Das Festkonzert des Vokalensemble Gaienhofen anläßlich der 35-jährigen Partnerschaft mit der französischen Gemeinde St. Georges de Didonne war, obwohl nicht ganz unumstritten, ein Auftakt nach Maß. Pfarrer Stefan Hutterer war der Ansicht, die musikalischen Darbietungen seien nicht richtig zusammengestellt. Es gebe Stücke, die in seinen Augen nicht unbedingt in einen Sakralbau gehörten und der Blick auf das etagenförmige Podest für die Sänger verhindere den Blick auf den Altarraum. „Eine Kirche ist eben keine Konzerthalle“, sagte Hutterer.

Man kann sich darüber streiten, ob die „Habanera“ aus Georges Bizets Oper Carmen in einer Kirche aufgeführt werden sollte oder nicht. Dirigent Siegfried Schmidgall nahm die Kritik auf jeden Fall gelassen: „Wenn man in einer Kirche nicht mehr über Liebe reden darf, weiß ich nicht, wo denn dann noch. Ich denke, die katholische Kirche hat zur Zeit größere Probleme.“ Letztlich relativierte Stefan Hutterer auch seine Bedenken. „Das Vokalensemble will wohl das gesamte Spektrum seines Könnens zeigen.“

Geselliges Beisammensein und Gedankenaustausch (v. li.): Marc und Emilie Bouffard, Uwe und Gabi Eisch, Geneviève Benita und Winfried Jakob, Patrick Berthier und Anton Breyer.
Geselliges Beisammensein und Gedankenaustausch (v. li.): Marc und Emilie Bouffard, Uwe und Gabi Eisch, Geneviève Benita und Winfried Jakob, Patrick Berthier und Anton Breyer. | Bild: Jahnke

Und die dargebotenen Vielfältigkeit begeisterte das Publikum restlos. Jean Marc Bouffard, Bürgermeister von Saint-Georges de Didonne, erzählte: „Ein solches Konzert hätten wir in unserer Gemeinde unseren Freunden aus Deutschland nicht bieten können.“ In Baden-Württemberg und insbesondere auf der Höri werde sehr viel Wert auf die musikalische Früherziehung gelegt. Das sei in Frankreich im Allgemeinen nicht der Fall. Patrick Berthier, Vorstand des Vereins Europäische Freundschaft in der französischen Partnergemeinde, findet diese kulturellen Unterschiede spannend. Nach seiner Ansicht würden sich diese Unterschiede aber ergänzen und so zu einer Vielfalt beitragen. Dies könne aber nur gelingen, wenn man Kontakte nicht nur aufbauen, sondern auch freundschaftlich pflegen würde. Erst dann sei diese Vielfalt erlebbar.

Bürgermeister Uwe Eisch blickte zuerst in die Vergangenheit, um daran deutlich zu machen, wie wichtig diese Partnerschaft heute ist. Er sagte: „Vor 80 Jahren, im Jahr 1939, konnten sich weder Deutsche noch Franzosen vorstellen, dass wir uns auf diese Art und Weise, wie wir es heute tun, freundschaftlich begegnen. Damals stand die Welt wenige Monate vor dem schrecklichsten Krieg seit Menschengedenken.“ Marc Bouffard betonte, es sei mehr als eine Freundschaft, es sei Brüderlichkeit. Hier vertreten die Mitglieder beider Gemeinden durchaus eine unterschiedliche Meinung vertreten, einer Verbundenheit würde das aber nicht im Wege stehen.

Mit Blick auf die politischen Standpunkte auf EU-Ebene schilderte Bouffard, er habe den Eindruck, dies beeinträchtige das Verhältnis in der Bevölkerung nicht. „Das ist nur für die Regierungsparteien von Interesse.“ Dennoch sei Wachsamkeit gegenüber politischen Entwicklungen wichtig. Anton Breyer bestätigt: „Private Freundschaften sind der Kern für ein friedliches Miteinander in ganz Europa.“