Was wäre, wenn die Mitglieder einer schulischen Theater-AG selbst ein Stück schrieben? Was hätte man zu erwarten, wenn sie sich dann „Angst“ als Thema wählten? Als Lehrer bliebe man skeptisch angesichts der zu erwartenden Anspielungen und Kritik, als Mitschüler stellte man sich in freudiger Erwartung auf Szenen ein, in denen ihre Ängste vor Leistungsdruck, Zensuren und gefühlter Ungerechtigkeit offen ausgesprochen würden.

Schüler haben über Monate geprobt und die Rollen entwickelt

Das Schlosstheater der Evangelischen Schule Schloss Gaienhofen bewies laut einer Presseinformation der Schule am vergangenen Wochenende eine andere Haltung. „Was für Ängste haben eigentlich Lehrer?“ Dieser Frage stellten sich laut dem Bericht von Martina Bischofberger, Pressesprecherin der Schlossschule, die Mitglieder des Schlosstheaters und entwickelten über Wochen und Monate hinweg selbst Rollen und betteten diese in eine Handlung ein, in der sie sichtlich aufgingen – ganz im Gegensatz zu der sonst beobachteten Sterilität von Laienschauspielern, wenn sie eine Rolle eines „fertigen“ Stücks übernehmen, ohne sich damit identifizieren zu können, wie sie weiter schreibt.

Das Schlosstheater auf der Bühne: (hintere Reihe von links) Lennart Hart, Sanja Held, Nora Günter, Anna Menzel, Laila Mai, Amelie Ivenz, Tim Schutzbach, Ann-Kathrin Stoklosa, (vordere Reihe von links) Zoe Herrmann, Benedikt Flohr,Roberta Mosetter. Bild: Martina Bischofberger
Das Schlosstheater auf der Bühne: (hintere Reihe von links) Lennart Hart, Sanja Held, Nora Günter, Anna Menzel, Laila Mai, Amelie Ivenz, Tim Schutzbach, Ann-Kathrin Stoklosa, (vordere Reihe von links) Zoe Herrmann, Benedikt Flohr,Roberta Mosetter. Bild: Martina Bischofberger | Bild: Martina Bischofberger

Die Handlung selbst sei denkbar einfach, so Bischofsberger: Eine Gruppe von Lehrern treffe in einem Seminar aufeinander, das vordergründig die Angst vor der Ohnmacht angesichts der Digitalisierung nehmen solle. In Wirklichkeit würden sie sich mit ihren persönlichen Ängsten konfrontiert sehen und lernen sich ihnen zu stellen. So treffe der Zuschauer unter anderem auf eine Erlebnispädagogin, die vom Gedanken geplagt werde, alles zu wenig perfekt geplant zu haben und den 1000 Fragen der Lehrer nicht gewachsen zu sein.

Jeder hat vor etwas anderem Angst und jeder geht anders damit um

Dabei sei auch eine Biologin, die überzeugt davon sei, in der Natur neue Kraft schöpfen zu können, genauso die übermäßig motivierte Referendarin, die selbst die „gottverlassene“ Gegend, in der das Seminar stattfindet, in Extase versetzt. Der Zuschauer mache die Bekanntschaft von Jean-Claude Lebœuf, der als Franzose bald zum Publikumsliebling avancierte, oder mit Eliane, die ein Problem mit ihrem Selbstwertgefühl auslebe, mit dem gescheiterten Künstler Matthias und den frustrierten Geschichtslehrer, die beide ihre Aggressionen offen abreagieren.

Rollen zeigen, wie sich Angst in Extremsituationen breit macht

„Wir haben dann versucht, die Ängste und inneren Stimmen dieser Figuren zu personifizieren und sie auf der Bühne lebendig und sichtbar zu machen", erklären Margit Schlenker und Anja Däschler als Leiterinnen der beiden Theatergruppen. Das Ergebnis sei ein beeindruckendes Spannungsbild zwischen äußerer und innerer Handlung, das zeige, wie leicht eine Rolle brüchig werde, die dem normalen Alltag standhalten könne, Extremsituationen wie einer unfreiwilligen Übernachtung im Wald jedoch nicht gewachsen sei. So seien als Allegorien die Angst vor Versagen, Inkompetenz, Fremdbestimmtheit auf der Bühne ständig präsent, begleitet von den kleinen Ängsten, die dem persönlichen Handeln situationsgebunden aber dafür häufig im Weg stünden und schonungslos die Wahrheit offenbaren.

Schüler überzeugen mit ihrem Spiel

Klischees von Schule würden damit elegant und liebevoll auf die Bühne gestellt und durch die Gegenüberstellung mit existenziellen Fragen entlarvt, schreibt Martina Bischofberger weiter. Um diese Komplexität darzustellen, brauche es schauspielerisches Können, das die Schüler auf individuell ausgeprägte und ausdrucksstarke Weise gezeigt hätten.

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