen Anspruch gegenüber der Gemeinde, dass mit diesen Einnahmen etwas Vernünftiges gemacht werde. Wenn bei einer Kostendifferenz von 6400 Euro beim Gesamtvolumen von 252 000 Euro eine Aufwertung des Gebäudes erfahrbar sei, so würde das privat jeder machen.

Investiere man derart in den Bestand, dann sollte die Nutzungsänderung von außen sichtbar sein, so Ingo Bucher-Beholz (UBL): Das Dach sei mit einer Gaupe akzentuiert und zeige auch von der Seeseite ein öffentliches Leben.

Wunsch nach einem Neubau

Heinz Burkart (UBL) bezeichnet das Gesamtprojekt als „ein Griff ins Klo“. Angesichts der hohen gastronomischen Nachfrage samt Bedarf an öffentlichen Toiletten, hatte er sich einen winterfesten Neubau vorgestellt. Für ihn ist die Sanierung ein Flickwerk – die Kosten hätten für einen Neubau gereicht. Für die Hafenmeisterei in Hemmenhofen empfiehlt er eine neue Ausschreibung. Das Gebäude in Gaienhofen sei in einem guten Zustand, argumentierte Eisch: So etwas reiße man nicht einfach ab.

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