Lange musste die Familie Burkart auf die Baugenehmigung warten, ihr abgebranntes Hofgut Balisheim wieder aufbauen zu dürfen. Langsame Behörden, unnötige Gutachten und verschwundene Dokumente sollen Schuld daran sein, dass es mehr als eineinhalb Jahre gedauert hat, bis endlich die Baugenehmigung vorlag. So schildert es die Familie Burkart.

Doch Thomas Buser, Leiter des Amtes für Baurecht und Umwelt am Landratsamt Konstanz, möchte diese Vorwürfe so nicht stehen lassen. Aus datenschutzrechtlichen Gründen könne er keine detaillierte Auskunft über den genauen Fall geben, doch lag es seiner Ansicht nach nicht am Fehlverhalten der Mitarbeiter des Baurechtsamtes, dass es zu einem so langen Genehmigungsverfahren gekommen sei.

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Ein Vorwurf war, dass ein Antrag auf zwölf Stellplätze ein halbes Jahr unbearbeitet in der Behörde lag. Jedoch sei zu den beantragten Stellplätzen anzumerken, dass diese bereits von der Familie Burkart errichtet worden sind und auch genutzt wurden, wie Thomas Buser informiert. Die Stellplätze hätten nun von der Baurechtsbehörde nachträglich genehmigt werden sollen. Dieses Verfahren genieße insofern nicht die oberste Priorität in der Baurechtsbehörde, so Buser.

Allerdings habe es in der Tat einen personellen Engpass bei der Baurechtsbehörde gegeben und dieser habe zu einer so großen Verzögerung geführt. „Dies dürfen und wollen wir auch nicht verschweigen. Insoweit ist die Kritik berechtigt“, sagt der Leiter des Baurechtsamtes.

Es soll das aufgebaut werden, was vorher dort genehmigt war

Doch sieht er seine Abteilung nicht als Verhinderer in der Sache. „Die Prämisse war, dass an der Stelle des abgebrannten Hofgutes nur das aufgebaut werden darf, was vorher genehmigt war und allenfalls noch eine maßvolle Erweiterung“, erklärt Buser. Eine Baugenehmigung für die 17 Gästebetten, die die Familie Burkart vor dem Brand dort laut eigener Aussage betrieben hatte, lag und liegt bis heute nicht vor.

Bauherr Heinz Burkart habe laut Thomas Buser später eine gaststättenrechtliche Erlaubnis über die Anzahl der Betten nachgeliefert. „Wir haben dieses Dokument im Interesse des Bauherren als Nachweis akzeptiert, obwohl die Baugenehmigung fehlt“, sagt Buser. Den Vorwurf, dass das Landratsamt Dokumente verloren hätte und im falschen Archiv wieder entdeckt hat, möchte er von sich weisen. Man habe im Archiv unter der Rubrik Baurecht nach belastbaren Baugenehmigungsunterlagen gesucht und nicht in Gaststättenakten.

„Gerade beim Thema Brandschutz ist ein schlüssiges Konzept sehr wichtig.“Thomas Buser, Leiter des Amtes  für Baurecht und Umwelt
„Gerade beim Thema Brandschutz ist ein schlüssiges Konzept sehr wichtig.“Thomas Buser, Leiter des Amtes für Baurecht und Umwelt | Bild: Zoch, Thomas

Was das Verfahren besonders kompliziert mache, sei die Lage des Hofgutes. Hof Balisheim liege nicht nur im Außenbereich, sondern auch mitten in einem Landschaftsschutzgebiet. Dort zu bauen sei ohnehin schon nicht so einfach. Ungeachtet dessen beschäftige jeder Bauantrag gleich mehrere Fachbereiche, wie zum Beispiel Naturschutz, Wasserrecht, Landwirtschaft und vieles mehr. Das alleine sorge schon für ein umfangreiches Genehmigungsverfahren.

Unterlagen waren nicht vollständig oder widersprüchlich

Außerdem seien die Antragsunterlagen über einen längeren Zeitraum nicht vollständig und widersprüchlich gewesen. „Gerade beim Thema Brandschutz ist ein schlüssiges Konzept sehr wichtig“, sagt Thomas Buser. Da dürfe das Baurechtsamt nicht nachlässig sein und müsse dafür sorgen, dass die Mindestanforderungen erfüllt werden.

Er selbst könne mit gutem Gewissen sagen: „Wir wollten alles tun, damit das abgebrannte Haus schnell wieder aufgebaut werden kann. Dies ist aber nur möglich, wenn die Bauherrschaft vollständige und vor allem prüffähige Unterlagen bei der Baurechtsbehörde einreicht.“ Hierin lag das eigentliche Problem dieses Genehmigungsverfahrens.

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