Die Folgen der Corona-Pandemie haben Klaus Hofer eine Ehrenrunde als Vorsitzender der Bürgerkapelle Hemmenhofen beschert: Die Hauptversammlung mit der Wahl eines neues Vorsitzenden, die für März geplant war, konnte wegen des Lockdowns nicht stattfinden.

Negative Bilanz im Jubiläumsjahr

„Von heute auf morgen gab es keine Musikproben für den Verein – inklusive Kontaktverbot“, erinnert sich Hofer. Die Gefühle darüber seien im Musikverein vielschichtig gewesen: Einige wenige Musiker empfanden dies als Erleichterung, die meisten wünschten sich, wieder gemeinsam proben zu können und hofften auf ein baldiges Zusammenkommen.

Der Musikverein überstand die massiven Restriktionen musikalisch überraschend gut. Erste Proben liefen bereits. Doch der Ausfall der Promenadenkonzerte wirkte sich negativ auf die Bilanz in seinem Jubiläumsjahr zum 60-jährigen Bestehen aus.

„Böhmischer Traum“ auf Video

Trotz Kontaktsperre hatte die Kapelle aus der Ferne gemeinsam musiziert und eine Videoproduktion mit dem „Böhmischen Traum“ als Vorbild für eine eigene Aufnahme genommen. Von zuhause aus lieferten 18 Musiker insgesamt 13 Tonspuren und dazu Videobilder für eine Instrumental-Version des Böhmischen Traums ab.

Bei der Produktion nahm jeder Musiker seine eigene Registerstimme auf, die vom Fernsehtechniker Klaus Hofer zu einem rund fünf Minuten andauernden Gesamtwerk zusammengestellt wurde, bei dem die unterschiedliche Lautstärken der Video-Aufnahmen korrigiert und in Stereo mit räumlich versetztem Sound abgemischt wurden.

Die Produktion ist für Hofer nicht nur eine schöne Erinnerung aus schweren Zeiten, sondern stellte zugleich eine Folie für das Jubiläum zum 60-jährigen Bestehens der Bürgerkapelle dar. Der Verein möchte analog zur Grundidee einzelne Register aufnehmen, die Tonspuren abmischen und zu einer CD zusammenfügen. So käme man auf eine „Wahnsinns-Klangqualität“, weil man jeglichen Fehler der Register ausmerzen könne.

Keine Promenadenkonzerte

Sämtliche Promenadenkonzerte der Bürgerkapelle wurden wegen der Krise abgesagt. Die Hygiene-Bestimmungen für die acht Freitagabend-Konzerte mit Volksfest-Charakter und romantischem Sonnenuntergang seien für den Verein nicht umsetzbar, bedauerte Klaus Hofer.

Die Konzerte mit Bewirtung seien normalerweise ein Glanzlicht der touristischen Saison. Der Vorsitzende erinnerte sich an die Anfänge der Promenadenkonzerte: In mit kaltem Wasser gefüllten Waschzubern wurden für die Gäste zwei Kisten Bier gekühlt. Mehr Gäste seien anfänglich nicht gekommen. Die Promenadenkonzerte wuchsen über die Jahre zu wöchentlichen Höhepunkten mit Bewirtungskapazitäten für nahezu 500 Besucher.

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Sie sind eine wichtige Einnahmequelle für den Hemmenhofer Musikverein. Der Ausfall könne jedoch durch die Vereinsreserven gedeckt werden. Der Vorsitzende hofft außerdem auf Einnahmen aus dem Jubiläumskonzert zum 60-jährigen Bestehen Anfang Oktober mit den Weinbergmusikanten in der Höri-Halle sowie aus dem Jahreskonzert.

Erste Proben für Jubiläumskonzert

Für das Jubiläumskonzert hat die Bürgerkapelle Hemmenhofen bereits zweimal in ihrem Lokal in der alten Grundschule geprobt. Dort habe sich das Konzept des Bundesverband für Blasorchester durch die geringe Anzahl probender Musiker mit den gebotenen Abstandsregeln sowie der überdurchschnittlichen Höhe des Proberaumes verwirklichen lassen, so Hofer: Wer dennoch Bedenken für die Beeinträchtigung seiner Gesundheit habe, der bräuchte nicht kommen. Die Proben hätten in der gewohnten Stärke bisheriger Übungsstunden stattgefunden.

Einen Mitgliederschwund gäbe es durch die Krise nicht. Selbst die Befürchtung, dass der soziale Zusammenhalt des Vereins durch die Krise negativ beeinflusst werden könnte, schließt Klaus Hofer aus: Im Prinzip bestünde die Kapelle aus sechs Familien mit bis zu vier Musikern, die untereinander befreundet seien. Das Netzwerk untereinander sei verwandtschaftlich und freundschaftlich verwoben, sodass es während der Krise zu keiner Beeinträchtigung gekommen sei.