Die Generalprobe ist geglückt. Das Kammerorchester Bodensee trat vor rund 250 Besuchern in der Hörihalle in Gaienhofen auf und erhielt langen Applaus. Auf dem Programm in diesem Jahr: Die Konzertouvertüre „Die Hebriden“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy, das Konzertstück für vier Hörner von Robert Schumann und die zweite Sinfonie von Ludwig van Beethoven.

Die Ouvertüre, die Bartholdy, beeindruckt von den Hebriden, einer an der Nordwestküste Schottlands gelegenen Inselgruppe, geschrieben hat, ist ein zauberhafter Einstieg in das Konzert. Aufwallende, dramatische und ruhige, traumhafte Passagen wechseln einander ab. Ein Klangerlebnis, das die schroffen Felsformationen und sanfte, hügelige Landschaften vor dem geistigen Auge lebendig werden lässt.

Vier Hornisten bestreiten die Solopartie

Einen ganz anderen Charakter hat das zweite Konzertstück, Robert Schumanns Konzert für vier Hörner. Daniel Loipold, Hana Hockauf, Joachim Pfannschmidt und Marlene Pschorr spielen das Hornquartett und meistern sowohl das anspruchsvolle Zusammenspiel von hohen und tiefen Stimmen als auch die Harmonie mit dem Orchester. Den Höhepunkt stellt die zweite Sinfonie Beethovens dar, die bei ihrer Uraufführung 1803 in Wien teilweise vernichtende Kritiken erfuhr. Zu lang für den damaligen Geschmack ist vor allem der zweite langsame Satz. Beethoven hat die Sinfonie in seinem Sommerurlaub in Heiligenstadt, einer kleinen Stadt unweit von Wien, komponiert. Auf ein lebendig hüpfendes Scherzo folgt der vierte rasche Satz, den Wittich mit vollem Körpereinsatz dirigierend zu einem furiosen Ende führt.

Marlene Pschorr, Joachim Pfannschmidt, Hana Hockauf und Daniel Loipold spielten die vier Hörner in Robert Schumanns Konzertstück.
Marlene Pschorr, Joachim Pfannschmidt, Hana Hockauf und Daniel Loipold spielten die vier Hörner in Robert Schumanns Konzertstück. | Bild: Natalie Reiser

Bis auf einige Feinheiten sei er zufrieden, erzählt der Dirigent nach der Probe. „Daran feilen wir morgen noch einmal“, meint Wittich, der das Orchester nun seit 17 Jahren leitet. Im Jahr 2002 gründete er das Kammerorchester Bodensee. Seitdem trifft es sich zu einer Probenwoche auf der Höri, bevor die Konzerte in Überlingen und Singen gegeben werden.

Elisabeth und Wolfgang Zander, passionierte Musikliebhaber, empfingen im Gründungsjahr die damals 27 Musiker in ihrem Haus und so halten sie es bis heute. Ihr Enkel spielt in diesem Jahr ebenfalls im Orchester mit. Etwa 30 Prozent der Musiker stoßen in jedem Jahr neu dazu. Nachdem die Anzahl der Musiker auf etwa 50 gestiegen ist, kommen einige in Ferienwohnungen unter.

Es wird gemeinsam gekocht und gegessen

Ein Gemeinschaftserlebnis bleibe die Probenwoche trotzdem, erzählt der Dirigent weiter. Die Proben finden in der Hörihalle statt. Gemeinsam gekocht und gegessen wird in der Schulküche gegenüber. Für die Unterkunftsmöglichkeiten sei das Orchester der Familie Zander und der Gemeinde sehr dankbar, wendet Wittich sich ans Publikum: „Ohne diese Unterstützung wären die Konzerte in dieser Form nicht möglich.“ Überraschend gibt es sogar ein kleines Extra zur Generalprobe: Die vier Hörner spielen „Bohemian Rhapsody“, passend zum Film über Freddie Mercury, der im Frühjahr in den Kinos lief.