Gaienhofen Wie Schweiz und Höri zusammenfinden

Informationsfahrt mit der MS Seestern auf dem Untersee

Gaienhofen – Gleiches Prozedere wie in jedem Jahr, so scheint es zumindest den Veteranen der Presseausfahrt auf dem Untersee. Ein fröhlich gestimmter Gemeinderat samt Bürgermeister Uwe Eisch geht in Gaienhofen an Bord der Höri-Fähre MS Seestern, um sich mit den Schweizer Kollegen aus Steckborn und Berlingen zu treffen. Gemeinsam möchte man auf die Tourismus-Saison vorbereiten und den Zusammenhalt am Untersee betonen.

Während der Sommermonate verbindet die Höri-Fähre von Harald Lang aus Gaienhofen die drei Gemeinden, von 1. Mai an auch im Linienverkehr. Dazu kommen zahlreiche „Event-Fahrten“. Besonders beliebt sei dabei das Italienische Büffet von Schiffskoch Martin Hagmüller, der allerdings mehr kann, wie er an diesem Abend mit einem viergängigen Menü beweisen wird.

In Steckborn kommen Stadtpräsident Roger Forrer und Stadträte an Bord, auch Andrea Hess, die für den Tourismus zuständig und engagiert ist. Dritter und letzter Halt ist Berlingen: Verfrorene Gemeinderäte warten auch hier am Steg, zusammen mit Gemeindepräsidentin Annemarie Moret. Die Sonne scheint prächtig, doch der Ostwind bläst eisig über den See und das Oberdeck flott leer.

Gäste sind neben den Politikern etliche Touristiker: Sandra Melnyk und Petra Bruttel von Bodensee-West Tourismus sowie Nadine Pfister und Nadja Andresen von Thurgau-Tourismus. Dazu die Mitarbeiter des Kultur- und Gästebüros Gaienhofen unter Leitung von Sabine Giesler. Zum ersten Mal dabei ist Anne Meier, die am 1. April ihren Job angetreten hat und sich freuen wird, ihre neuen Kolleginnen besser kennenzulernen.

In diesem Jahr ist Roger Forrer aus Steckborn mit der offiziellen Rede dran. Bei einer Volksabstimmung im Oktober 2015 habe eine äußerst knappe Mehrheit der Bürger im Kanton Schaffhausen für ein Ende der überregionalen Tourismusförderung gestimmt. In der Folge hat Stein am Rhein die Verträge gekündigt, und: „Tourismus Untersee stand vor einer Zerreißprobe“. Auch die Regio Plus, die Vertretung der Schweizer Seite, sei vor einer Zerreißprobe gestanden, berichtet Forrer. Wie sollte es mit der überregionalen Zusammenarbeit weitergehen? Es sei kurzsichtig, in schwierigen Zeiten die Investition in den Tourismus aufzugeben, sagt Forrer. Inzwischen konnte Salenstein, die Gemeinde hatte sich lange geziert, zur Mitarbeit gewonnen werden. Weitere kleine Erfolge seien zu verzeichnen: So wird das Ticket der Höri-Fähre in diesem Jahr auch von den Schweizer-Schifffahrtsbetrieben anerkannt. Also könne man „jetzt vorwärts schaffen“ und wieder zuversichtlich in die Zukunft blicken, meint Forrer.

Uwe Eisch sing ein Loblied auf den Kollegen vom Schweizer Ufer: „Forrer ist ein unermüdlicher Kämpfer auf der Schweizer Seite“, sagt er. Denn im Thurgau sei es nicht einfach. Während in Gaienhofen „jeder Hühnerstall vermietet wird“, so Eisch, und man 270 000 Übernachtungen pro Jahr allein in der Gemeinde zählen könne, habe es Steckborn, das nicht kleiner sei, schwer. Für die Schweizer sei der Thurgau und der Bodensee eben Norden, die Schweizer würden sich für ihre Ferienaufenthalte eher in den Süden orientieren. Die Touristen selbst würden den Untersee hingegen als Region begreifen, und so würde Gaienhofen auch die Attraktionen in der Schweiz bewerben. Die Zusammenarbeit mit den Gemeinden auf der anderen Seite des Untersees sei wichtig, "in welcher Konstellation auch immer", glaubt Eisch.

Interessantes weiß der Gaienhofener Bürgermeister auch zur Fähre Seestern: Die Höri-Fähre gäbe es in dieser Form wohl seit 1982, entstanden sei sie ursprünglich, um die Hörianer zur „Bernina“, der Nähmaschinenfabrik in Steckborn, zu bringen. Als die Produktion nach Fernost verlegt wurde, wollte man den Zusammenhalt nicht aufgeben. So entstand das Sommerangebot. Die Pressefahrt mit der Fähre gäbe es sicher seit 1986. Im Jahr 1987, also just vor dreißig Jahren, war Martin Hess, damals noch Stadtrat in Steckborn, das erste Mal dabei. Heute schleppt er sein Equipment für das Schweizer Lokalfernsehen Bodensee TV an Bord. „Und das kann man jetzt auch übers Internet sehen“, sagt er stolz.

Bildergalerie im Internet: www.suedkurier.de/bilder

Bodensee-West

1998 wurde die Interessengemeinschaft der deutschen und schweizerischen Kommunen am Untersee als „Tourismus Untersee“ gegründet. Seit 2017 firmiert sie als „Bodensee-West Tourismus“. Die Umfirmierung wurde bislang nicht kommuniziert. Auf Nachfragen hörte man von den Mitarbeiterinnen an Bord lediglich: „Wir wollen uns auch Gebieten öffnen, die sich nicht als Untersee-Anrainer verstehen. Dem Hegau beispielsweise.“ (Geschäftsführerin Lucia Kamp war aufgrund eines Urlaubs für eine Stellungnahme nicht erreichbar). Eric Thiel, Geschäftsführer von Konstanz Tourismus, kommentiert: „Den Begriff Untersee für den westlichen Bodensee kennt international kein Mensch.“

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