Gaienhofen Im Zeichen des Hirschen - Horner Gasthaus wird 91

Im Gasthaus in Horn verbinden sich die Linien zweier Familien: Vor 91 Jahren brannte das alte Gasthaus ab, vor 90 Jahren wurde an Ostern der neue Hirschen eröffnet

Stolz prangt das Geweih des Hirschen seit Jahrzehnten auf dem Gasthaus in Horn. In den Nachkriegsjahrzehnten auf die Fassade gemalt als weißes Wappen auf rotem Grund, jetzt hängt es als schmiedeeisernes Symbol vor der Eingangstüre und grüßt von der Hauswand in Richtung Gundholzen. So dominant wie sich das Wirtshaus an der Durchgangsstraße im Dorfbild von Horn erhebt, so präsent ist die Wirtsfamilie seit jeher im Dorfgeschehen.

Dieses "seit jeher" beschränkt sich dabei nicht auf die Ära des aktuellen Familienpatrons Karl Amann und seiner Vorfahren, sie ist in besonderer Weise mit den Vorfahren seiner Frau und Hirschen-Chefin Verena, geborene Bürgel, verbunden. Über sie kann das "seit jeher" der Hirschen-Familiengeschichte bis auf das Jahr 1821 zurückdatiert werden. Da kaufte ihr Vorfahr, der Landwirt und Gewürzhändler Bartholomae Dietrich, das Haus in Horn und machte später ein Gasthaus daraus.

Bartholomae Dietrich ist der Ur-Ur-Großvater von Verena Amann. Dessen Nachfahre Jacob Dietrich hat den Hirschen in Horn um 1921 verkauft. Nach drei Generationen der Familie Dietrich stand kein Erbe mehr für den Betrieb des Wirtshaus bereit: "Ein Sohn ist im Ersten Weltkrieg gefallen, danach haben sie das Anwesen verkauft", berichtet Verena Amann von den Überlieferungen aus ihrer Familie. Ein Umstand, der bei ihrer Hochzeit mit Karl Amann vor 37 Jahren keine Rolle gespielt habe und nicht einmal eine Erwähnung fand. Ihr selbst sei die Geschichte erst spät zugetragen worden: "Ich war schon zehn Jahre mit Karl verheiratet, da habe ich erst erfahren, dass meiner Familie das Gasthaus einmal gehört hat."

Der Schweizer August Ruggli aus Graubünden, der Großvater von Karl Amann, kaufte den Hirschen in den Zwanzigerjahren. Ruggli habe zwar ursprünglich ein Gasthaus auf der Reichenau im Auge gehabt, "dann hat ihm der Hirschen in Horn aber besser gefallen", berichtet Karl Amann aus seiner Familiengeschichte. Sein Großvater muss ein Unternehmer mit guten Nerven gewesen sein, den auch ein Missgeschick nicht so schnell aus der Bahn warf. Nach dem Weißen Sonntag 1927 brannte der Hirschen ab. Beim Räuchern des Specks soll sich ein Feuer entzündet haben, das auf das ganze Gebäude übergriff. Schon ein Jahr später, am Ostersamstag 1928 eröffnete der neue Hirschen. "Mit 13 Doppelzimmern, einem Bad und fließend warmen und kaltem Wasser auf jedem Zimmer." Für damalige Verhältnisse eine Sensation, glaubt Karle Amann.

Die Hirschen-Familie Amann vor dem Gasthaus in Horn (von links): Verena, Emil, Sebastian und Nina, Martin, Maria mit Matilda im Kinderwagen und Karl Amann. Bild: Georg Becker
Die Hirschen-Familie Amann vor dem Gasthaus in Horn (von links): Verena, Emil, Sebastian und Nina, Martin, Maria mit Matilda im Kinderwagen und Karl Amann. | Bild: Becker, Georg

Der Großvater habe den Betrieb bewusst auf den Fremdenverkehr ausgerichtet. 1936 sei zur Gastwirtschaft ein Gästehaus mit zwölf Doppelzimmern gebaut worden. "Horn war schon immer ein Ausflugsziel", auch Schweizer seien gern in den Hirschen gekommen, so Karl Amann. Der heutige Seniorchef hat nach der Übernahme des Betriebs 1980 zusammen mit seiner Frau Verena diese Ausrichtung weiterverfolgt. Heute bietet der Hirschen 120 Betten in verschiedenen Häusern an, hat 180 Plätze im Restaurant und noch einmal 200 Gartenplätze, 84 Mitarbeiter sind fest angestellt. Das verlangt Umsatz. "Von den Einheimischen könnten wir nicht überleben", sagt Verena Amann.

Eigentlich wollte Verena Amann nach der Schule in den Öffentlichen Dienst gehen, eigentlich sollte Karl Amann "eine gestandene Wirtin heiraten". Diese Ausbildung holte Verena Amann vor der Hochzeit 1980 in der Hotelfachschule Bad Wiessee nach. Jetzt sind Verena und Karl Amann 37 Jahre verheiratet und ihre beiden Söhne sind als siebte Generation bereits in den Betrieb eingestiegen. Sebastian Amann ist wie Vater Karl Metzgermeister und kümmert sich mit seiner Frau Nina um das Gasthaus, Martin Amann leitet als ausgebildeter Betriebswirt den Hotelbetrieb und seine Frau Maria sorgt sich als Restaurantleiterin in der Unterseestube um die Hirschengäste. Beide Familien haben auch schon Kinder, Sebastian und Matilda schnuppern in der achten Generation in Horn die Hirschen-Luft.

Der Hirschen und Horn

Das Gasthaus Hirschen in Horn steht für Expansion und touristisches ­Unternehmertum seit Ende der ­Zwanzigerjahre des vorigen Jahrhunderts. Der Aufschwung des Gasthauses zu einem Fremdenverkehrsbetrieb stieß auch in früheren Zeiten im Ort immer wieder auf Kritik, brachte aber auf der anderen Seite zusätzliche Erwerbsmöglichkeiten für die Region. ­Verena Amann, die wie ihr Mann Karl in Horn aufgewachsen ist, betont, dass sie aus ihrer Sicht mit allen ­Einheimischen und Nachbarn ein ­gutes Verhältnis ­pflegen. Als Unternehmerin nimmt sie ­Kritik sportlich: „Wenn man was macht, hat man auch Widerstände.“

 

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