Allein der Verdacht auf eine Infektion mit dem Corona-Virus Sars-Cov-2 reicht aus, um eine Person in Quarantäne zu schicken. Dabei handelt es sich um Kontaktpersonen von Erkrankten sowie um Reiserückkehrer aus Risikogebieten. Kontaktbeschränkung wird im Rathaus von Gaienhofen aus diesem Grund großgeschrieben – nicht nur im Gebäude, sondern auch im privaten Bereich der Mitarbeiter.

Denn bei nur zehn Angestellten bedeutet ein potentielles Infektionsgeschehen die Lahmlegung ganzer Abteilungen in der Verwaltung. „Wir müssen den täglichen Dienstbetrieb aufrecht erhalten. Deshalb ist es wichtig, dass man sich ein Stück zurücknimmt“, kommentiert Bürgermeister Uwe Eisch die Maßnahmen zur zweiten, größeren Infektionswelle mit dem Corona-Virus.

„Es betrifft alle Lebensbereiche“

Wie wirkt sich die Krise auf Gaienhofen aus? „Schrecklich, es betrifft alle Lebensbereiche“, sagt Eisch. „Und überall muss man Vorkehrungen treffen und besondere Maßnahmen ergreifen.“

Gaienhofen zählt rund 3400 Einwohner. Es hat drei Schulen mit 1000 Schülern, ein Seniorenheim für mehr als 60 Senioren sowie eine Gemeinschaftsunterkunft für 70 Asylsuchende – und damit drei öffentliche Institutionen, bei denen das Virus ohne besondere Vorkehrungen leichtes Spiel hätte. Hinzu kommen die Kinderbetreuungen in den Schulen und in der Kita.

Sorge ums Seniorenheim

Bürgermeister Eisch macht keinen Hehl aus seiner größten Sorge, die ihm bereits schlaflose Nächte bereitet habe: „Wenn das Virus ins Seniorenheim hineingetragen würde und die Gemeinde dort Verstorbene zu beklagen hätte, so wäre das furchtbar. Davor habe ich große Angst.“

Die Gemeinde zählte zu Beginn der Pandemie acht Bürger, die auf das Corona-Virus positiv getestet wurden. Während der zweiten Welle kamen zwölf weitere hinzu. Hierbei wurde auch ein Flüchtling positiv getestet. Wegen der beengten Raumverhältnisse in der Gemeinschaftsunterkunft wurde der Asylsuchende in einer speziell vom Landkreis eingerichtete Quarantäne-Unterkunft in Mühlhausen-Ehningen untergebracht. Infektionen aus den touristischen Beherbungsbetrieben wurden bisher keine verzeichnet.

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Die Kontaktverfolgung des Gesundheitsamts im Landkreis zeigt wegen inkompletter Datensätze mit den Wohnadressen Schwachstellen auf. Bei der ersten Welle im Frühjahr hatte die Gemeinde einen täglich tagenden Krisenstab eingerichtet. Durch die Routine der Abläufe finden jetzt die Konferenzen zur Corona-Krise nur noch Mittwochs in hausinternen Dienstbesprechungen statt.

„Querdenker“ regen sich in Gaienhofen nicht

Jeden Freitag finden sich sämtliche Bürgermeister im Landkreis mit dem Landrat zu einer Video-Konferenz ein. Für Uwe Eisch ist diese Konferenz ein wichtiges Forum um Erfahrungen auszutauschen und dafür zu sorgen, dass der Landkreis einheitlich auf die Pandemie reagiert. Aktuell beschäftigen sich mehr als ein Viertel aller Verwaltungstätigkeiten mit der Pandemie – hauptsächlich mit organisatorischen Maßnahmen für die Schulen und für die Kinderbetreuung.

Das Sozialleben leidet

Durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie haben die sozialen Kontakte in Gaienhofen stark nachgelassen. Während des Sommers gab es keine Feste. Dann wurden der alljährliche Adventssonntag für die Senioren, die Vereinsversammlungen für die Narrenvereine, das Dorftheater und der Weihnachtsmarkt abgesagt. „Das sind schwerwiegende Einschnitte, die zur Folge haben, dass sich die Menschen weniger sehen und die Kommunikation im Dorf auf der Strecke bleibt“, bedauert Eisch.

Die Maßnahmen würden jedoch im Dorf zum allergrößten Teil mitgetragen. Protestbewegungen wie die der „Querdenker“ gebe es in der Gemeinde nicht. Ganz im Gegenteil: Uwe Eisch berichtet von Bürgern, die sich bereits schon beim Auftauchen von potentiellen Krankheitssymptomen testen lassen und sich aus der Gemeinschaft herausnehmen, „was ich auch sehr verantwortungsbewusst finde“, kommentiert Eisch.