Lange Zeit galten die Werke von Hermann Hesse in Fachkreisen nicht als die leichteste Kost. Im Gegenteil: Hesse eilte der Ruf voraus, nicht gerade zu den verständlichsten Vertretern der schreibenden Zunft zu zählen. Daraus macht auch die Leiterin des Hermann-Hesses-Museums in Gaienhofen, Ute Hübner, keinen Hehl. Doch der Literat erfährt derzeit eine Steigerung seiner Popularität – auch außerhalb des Fachpublikums. Ein Beispiel hierfür hat Hübner gleich parat: Hesses Steppenwolf ist in diesem Jahr zum ersten Mal Sternchenthema im schriftlichen Deutschabitur.

Museumsleiterin Ute Hübner hat eines der Exemplare von Hermann Hesses "Glasperlenspiel" in der Hand. Der Roman steht im Mittelpunkt der diesjährigen Hesse-Tage am 18. und 19. Mai im Hesse-Museum in Gaienhofen. Bild: Matthias Güntert
Museumsleiterin Ute Hübner hat eines der Exemplare von Hermann Hesses "Glasperlenspiel" in der Hand. Der Roman steht im Mittelpunkt der diesjährigen Hesse-Tage am 18. und 19. Mai im Hesse-Museum in Gaienhofen. | Bild: Hesse Erben

Eines der eher rätselhaften Werke von Hesse ist sein Glasperlenspiel. Auch von der Literaturwissenschaft wird der Roman des Nobelpreisträgers höchst widersprüchlich wahrgenommen. Der Roman steht im Zentrum der diesjährigen Hesse-Tage vom 18. bis 19. Mai im Hesse-Museum in Gaienhofen. Er ist auch Thema der derzeitigen Sonderausstellung "Ein Panzer gegen die hässliche Zeit", die seit März in der Kultureinrichtung auf der Höri zu sehen ist. "Das Glasperlenspiel ist ein vielschichtiger Roman, obwohl er nicht zu Hesses einfachsten zählt", räumt Ute Hübner ein.

Hesses ästhetischer Widerstand

Wie Hübner betont, habe sie 2018 im Literaturhaus in Berlin die von Lutz Dittrich konzipierte Ausstellung "Zwischen den Fronten. Der Glasperlenspieler Hermann Dietrich Hesse" angesehen und anschließend Kontakt mit dem Kurator aufgenommen. "Um mit ihm die Möglichkeiten einer Ausstellung in Gaienhofen zu besprechen", so Hübner weiter. Die Ausstellung in Gaienhofen fokussiert sich auf die Jahre 1933 bis 1947 und thematisiert mit bislang unbekanntem Material die Verflechtungen, die Hesse zwischen der Schweiz, den deutschen Emigranten und der Diktatur während der NS-Zeit in Deutschland buchstäblich zwischen die Fronten geraten ließ. Wie das gemeint ist: "Die Nationalsozialisten griffen Hesse aufgrund seiner Kritik am Regime an. Die Exilanten warfen ihm aber vor, dass er nicht laut genug gegen Hitler protestiert hatte", sagt Hübner. In einem Brief an den Schweizer Bildhauer Hermann Hubacher gibt Hesse dies sogar zu. Darin schreibt er: "Im Moment hält mich eine doppelte Hetze in Atmen." Ute Hübner beschreibt das Glasperlenspiel, das zwischen den Jahren 1932 und 1942 entstand, deshalb als ästhetischer Widerstand gegen die Nationalsozialisten.

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Die Ausstellung im Hesse-Museum in Gaienhofen umfasst neben literarischen und historischen Dokumenten, Film- und Hörstationen. Mit ihrer Hilfe sollen die Zeitgeschichte aber auch der musikalische Horizont des Glasperlenspiels vergegenwärtigt werden. "Und das ist auch das Besondere der Ausstellung", sagt Hübner. So wird es etwa einen Musikthemenabend am Samstag, 18. Mai, um 20.30 Uhr im Bürgerhaus geben, bei dem Klaus Schulten am Cembalo am die Lesung von Michael Speer begleiten wird.

Nicht nur für Fachpublikum

Eines ist Hübner im Vorfeld der Hermann-Hesse-Tage aber besonders wichtig zu betonen: Auch wenn es sich um eine Vortragsreihe handelt, zielen die Veranstaltungen nicht nur auf Fachpublikum ab. "Wir haben eine Ausstellung geschaffen, die sowohl den Roman als auch die Person Hermann Hesse gut vermitteln kann", so Hübner. Als optischer Hingucker werden deshalb kleine Boccia-Bahnen als Bühne für die Unikate benutzt. Ganz im Sinne von Hermann Hesse, der selbst gerne zu seinen Bocciakugeln griff.

Vernissage und Karten: Die Hesse-Tage werden am 18. Mai, um 11 Uhr im Bürgerhaus mit dem Vortrag "Keine Zeit für Glasperlenspieler" von Jan-Pieter Barbian, Direktor der Stadtbibliothek Duisburg, eröffnet. Karten gibt es im Kultur- und Gästebüro, unter (0 77 35) 99 99 20 0 oder per Mail an info@gaienhofen.de . Das komplette Programm findet sich unter www.hesse-museum-gaienhofen.de