Bei den Heufressern ist der Babyboom ausgebrochen. Beim Bunten Abend der Horner Narrenzunft sagte eine ganze Abteilung ihren Auftritt wegen prallrunder Schwangerschaft ab. Der Narrensamen zählt mittlerweile zu einer der größten Abteilungen der Zunft. Die Heufresser zeigten sich in der ausverkauften Höri-Halle humorvoll fruchtbar und lieferten den mehr als 400 Besuchern ein Programm mit großem Showpotential. Sebastian Amann debütierte gekonnt als neuer Präsident. Die guten Beziehungen zum Untersee ließen viele Gäste der großen Narrenzünfte aus Radolfzell und von der Reichenau anreisen. Der Geschäftsführer des Reichenauer Verkehrsvereins und Gastredner Karl Wehrle persiflierte als täuschend echte Kopie des Horner Gastronomen Karl Amann dessen Bemühen um Expansion.

Die Jungnarren der Heufresser haben ein besonderes Gespür für den Showeffekt. Bereits im letzten Jahr fielen sie mit einer brillanten Inszenierung eines drei Meter hohen Schattentheaters auf. Und wer glaubte, dass Bingo ein langweiliges Lotteriespiel für Senioren sei, der irrt gewaltig. Denn es kommt darauf an, wie man die Zahlen für das Bingo ermittelt: Im Mittelpunkt stand Dirk Weiermann, auf dessen knallgelben Anzug die Zahlen für das Bingo notiert waren, die mit Wurfgeschossen ermittelt wurden. Im minutenlangen Handstand lief dem Narr der Kopf hochrot an, wobei mit mehreren Farbskalen-Paletten weitere Zahlen ermittelt wurden. Dirk Weiermann stand unter Strom oder hielt zitternd eine Dartscheibe für einen Pfeile werfenden Spieler empor, dessen Augen verbunden waren. Das grölend lachende Publikum schwankte zwischen Humor, Dramatik und Mitgefühl für das Opfer hin und her.

Petra Dawid telefonierte in ihrem brüllend komischen Sketsch so, wie ihr der Schnabel auf Alemannisch gewachsen ist. Für Zugezogene übersetzte Björn Willumeit das köstliche Gespräch ins Hochdeutsche. "Die Hose des Zunfthäs passt noch", klagt Petra Dawid: Doch sie sei nur a muggeseggele z'päp – also irgendwie zu eng. Das "Muggeseggele" ist eine im alemannischen Sprachraum scherzhaft gebrauchte, sehr kleine Universal-Einheit. Das Wort setze sich aus dem alemannischen Begriff für die Mücke (Mugg) und dem Wort Seggel, dem männlichen Zeugungsglied der Stubenfliege zusammen, erklärt Björn Willumeit dem lachendem Publikum: Wobei der Zusatz "-le" nochmals eine starke Herabsetzung der Größe darstellen würde. Für Menschen mit bildhaftem Vorstellungsvermögen erschließe sich ad hoc, dass es sich beim "Muggeseggele" um eine verschwindend geringe Maßeinheit handeln müsse. Im ersten Moment scheint es, dass das Alemannische etwas derb daherkommt. Doch Willumeit gelingt es vorzüglich, den bildhaften Charakter der Sprache aufzuschließen und den Alemannen als einen sehr humorvollen Mitmensch zu entlarven: "Schwätz kei Seich" würde wörtlich "Rede kein Urin" heißen. Wobei Seich nur auf den Wert des Gemeinten verweisen würde. Mit anderen Worten: Man könne das Gesagte ebenso die Toilette hinunterspülen.

 

Das Programm

"Der Kids Dance 2018" unter der Choreografie von Connie Heim und Nadja Graf mit 17 Kindern. "D'Angie isch wieder do" mit Angelika Willumeit. Die "Hornemer Integrationshilfe" mit Petra Davwid und Björn Willumeit. "Das Jungnarrenbingo" mit Maik Dahms, Claudio Freinek, Martin und Mathias Graf, Ben Höne, Denise Kieling, Lisa Riesner, Tobias Rosen und Dirk Weiermann. "S'Präsidentschaftsbüro" mit Sebastian Amann, Matthias Breyer und Martin Eickhoff. "Fünf mordslustige Witwen" mit Andreas und Joachim Bruttel, Thomas Graf, Harald Lang du Marco Weiermann sowie die "Mitternachts-Happy-Hour" mit Wolfgang Spetzke und Deniese Kiesling, Lisa Riestner und Sarah Karl.