Der Gemeinderat von Gaienhofen debattierte in seiner jüngsten Sitzung über den Vorentwurf zu einem Bebauungsplan im Baugebiet Gütebohl Süd. Das Baugebiet am westlichen Dorfrand von Gaienhofen soll als Wohngebiet ausgewiesen und mit offener und aufgelockerter Bauweise angelegt werden, das den Bau von freistehenden Gebäuden sowie von Mehrfamilienhäusern ermöglichen soll.

Insgesamt wurden acht neue Baufenster ausgewiesen. Zwölf bestehende Fenster wurden im Vorentwurf geregelt. Der Gemeinderat stand vor der Aufgabe, einen Ortseingang städtebaulich so zu verdichten, dass dieser optimal genutzt werden kann und gleichzeitig optisch nicht über Gebühr in Erscheinung tritt. Er regelt die Größe der Baufenster, die Grundstückszufahrten und Parken auf den Grundstücken und beachtet auch ökologische Belange.

Grundstücke sollen nur zu 40 Prozent überbaut werden

In den vorhandenen Baulücken gibt es einen größeren Bestand an Büschen und Bäumen, die für den Schutz von Fledermäusen relevant sind. Der Plan weist drei Grünkorridore aus, die eine Ersatzpflanzung für Rodungen ermöglichen. Stadtplaner Andreas Wieser schlug dem Rat ein Novum vor: Eine Bebauung mit einer Grundflächenzahl von 0,4. Das heißt, dass Grundstücke zu 40 Prozent mit Gebäuden überbaut werden könnten, so Wieser. Die Versiegelungsdichte soll mit Abstandsflächen luftig gehalten werden. Gebäudekomplexe, die in Form eines Hufeisens mit zentralem Hof angelegt wurden, könnten mit Baufenstern für eine Tiefgarage der Mehrfamilienhäuser verbunden werden.

„Wohnungen in Gaienhofen sind knapp. Ebenso die Gebiete, die wir erschließen können“, eröffnete Mechtild Bichele (CDU) die Aussprache: Wenn man das Gebiet betrachte und eine Innenverdichtung anstrebe, so sei eine Grundflächenzahl von 0,4 folgerichtig, erläuterte sie dem Gemeinderat. Die bestehende Bebauung würde dies vertragen, so ihre Ansicht. Ingo Bucher-Beholz (UBL) möchte die Grünkorridore zum See öffnen und von sechs auf zehn Metern verbreitern. Wieser machte deutlich, dass er mit seiner Vorplanung auch die Vermarktbarkeit des Gebietes im Auge hatte und ein vernünftiges Maß zwischen Vermarktbarkeit und Wünschen künftiger Bauherren suchte. Eine Verbreiterung ginge zu Lasten der Baukörper. Bucher-Beholz sieht das hingegen mit schlanken Baukörpern kompensiert.

Heinz Burkhart kämpft gegen weitere Zweitwohnungen

Bernd Sutter (Die Aktiven) sieht im Bauleitplan einen geeigneten Türöffner für den Ortseingang in der Gemeinde. Gerne möchte er die Grundstücksein- und -zufahrten sowie die Abstände zum Radweg mit klaren Angaben geregelt wissen. Gerhard Weiermann (CDU) machte den Vorschlag, das Ortsschild auf die Kante der letzten Bebauung zu versetzen. Bürgermeister Uwe Eisch wies darauf hin, dass diese von der Landstraße nicht direkt anzufahren und der Vorschlag schwer umsetzbar sei. Er wolle jedoch das Anliegen aufgreifen und in Bezug zum Lärmschutz setzen.

Heinz Burkhart (UBL) begrüßte den Vorschlag für die Bauleitplanung. Doch gehe es ihm um eine Verhinderung von Zweitwohnungen in der Gemeinde. Sie würden nach seiner Ansicht das Dorf kaputt machen. Das deutsche Baurecht sehe keine Regelung vor, wo jemand seinen Haupt- und Zweitwohnsitz habe, erläuterte Wieser. Das Anliegen sei über einen Bauleitplan nicht regelbar.

Bürgermeister Uwe Eisch bringt Tourismus ins Spiel

Uwe Eisch machte klar, dass er kein Freund von Zweckentfremdungssatzungen sei. Man könne Eigentümern nicht versagen, dass deren Kinder die Wohnung nicht als Ferienwohnung nutzen könnten. Einerseits lebe die Gemeinde vom Tourismus, andererseits sei es nicht verwerflich, wenn jemand sein Haus mit einer Ferienwohnung teilweise finanziere. Uwe Eisch schlug vor, dass eine Ferienwohnung pro fest bezogene Wohneinheit möglich sein sollte. Die neue Bauleitplanung soll die Anzahl von Ferienwohnungen aber insgesamt einschränken.

Ingo Bucher-Beholz will Architektur des Hesse-Hauses betonen

Bucher-Beholz wünschte, dass das Hermann-Hesse-Haus optisch in dessen Eigenart bewahrt wird: Würde dort ein Gebäude mit ähnlicher Architektur stehen, so würde es das historische Gebäude in seiner Originalität entwerten. Er schlug vor, in dessen Nähe Spielräume für moderne Gestaltungsmöglichkeiten zu eröffnen, die eine Dialektik der Architektur ermögliche. Andere Dachformen in unmittelbarer Nähe könnten somit das Original stärken. Eine Doppelung würde das Hermann-Hesse-Haus hingegen in seiner besonderen Architektur schwächen und ihm die Show stehlen. Wieser machte den Vorschlag, dass abweichende Dachformen an dieser Stelle vom Gemeinderat bewilligt werden könnten respektive müssten.