Der Rhabarber ist, wie der Wiesenampfer und der Sauerampfer, ein Knöterichgewächs. Ursprünglich stammt er aus Zentralasien. Erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts trat er seinen Siegeszug in die deutschen Küchengärten an und ist heute aus den klassischen Hausgärten nicht mehr fortzudenken. Dort wächst er jahrzehntelang am gleichen Standort und erfreut uns zuverlässig mit einer mehr als ergiebigen Ernte. Rotstielige Pflanzen, die weniger sauer und im Geschmack milder sind, waren die bevorzugten Sorten im Garten meines Vaters; „Holsteiner Blut“ und „Rotstielige Viktoria“ hießen sie und fanden in Mutters Küche stets eine vielseitige Verwendung. Erfrischendes Kompott und die wohlschmeckenden Fruchtgrützen, die zusammen mit Milch oder Sahne gegessen wurden, schmeckten köstlich und löschten den Durst.

Verantwortlich für den typischen sauren Geschmack des Rhabarbers sind die darin enthaltenen Essig-, Apfel-, Zitronen- und Oxalsäuren. Jetzt im zeitigen Frühling, wenn noch keine Früchte zur Verfügung stehen, liefert der Rhabarber einen hervorragenden Kuchenbelag. Zusammen mit Erdbeeren eingekocht bildet er den Grundstoff für eine sehr beliebte Marmelade. Rein botanisch betrachtet ist er aber kein Obst, sondern ein Gemüse. Als solches harmoniert er überraschend gut mit Schweinefleisch, Ente oder Lamm.

Römer nannten ihn „Wurzel der Barbaren“

Unter der Bezeichnung Pontische Wurzel kam die Pflanze aus den Gebirgstälern der Länder um das Schwarze Meer auf Segelschiffen in den alten Hafen Barbarike. Die dortigen Händler führten ihn deshalb entsprechend richtig als Rhabarbarum, Wurzel von Barbarike; daraus wurde der Name „Rhabarber“. Das von den Römern „Wurzel der Barbaren“ getaufte Gemüse ist erstmals um 2800 v. Chr. in einem Medizinbuch des chinesischen Kaisers Shennong erwähnt und wurde später in Europa als Abführmittel populär. Ursprünglich war man nur mit der Wurzel zufrieden, die gepulvert als Heilmittel gegen Gelbsucht und bei Verdauungsbeschwerden eingenommen wurde. Davon war auch Friedrich II von Preußen überzeugt, an den einmal ein Oberst sein Gesuch um Befreiung von den Anstrengungen des Dienstes richtete mit der Begründung, er sei alt und leidend. Unwillig las der Alte Fritz die Eingabe und kritzelte die Randbemerkung dazu: „Mir geht es auch nicht immer wie ich es gerne haben möchte, deswegen muß ich immer König bleiben. Rhabarber und Geduld wirken vortrefflich.“

So wird’s gemacht

Rhabarber-Bowle: 500 g frischen Rhabarber schälen und in kleine Stücke schneiden. 0,5 l Orangensaft mit 75 g Zucker in einem Topf erhitzen, aufkochen lassen und den Rhabarber darin blanchieren. Erkalten lassen und in ein Bowlegefäß geben. Mit 1,5 l kaltem Mineralwasser auffüllen. Mit einigen Eiswürfeln verrühren und mit 2 Tassen Kirschsirup süßen.