„Ich weiß, dass der Onkel, der etwas mitbringt, immer beliebter ist als die Tante, die nur Klavier spielt“, freute sich Guido Wolf im Sitzungssaal des Rathauses von Gaienhofen. Sein Mitbringsel war enorm. Der baden-württembergische Minister für Justiz und Tourismus überreichte Bürgermeister Uwe Eisch den Förderbescheid für den Bau der neuen Tourist-Information (TI) von 462 200 Euro. Für Sanierung und Umbau des alten Rathauses sind Kosten von 928 400 Euro veranschlagt. Der Landeszuschuss aus dem Tourismus-Infrastuktur-Programm gehört zu den höheren Beträgen, die in diesem Jahr vom Land ausgeschüttet wurden. Das Ministerium würdigte die Idee einer erlebnisorientierten TI mit einem zweiten Platz im Fördertopf.

300 000 Übernachtungen pro Jahr in Gaienhofen

Durch den Umzug der Verwaltung ins neue Rathaus von Gaienhofen waren auch Überlegungen für die Nutzung des alten Rathauses nötig. Der Gemeindeverwaltungsverband Höri bezog das obere Stockwerk des alten Gebäudes. Mit seiner zentralen Lage eigne sich das alte Rathaus für die Inszenierung einer neuen Tourist-Information, so Uwe Eisch gegenüber dem Minister.

300 000 Übernachtungen zählte Gaienhofen im letzten Jahr. Seit den 1990er Jahren hat sich die Zahl der Touristen in der Höri-Gemeinde nahezu verdoppelt. „Das ist für eine Gemeinde mit 3500 Einwohnern enorm“, erläuterte Eisch dem Minister. Guido Wolf nahm die Zahlen mit Humor auf: „Sind sie im Sommer Oberbürgermeister?“ Dieser gelungene Scherz traf den Nagel auf den Kopf und verdeutlichte die Bedeutung des Tourismus nicht nur am Bodensee, sondern im gesamten Bundesland.

Landesweit 390 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte

Jährlich steigen in Baden-Württemberg die Gästezahlen und Übernachtungen an. Dementsprechend steigen bei dieser Entwicklung auch die Investitionen, die das Land mit Kräften unterstützen wolle, so Guido Wolf: „Tourismus und Ländle gehören untrennbar zusammen.“ Die Fördermittel sollen in den nächsten Jahren auf zehn Millionen Euro ansteigen, kündigte der Minister an. Mit über 390 000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigen entwickle sich der Tourismus in Baden-Württemberg zu einer Leitökonomie. Mit einem weiteren Nebeneffekt: Solche Arbeitsplätze könne man nicht in das Ausland verlegen.

Guido Wolf erachtet es für wichtig, den Tourismus nachhaltig und umweltverträglich auszurichten: Er lebe vom Zuspruch, von Zahlen und Übernachtungen. Letztlich bleibe der Tourismus nur dann erfolgreich, wenn es gelingt, die wunderschöne Landschaft zu erhalten, so Wolf. Die innere Ausstattung sowie das äußere Erscheinungsbild der neuen Tourist-Information (TI) empfindet Guido Wolf als ansprechend. Er entdeckte darin eine Feinfühligkeit für das Material und ein Gespür für nachhaltiges Bauen. Den See bildlich darzustellen sei ein pfiffiges Element, so Wolf.

Gestaltung greift die Topographie der Region auf

Der Tourismus der Höri und des Hegaus zeichnet sich mit seiner Seen- und Vulkanlandschaft aus. Diese Merkmale will die neue Tourist-Information erlebnisorientiert inszenieren und in den von Herbert Moser entworfenen Raum integrieren. Der Weingarter Professor für Kunst und Mediendesign entwarf einen Raum, bei dem die Gäste über ein Bild des Untersees laufen, das die Tiefe des Sees dreidimensional abbildet und zu einem Modell der Höri hinführt.

Das plastische Höri-Modell mit einer neun Quadratmeter großen Grundfläche wird aus Holz gefertigt. Projektoren blenden Topografien, Übernachtungen. Radwege, und Sehenswürdigkeiten auf das Modell ein und bringen den Gast in Interaktion mit der Kulturlandschaft.

Minister Wolf will sich die fertige Tourist-Info anschauen

Architekt Jörn Thamm aus Konstanz war federführend für den Bau des neuen Rathauses in Gaienhofen verantwortlich. Der Architekt wird das angejahrte Gebäude energetisch sanieren und entwarf für das alte Rathaus eine neue, leicht geschwungene Fassade aus Holz, die die Formen der Landschaft aufnimmt und die Fenster des Gebäudes in einem wellenförmigen Passepartout freilegt. Wolf freut sich, das Projekt unterstützen zu können. Es soll auch eine Unterstützung für eine Kommune sein, die im Tourismus anspruchsvoll investiert.

Wolf ist sich bewusst, dass öffentliche Einrichtungen einer Gemeinde oft in Konkurrenz zu solch einem Projekt stehen könnten. Investitionen in dieser Größenordnung seien ein Kraftakt. Der Minister kündigte einen weiteren Besuch in Gaienhofen an: Das Projekt habe ihn so erfasst und imponiert, dass er gerne wiederkommen möchte, wenn es fertiggestellt sei, so Wolf.