Die Nachfrage nach Kinderbetreuungsplätzen ist auf der gesamten Höri so groß, wie schon seit langem nicht mehr. Sandra Rauer, Leiterin des Hauptamtes in Gaienhofen, erläutert: "Wir haben geburtenstarke Jahrgänge. Die Eltern suchen Kindergarten- oder Kinderkrippenplätze. Wir können aber nicht jedem Platzwunsch der Eltern zu 100 Prozent entsprechen." Da muss man von Seiten der Verwaltung mit den Eltern reden. "Wir finden aber immer eine Lösung", sagt Rauer.

Auch in Moos ist die Situation noch nicht ganz optimal. Martina Stoffel, als Leiterin des Hauptamtes für die Planung der Kita-Plätze verantwortlich, schildert: "Für das gesamte Jahr 2017 hatten wir 17 Anmeldungen. Für das jetzt anstehende Kindergartenjahr haben wir bis März schon elf Anmeldungen erhalten."

Mit 17 Plätzen wird man im kommenden Jahr vermutlich den Bedarf nicht mehr völlig abdecken können. "Es ist wirklich nicht einfach, bedarfsgerecht zu planen." Da sei viel Management gefragt, was soviel heißt wie: Man müsse nun sehen, wie man den gesetzlichen Anspruch erfüllen kann.

Der Platz in den Höri-Kitas wird knapp

Johanna Grundler, Leiterin des Kindergartens in Öhningen, führte auf der jüngsten Gemeinderatssitzung aus: "Es ist aufgrund der vorliegenden Anmeldungen bereits zu Beginn des kommenden Kindergartenjahres damit zu rechnen, dass die Platzkapazitäten erschöpft sind."

Öhningens Bürgermeister Andreas Schmid denkt an eine Lösung im Schulgebäude: "Aufgrund der Tatsache, dass im kommenden und voraussichtlich auch im darauf folgenden Schuljahr nur eine erste Klasse gebildet werden kann, stehen im Schulhaus Wangen Räumlichkeiten zur Verfügung. Von Seiten der Schule wurden gegen die Nutzung der Räumlichkeiten als Kita-Plätze keine Bedenken vorgebracht." Und: "Die notwendigen Umbaumaßnahmen können mit vertretbarem Aufwand realisiert werden."

"Wir stoßen an unsere Grenzen"

Auch in Moos denkt man über eine Erweiterung der Kita-Plätze seit einiger Zeit nach. Bürgermeister Peter Kessler erklärte: "Wir stoßen an unsere Grenzen." Zwar sind die bereitgestellten Plätze für die Kinderbetreuung der über Dreijährigen (Ü3) ausreichend, ein Problem gibt es aber für die unter drei Jahre alten Kinder (U3). Für sie werden die Plätze vermutlich nicht ausreichen.

So soll ab Januar 2019 eine provisorische Krippengruppe für Kinder ab dem ersten Lebensjahr am Kindergarten in Bankholzen eingerichtet werden. Sobald der geplante Erweiterungsbau im Bankholzener Kindergarten fertig sein wird, habe man dort dann wieder genügend Platz, um die Krippengruppe dort wieder unterzubringen.

Es gibt zu wenige Erzieherinnen und Erzieher

Platzprobleme hat man in Gaienhofen aktuell nicht. Die Kita Seestern kann sogar durch eine Ausnahmegenehemigung weitere elf Kinder aufnehmen. Sandra Rauer vom Hauptamt der Gemeinde sieht aber einen anderen Punkt: "Das Angebot an staatlich anerkannten Erzieherinnen und Erziehern ist sehr begrenzt." Jahrelang war dieser Berufszweig nicht attraktiv genug. Erst seit politischen Nachbesserungen ist dieser Beruf wieder interessant. Doch die Ausbildung dauert vier Jahre.

Diese lange und intensive Ausbildungszeit habe seinen Grund, schildert Lisa Karbach, Leiterin der Kita Seestern. In früheren Zeiten war das Ziel der Erziehung hauptsächlich auf die Schulfähigkeit gerichtet gewesen. "Heute ist der Blick mehr auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten des einzelnen Kindes gerichtet", sagt Kita-Leiterin Lisa Karbach. Für sie ist das eine wesentliche und für die Kinder wichtige Verbesserung in der Ausrichtung der Arbeit eines Kindergartens.

Der Rechtsanspruch

Die Situation vieler Familien hat sich in den letzten drei Jahrzehnten in unterschiedlichen Bereichen so stark verändert, dass die außerfamiliäre Betreuung von Kleinkindern für viele Eltern ein wichtiges Angebot zur Erziehung, Förderung und Bildung ihrer Kinder darstellt – nicht zuletzt auch im Hinblick auf die Berufstätigkeit. Im Jahr 2007 haben sich Bund, Länder und Kommunen beim sogenannten Krippengipfel darauf geeinigt, dass ab dem 1. August 2013 ein bedarfsgerechtes Betreuungsangebot für Kinder unter drei Jahren bereit stehen soll. Ab dem dritten Lebensjahr bis zur Einschulung können Kinder einen Kindergarten besuchen. Ein Kind hat vom vollendeten dritten Lebensjahr an bis zum Schuleintritt einen Anspruch auf einen Kindergartenplatz.