Die Landschaft am Bodensee war für viele Künstler und Literaten ein Traumdomizil. Auf Dauer konnten sie sich ihrer Schönheit nicht entziehen. Als der Historiker, Publizist und Schriftsteller Golo Mann 1923 zum ersten Mal in Friedrichshafen den See sah, habe eine Liebe begonnen, die ihn ein Leben lang begleitete, bekennt er in seinem Werk "Mein Bodensee". Der See empfing ihn mit stürmischem Wetter. Das Wasser zeigte sich schwarzblau mit schaumgekrönten Wellen und das Schweizer Ufer in blasser Ferne.

Golo Mann gehörte der Literatendynastie der Manns an. Sein Vater Thomas schickt gleich zu Beginn seines Werkes "Der Zauberberg" den Protagonisten auf eine lange Reise, die ihn auch über den Bodensee führt: "Über seine springenden Wellen und über Schlünde, die früher für unergründlich galten." Die Manns am Bodensee? Das mag einige überraschen. Bereits lange vor dem Schweizer Exil von Thomas Mann kam der See in den Aufmerksamkeitsbereich der Familie. Die literarische Gesellschaft "Forum Allmende" widmet bis zum 16. September der Familie Mann im Hesse Museum Gaienhofen eine Ausstellung.

Eine ungeante Fülle an Belegen

Anhand von Briefen, Fotografien, Zitaten und Dokumenten setzt die Ausstellung noch vor der Wende zum 20. Jahrhundert an und erzählt die Begegnung der Familie Mann mit der Landschaft am Bodensee und deren Eindrücke, die ein volles Jahrhundert lang Spuren in den Werken der Manns hinterlassen hatte. Die Kuratoren Manfred Bosch und Ute Hübner stießen auf eine ungeahnte Fülle an Belegen, die ein faszinierendes Kapitel literarischen Lebens der Familie über mehrere Generationen hinweg im Bodenseeraum zeigen.

Die Ausstellung nimmt zeitgeschichtliche Zusammenhänge in den Blick und erzählt persönliche und schicksalhafte Begegnungen der Familie am See. Die Mutter von Thomas Mann erinnert sich in einer Reiseskizze von 1888 von Tirol aus kommend an die Ankunft an den Bodensee und ihre Fahrt mit dem Dampfschiff "Kaiser Wilhelm" von Bregenz nach Konstanz. Julia Mann besuchte das ehemalige Dominikanerkloster, in dem Jan Hus gefangen saß, und die Hinrichtungsstätte des böhmisch-christlichen Theologen und Reformators. Ihre Erinnerungen an den Bodensee flossen in ihr Werk "Ich spreche so gerne mit meinen Kindern" ein.

Urlaub, Hochzeitsreise und Abitur am Bodensee

Im Löchnerhaus auf der Insel Reichenau verbrachte 1922 Katja Mann mit ihren Kindern Erika und Klaus die Sommerferien. Ein Jahr später ging Golo, der drittälteste Sohn von Thomas und Katja Mann, an die Salemer Elite-Schule. Ihm sollte ein Jahr später seine Schwester Monika folgen. Die Hochzeitsreise des vierten Kindes des Nobelpreisträgers, Erika Mann, mit dem Schauspieler und Regisseur Gustaf Gründgens führte 1926 nach Friedrichshafen. Zwei Jahre später legte Golo Mann in Konstanz seine Prüfung zum Abitur ab.

Die Ausstellung zeigt Dokumente, Briefe und Postkarten über den Aufenthalt der Familienmitglieder am Bodensee und Erinnerungen von und Auszeichnungen an Golo Mann, der sich als Historiker und Bodenseekenner einen Namen machte. Erika Mann veröffentlichte 1932 ihr erstes Kinderbuch, das zwar in Oberbayern angesiedelt ist, aber dessen Titelbild mit einem Zeppelin auf Friedrichshafen und den Bodensee verweist.

Abschied und Wiedersehen in Konstanz

Thomas Mann kehrte 1933 Deutschland den Rücken. Über Frankreich ging er ins Schweizer Exil in die Nähe von Zürich. Thomas Mann war bereits öfter in der Schweiz, hielt Vorlesungen in Sankt Gallen und besuchte die Landschaften zwischen Rheinfall und Bodensee. 1933 brachte Golo Mann seine Schwester Elisabeth über den See zu den Eltern. Fünf Jahre später kamen die Schwiegereltern von Thomas Mann nach Konstanz, um sich von der Tochter Katja vor der Ausreise in die Vereinigten Staaten zu verabschieden. Im Sommer 1947 begegneten sich die Brüder Thomas und Victor Mann nahe dem Konstanzer Hauptzoll wieder. Victor war als einziges Familienmitglied der Manns nicht emigriert.

Die Ausstellung

Das Hesse Museum Gaienhofen zeigt die Ausstellung "Die Manns am Bodensee". Die Ausstellung des Forum Allmende dauert bis zum 16. September und kann von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt kostet fünf Euro, ermäßigt vier Euro. Zur Ausstellung erscheint im Südverlag Konstanz ein gleichnamiger Begleitband von Kurator Manfred Bosch. Das Buch wird am Donnerstag, 14. Juni, 19 Uhr, im Hesse Museum vorgestellt. Die Ausstellung ist dafür eigens ab 18 Uhr geöffnet.