Moos: Nach kurzem, aber aussichtslosen sportlichen Wettstreit, eroberten am Donnerstagmorgen die vier Narrenzünfte der Gemeinde Moos das Rathaus. Bürgermeister Peter Kessler und seine Mitarbeiter widersetzten sich zwar bemüht gegen die zahlenmäßig größere Narrenschar, aber am Ende mussten er und die Seinen sich der Übermacht beugen. Für die kommenden Tage werden die Zünfte das Sagen in der Gemeinde haben. Dabei schlugen sich die Bediensteten durchaus ganz ordentlich. Im Dosenwerfen zeigten sich zum Beispiel die alten Handballerqualitäten des Schultes. Beim Balancieren erwies er sich wiederum weniger sicher. Trotz einer abschließenden Kraftanstrengung beim Gewichtheben musste der Rathauschef letztlich die Insignien seiner Macht abgeben. Während er die Eisen stemmte, entriss ihm die Narrenpräsidentin Sandra Hugenschmidt von den Mooser Rettichen die Bürgermeisterkette und lud anschließend großherzig in das Bürgerhaus ein. Dort wollte sie zusammen mit ihrem "Zirkus" einige Vorstellungen zum Besten geben und den Tag mit einem zünftigen Frühstück beginnen.

Öhningen: Auch am Donnerstag bestimmten die Sondierungsgespräche das politische Leben in Öhningen. Rathauschef Andreas Schmid konnte im Vorfeld nicht beurteilen, ob die Gespräche an diesem Tag erfolgreich abgeschlossen werden könnten. Der oberste Verhandlungsführer der Narrenpartei "Die Piraten vom Untersee", Frank Fuzzy Graf meinte euphorisch, es sei ganz klar, das die Piraten ihre Forderungen durchsetzen werden.

Dies war zunächst nicht ganz einfach, da die Verwaltung die Eingangstür verbarrikadiert hatte. Fuzzy Graf sah darin eine Provokation und erklärte: "Das macht den Verhandlungsspielraum nicht größer."

Ganz dem Vorbild der Berliner Balkongespräche folgend, trafen sich beide Verhandlungsführer dann für alle öffentlich sichtbar auf der Freitreppe gegenüber dem Kuno-Brunnen. Schmid bot dem Narrenpräsidenten eine Position als Außenminister an, um die Atmosphäre in den knallhart geführten Gesprächen zu verbessern. Dies lehnte Graf ab, es gehe nicht um Posten, im Mittelpunkt ständen politische Positionen, die als erstes ausgiebig diskutiert werden müssten. Das Thema Windenergie auf dem Chroobach sollte in den Verhandlungen ausgeklammert werden, die Einstellungen der Bürger sei zu unterschiedlich. Als unverhandelbar schilderte der Oberpirat jedoch das neue Projekt "Schienen 21", eine direkte Bahnverbindung zwischen Radolfzell und Öhningen mit einem unterirdischen Bahnhof in Schienen direkt unterm "s'Lädele".

Eine weitere Kernforderung der Piraten besteht in einer großen Einkaufspassage unterhalb des alten Ortskernes von Öhningen. Dies sei nach Meinung politischer Beobachter eine sehr sinnvolle Investitionen in die Zukunft, da mit einem solchen Einkaufszentrum mehr Leben in den strukturschwachen Ortskern zurück kommen könnte. Eine Stellungnahme des Gemeindeverwaltungsverbandes (GVV Höri) zur Finanzierbarkeit der Großprojekte lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor.

Gaienhofen: Die Hägelisaier und Käfertaler Zünfte sind in der Bredouille und streiken. Keuchend und fleuchend erklommen sie den hügeligen Weg von der Schülerbefreiung ins neue Rathaus von Gaienhofen. Atemlos stehen sie vor der Erstürmung der Verwaltungsbastion. "Für euch ist das neue Rathaus eine feine Sache. Keiner bekommt mehr mit, was ihr da oben machet", klagt die Präsidentin der Hägelisaier Bürgermeister Uwe Eisch an. Corinna Blondzik-Burgo findet klare Worte über das neue Domizil: Auch die Alten kämen nicht mehr wegen jedem Fitzele den Berg hinauf. Die Narren sind sauer und ihnen knurrt der Magen vom langen Marsch. Um vom 60 Jahre alten und traditionsreichen Narrenfahrplan nicht abzuweichen ließen die Narren eigens das Mittagessen ausfallen. Mehr denn je gelüstete es der närrischen Meute nach Fleisch und Trank.

Stunden wartete die Verwaltung auf die Machtübernahme der Narren, scherzte Bürgermeister Eisch. Und es kamen bereits Gerüchte auf, dass die Narren das alte Rathaus gestürmt hätten. Mit viel Charme und noch mehr Lob wand sich Bürgermeister Uwe Eisch aus der Schlinge der Anklageschrift der Narren.

Der Chef des neuen Hauses ergab sich den Narren unter einer Bedingung: Die Narren könnten Bazillen, Ungeziefer und Viren in den neuen Zimmern verlieren. Nur mit Überschuhen und einem Gang durch die Narren-Quarantäne-Schleuse gestattete der Hausherr den Hägelisaier und Käfertaler den Zutritt. Dabei befreite der Rauch und das blaue Schleusenlicht die Narren auch von Zwietracht, Hader und Unbill.

Fasnacht auf der Höri

  • Moos: Montag, 12. Fabruar, närrischer Kaffeeklatsch der Mooser Rettich, 15 Uhr im Bürgerhaus; Samstag, 10. Februar, Narrenspiegel der Bankholzer Joppen, 19.30 uhr im Joppenpalast
  • Gaienhofen: Montag, 12. Februar, Höriweiber-Fasnet der Hägelisaier, 12 Uhr im AD-Saal; Samstag, 10. Februar, Schiff-Ahoi der Käfertal Hemmenhofen, 20 Uhr in der Alten Schule
  • Öhningen: Sonntag, 11. Februar, Seifenkistenrennen der Piraten, 13.30 Uhr am alten Feuerwehrhaus