Um die Milchstraße zu fotografieren, braucht es Übung, Zeit und Gefühl. Daniel Schlageter kann behaupten, dass er diese drei Dinge mitbringt. Regelmäßig zieht der 39-Jährige los, um in der Gegend rund um die Höri die schönsten Landschaften festzuhalten.

Vor vier Jahren hat er die Fotografie als Hobby entdeckt, seitdem ist er fast jede Woche unterwegs. „Die Begeisterung lässt mich auch morgens um 4 Uhr aufstehen mit einem Grinsen im Gesicht“, sagt er. Dann kommen ihm Milchstraßen, Sonnenaufgänge, der Mond, Gewitter oder ein Feuerwerk vor die Linse. Sein liebstes Motiv ist die Natur des Untersees in all seinen Facetten.

Daniel Schlageter mit einem seiner Bilder der Milchstraße, aufgenommen am Mindelsee.
Daniel Schlageter mit einem seiner Bilder der Milchstraße, aufgenommen am Mindelsee. | Bild: Arndt, Isabelle

Der gelernte Schreiner erinnert sich noch genau an den Moment, als er sich für dieses Hobby entschied: Bei einem der Sonnenuntergänge am Bodensee habe er gedacht, dass er Momente wie diesen festhalten will. Dabei begleitet die Kunst den 39-Jährigen schon viele Jahre: Er sei sehr Kunsthandwerk-affin und habe früher überlegt, an einer Kunstschule das Töpfern zu lernen. Die Fotografie biete ihm nun die Möglichkeit, sich kreativ auszuleben, sagt Schlageter.

Bereits vor zehn Jahren habe er sich von einem Mitbewohner eine analoge Kamera ausgeliehen und die ersten Bilder gemacht. Vor vier Jahren kaufte er sich dann die erste Spiegelreflexkamera, wie er sagt. „Ich habe mir selbst etwas gönnen wollen.“ Bei den ersten Spaziergängen habe er hunderte Bilder gemacht und „begeisterungsfähig wie ein Kind ganz unschuldig drauf los geknipst“. Heute dagegen investiert er häufig viel Zeit in die Vorbereitungen.

Für dieses Bild von der Milchstraße am Mindelsee hat sich Daniel Schlageter ausgiebig vorbereitet. Der Hobbyfotograf aus Gaienhofen ist mehrmals pro Woche in der Region unterwegs, um beeindruckende Landschaftsbilder zu machen. Bilder: Daniel Schlageter
Für dieses Bild von der Milchstraße am Mindelsee hat sich Daniel Schlageter ausgiebig vorbereitet. Der Hobbyfotograf aus Gaienhofen ist mehrmals pro Woche in der Region unterwegs, um beeindruckende Landschaftsbilder zu machen. Bilder: Daniel Schlageter | Bild: Daniel Schlageter

„Der Bodensee ist voll von wunderhübschen Landschaften“, sagt der 39-Jährige über seine Motivwahl. Innerhalb weniger Minuten könne man viele tolle Orte entdecken. Er wählt Zeit, Ort und Motiv mittlerweile meist bewusst. So habe er sich für das Milchstraßen-Bild beispielsweise akribisch vorbereitet: „Die Milchstraße festzuhalten ist am Bodensee gar nicht so leicht“, erklärt Schlageter. Das liege an der Lichtverschmutzung – je mehr Licht durch Straßenbeleuchtung, Städte und Autos entsteht, desto weniger deutlich ist die Milchstraße festzuhalten.

Außerdem berücksichtigte Schlageter die Himmelsrichtung und suchte mit dem Online-Kartendienst Google Maps nach einem geeigneten Ort. Dabei stieß er auf den Mindelsee zwischen Markelfingen und Möggingen. Also um 4.50 Uhr aufstehen, zum Mindelsee fahren und Stativ aufbauen. Vor Ort hatte Daniel Schlageter nach eigenen Angaben dann etwa 30 Minuten Zeit, um das Bild nach seinen Vorstellungen aufzunehmen – dann wurde es zu hell.

