Die Berufsgruppen mit Blaulicht auf dem Fahrzeugdach hatten am Dienstagabend in Horn das Wort vor dem baden-württembergischen Innenminister Thomas Strobl (CDU). Im Rahmen eines Blaulichtgespräches, das CDU-Landtagskandidat Levin Eisenmann auf seiner Wahlkampftour initiiert hatte, konnten sich die Rettungs- und Einsatzkräfte des Deutschen Roten Kreuzes, der Feuerwehren aus Radolfzell und den Höri-Gemeinden, sowie Mitgliedern der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft und der Polizei mit ihren Sorgen, Wünschen und Ideen an Strobl wenden.

Im Austausch (von links): Bürgermeister Uwe Eisch, CDU-Landtagskandidat Levin Eisenmann, und der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU).
Im Austausch (von links): Bürgermeister Uwe Eisch, CDU-Landtagskandidat Levin Eisenmann, und der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU). | Bild: Matthias Güntert

„Sie wissen am Besten, was Sie benötigen und welche Erwartungen Sie an die Politik haben“, sagte Eisenmann gleich zu Beginn der Veranstaltung. Für ihn stelle die innere Sicherheit im Land ein wichtiges Thema dar, denn die Einsatz- und Rettungskräfte seien es, die ihren Kopf hinhalten, wenn es mal brenzlig werde.

Skandal am Berliner Reichstag

Besonders die Übergriffe auf die Einsatzkräfte im Juli in Stuttgart und am vergangenen Wochenende in Berlin beherrschten das Blaulichtgespräch. „Helfer der Blaulichtorganisationen dürfen in keinster Weise angegriffen werden. Hier müssen wir handeln“, machte Eisenmann deutlich. Noch deutlicher wurde Innenminister Strobl: „Steine auf Polizisten zu werfen ist bereits ein absolutes Unding, aber sie auf einen DRK-Wagen zu werfen, ist ein handfester Skandal!“

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Die Einsatzkräfte, von denen ein Großteil ehrenamtlich arbeite, hätten Hass und Gewalt gegen sie nicht ansatzweise verdient. Auch Gaienhofens Bürgermeister Uwe Eisch haben die Bilder aus Berlin schockiert. „Solch ein Verhalten wie in Berlin muss gesellschaftlich hochgradig verurteilt werden“, sagte er. Was die Rettungskräfte im Einsatz leisten, sei mehr als nur schützen, bergen und retten, sondern vielmehr aller Ehren wert.

Viele Uniformen beim Blaulichtgespräch- neben dem Deutschen Roten Kreuz, der Feuerwehr und der DLRG waren auch Vertreter der Polizei in Horn bei der Diskussion dabei (von im Bild von links): Oskar Schreiber, Polizeipräsident des Polizeipräsidium Konstanz, Thomas Biller von der Wasserschutzpolizei, und Willi Streit, Leiter des Polizeirevier Radolfzell.
Viele Uniformen beim Blaulichtgespräch- neben dem Deutschen Roten Kreuz, der Feuerwehr und der DLRG waren auch Vertreter der Polizei in Horn bei der Diskussion dabei (von im Bild von links): Oskar Schreiber, Polizeipräsident des Polizeipräsidium Konstanz, Thomas Biller von der Wasserschutzpolizei, und Willi Streit, Leiter des Polizeirevier Radolfzell. | Bild: Matthias Güntert

Karl Wolf ist Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Moos. Auch ihn haben die Bilder aus Berlin und aus Stuttgart nachdenklich gemacht. Er berichtete aber auch davon, dass diese Vorfälle nicht an der Tagesordnung seien, denn auf der Höri gebe es kaum Anfeindungen oder gar Angriffe auf der Einsatzkräfte. „Auf dem Dorf ist die Welt vielleicht noch in Ordnung“, so Wolf. Im Schnitt müsse die Feuerwehr in Moos jährlich zu 25 Einsätzen, aber hierbei sei das Verständnis der Bürger für die Arbeit der Feuerwehr groß.