„In der Landschaftsfotografie sind Schnappschüsse eher selten“, fasst Schlageter zusammen. Und doch sei manchmal ein wenig Glück dabei, wenn ein Blitz genau an der gewünschten Position in den Boden schlägt oder der bedeckte Himmel doch noch aufreißt. Dabei gibt es klassische Motive wie einen eigenwillig verformten Baum am Westspitz der Insel Reichenau – der heilige Gral der Bodenseefotografen, wie Schlageter sagt.

Eine feste Liste mit Orten, die er noch ablichten möchte, habe er zwar nicht, doch nach kurzem Überlegen zählt er Ziele wie die Alpen oder den Schwarzwald auf. Neben Landschaften mit all ihren begleitenden Herausforderungen wie Gewittern, Sternen und Feuerwerk möchte Schlageter auch verstärkt Menschen ablichten. Aus einem Hobby soll so die Profession werden.

Bild: Daniel Schlageter

Dafür hat der Autodidakt in den vergangenen Jahren viel Zeit und Mühe investiert. Er steht nicht nur früh auf, sondern watet für den besten Blickwinkel auch durch hohes Wasser sowie überwindet Stock und Stein. „Was tut man nicht alles für coole Bilder“, sagt Schlageter mit einem Schulterzucken und lacht. Nachdem er mitunter täglich unterwegs war, hat sich die Zahl seiner Fotoausflüge auf maximal drei pro Woche reduziert – auch seiner Frau und Familie zuliebe.

Mit einem Blick aus dem Fenster könne er aber erahnen, wie toll das Licht beim Abendrot wird. „Dann juckt mir der Abzugfinger schon.“ Seine Bilder brauchen auch nach der Aufnahme ein wenig Zeit, wenn es um Bildbearbeitung geht. „Man darf ein bisschen rauskitzeln, aber manche übertreiben es auch“, sagt er. Für ihn essenziell: Ein Bild müsse Stimmung vermitteln. „Wenn ein Bild nicht eine gewisse Stimmung hat, ist es nicht veröffentlichungswürdig“ – das sei ja auch, was den See ausmacht.

Der Fotograf und seine Tipps

  • Zur Person: Daniel Schlageter ist 39 Jahre alt und wohnt mit seiner Familie in Gaienhofen-Horn. Schlageter ist verheiratet und ist Vater von zwei Kindern im Alter von elf und acht Jahren. Ursprünglich stammt er vom Hochrhein und ist in Laufenburg aufgewachsen. Später ist er nach Konstanz gezogen, um Maschinenbau zu studieren, doch letztlich entschied er sich anders. Nach einer Schreinerlehre hat er sich selbstständig gemacht, heute arbeitet er auch im Messebau. Die Fotografie betreibt er als Hobby sowie nebenberuflich.
  • Drei Tipps für angehende Fotografen: Wer einen schönen Sonnenuntergang fotografiert, soll demnach unbedingt noch eine Weile warten, wenn die Sonne weg ist. Dann beginne oft erst das richtige Farbenspektakel.

    Außerdem empfiehlt er ein Stativ: Wer sich in der Landschaftsfotografie weiterentwickeln will, komme daran nicht vorbei. "Und das ist nix für Faule, sondern ein vielseitig verwendbares Hilfstool, ohne das viele Bilder gar nicht möglich sind", sagt der 39-Jährige. Für seine Milchstraßen-Bilder wählte er beispielsweise Belichtungszeiten von mehreren Sekunden, wobei das Bild ohne ein Stativ verwackeln würde.

    Unabhängig von der Ausrüstung empfiehlt Schlageter anderen Fotobegeisterten aber, einfach anzufangen: Auch mit einer einfachen Kamera könne Astrofotografie gelingen. Der 39-Jährige empfiehlt dafür Bilder mit Startrails, also Strichspuraufnahmen. Im Internet finden sich Anleitungen und zum Beispiel die kostenlose Software Startrails. Tipps teilt auch Daniel Schlageter selbst im Internet etwa unter https://bit.ly/2LrXyiT