Sechs verletzte Polizisten pro Tag

Innenminister Thomas Strobl führte aus, dass die Gewaltbereitschaft gegenüber Polizisten und Einsatzkräften in der jüngsten Vergangenheit in Baden-Württemberg stark angestiegen sei. 2019 wurden über 5000 Vorfälle registriert. „Das ist ein Höchststand“, so Strobl weiter. 230 Polizisten seien seiner Aussage nach während ihres Einsatzes verletzt worden. „Jeden Tag sechs Stück in unserem Bundesland“, betonte Strobl. Gleichzeitig sorgen die Einsatzkräfte der baden-württembergischen Polizei aktuell für die höchste Aufklärungsquote bei Verbrechen seit Jahren. Aktuell gebe es in der Landespolitik laut Strobl Überlegungen, auch die Rettungskräfte des Deutschen Roten Kreuzes mit Körperschutz auszustatten.

DLRG braucht Trainingsmöglichkeiten

Ganz andere Sorgen treiben die Ortsgruppen der DLRG auf der Höri um. Denn ihnen fehlt es nach wie vor an Traingingseinheiten im Hallenbad, um neue Rettungsschwimmer auszubilden. Auch im Rahmen des Blaulichtgespräches erneuerten Uwe Nehlsen, Vorsitzender der DLRG Moos, und DLRG-Ausbildungsleiter Hans Breyer den dringenden Wunsch nach einem eigenen Hallenbad auf der Höri.

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„Ein Ausbildungsbad für Rettungsschwimmer fehlt auf der Höri an allen Ecken und Enden“, erläutert Breyer. Er sorge sich darum, wie aus unsicheren Schwimmern später einmal Rettungsschwimmer werden sollen, die in den Bädern rings um den See dringend benötigt werden. „Die Ausbildung an Rettungsschwimmern ist wichtig, auch für die Gemeinden als Betreiber der Schwimmbäder auf der Höri“, so Breyer. Er könne sich auch vorstellen, dass sich mehrere Kommunen zusammenschließen und das dringend benötigte Hallenbad zusammen stemmen.

Bürgermeister Eisch macht DLRG kaum Hoffnung

Obgleich Bürgermeister Uwe Eisch Verständnis für die Wünsche der DLRG-Ortsgruppen signalisierte, schob er dem Wunsch erneut einen Riegel vor. „Ein Hallenbad auf der Höri werden wir uns nicht leisten können“, betonte er.

Aufmerksame Zuhörer (von links): Landtagskandidat Levin Eisenmann, Innenminister Thomas Strobl und Bundestagsabgeordneter Andreas Jung.
Aufmerksame Zuhörer (von links): Landtagskandidat Levin Eisenmann, Innenminister Thomas Strobl und Bundestagsabgeordneter Andreas Jung. | Bild: Matthias Güntert

Eine kurzfristige Lösung mit Blick auf die aktuell begrenzte Ausbildungsmöglichkeiten auf der Landesfeuerwehrschule forderte Anton Osterwald, Kommandant der Feuerwehr in Gaienhofen. „Wir haben aktuell einen coronabedingten Rückstau bei der Ausbildung von Führungskräften“, berichtete er. Unterstützung erhielt er von Karl Wolf: „Eine Ausbildung zum Gruppenführer findet aktuell im Landkreis gar nicht statt.“

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Aus der Mooser Wehr hätten sich drei Feuerwehrleute zur Ausbildung angemeldet, aber Wolf rechne damit, dass diese wohl erst in drei bis fünf Jahren zum Zuge kommen werden. „Wir brauchen diesen Nachwuchs aber dringend“, sagte er.

Daumen hoch für sein erstes Blaulichtgespräch: CDU-Landtagskandidat Levin Eisenmann (links) und Innenminister Thomas Strobl.
Daumen hoch für sein erstes Blaulichtgespräch: CDU-Landtagskandidat Levin Eisenmann (links) und Innenminister Thomas Strobl. | Bild: Matthias Güntert

Innenminister Strobl sicherte zu, dass die Landesfeuerwehrschule mit mehr Personal ausgerüstet werde. Zudem solle das Raumkonzept um 25 Prozent erhöht werden, sodass mehr Gruppenführer ausgebildet werden können, so Strobl weiter.

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