Zwar gibt es nach Aussage von Ärzten auf der Höri keinen Grund zur Panik anlässlich der durch den Covid-19 verursachten Corona-Pandemie. Dennoch müsse man die aktuelle Situation ernst nehmen. Jürgen Mäder betreibt eine hausärztliche Praxis in Gaienhofen, und Michael Otto ist Allgemeinmediziner in Öhningen. Er sagt: „Einen Großteil der Anrufe erhalten wir von Patienten, die angesichts der vielen Informationen sehr verunsichert sind.“ Da werde oft schon hinter einem leichten Husten oder einer Erkältung ohne Fieber eine Corona-Infektion vermutet, obwohl andere schwerwiegendere Symptome fehlen. „Hier versuche ich, auf die Patienten beruhigend einzuwirken“, sagt Otto.

Dennoch gibt es Probleme. Den Arztpraxen im Landkreis gehen ihre Vorräte an Desinfektionsmitteln, Einweghandschuhen und Gesichtsmasken aus. Nachschub ist nur schwer erhältlich. Jürgen Mäder schildert, dass, nachdem im ärztlichen Fachhandel keine geeigneten Gesichtsmasken mehr erhältlich waren, er es in Internetshops versucht habe: „Die Angebote haben für mich etwas Betrügerisches.“ Viel zu lange Lieferzeiten und überhöhte Transportkosten – so stellt es Mäder dar. „Als ich dann einen 24-stündigen Notdienst für die Höri und Radolfzell gehabt habe und nicht über genügend Vorräte von Mitteln für den Schutz meiner Patienten und mich verfügte, habe ich das Gesundheitsamt des Landkreises darüber informiert“, schildert Jürgen Mäder. Dort habe man das Problem zwar sehr ernst genommen, aber eine Lösung hätte man ihm nicht anbieten können.

So sieht eine Video-Sprechstunde bei Jürgen Mäder aus: kein direkter Kontakt zum Patienten, aber die Versorgung gewährleistet.
So sieht eine Video-Sprechstunde bei Jürgen Mäder aus: kein direkter Kontakt zum Patienten, aber die Versorgung gewährleistet. | Bild: Michael Jahnke

Das sei ein grundsätzliche Problem, so Mäder. Die Gesundheitsämter, die Verwaltungen und die politischen Institutionen würden mit ihren Handlungen seiner Meinung nach rund zwei Wochen hinterherhinken. Obwohl Jürgen Mäder es nicht sagt: Hinter diesen Aussagen steckt eindeutige Kritik. Das deutsche Gesundheitssystem ist in der Vergangenheit so auf Wirtschaftlichkeit getrimmt worden, so auf Kante genäht, dass es jetzt schnell an seine Grenzen stößt. Man sei, so schildert es Mäder, als Arzt neben der starken Belastung nun auch zu ungewöhnlichen Maßnahmen und Kreativität aufgefordert. Wenn Desinfektionsmittel vorübergehend nicht lieferbar seien, müsse man sich etwas überlegen.

Michael Otto erklärt: „Hauptbestandteil von Desinfektionsmittel ist hochprozentiger Alkohol. Ich habe inzwischen ein Angebot einer Brennerei erhalten.“ Nicht ganz optimal, aber immer noch besser als kein Desinfektionsmittel. Jürgen Mäder befürchtet, dass der Alkoholgehalt der Brennereien nicht hoch genug sei. Es könne sich also nur um ein Nebenprodukt handeln. Ob die Herstellung und die damit verbundene Menge dieses Nebenproduktes den Bedarf abdecken könne, um für Monate als Hygiene-Mittel aushelfen zu können, sei in seinen Augen fraglich.

Video-Sprechstunde als Alternative

Mäder setzt daher auf einen anderen Weg: so wenig direkter Kontakt zu seinen Patienten wie möglich. Seit dem Wochenende hat er deshalb eine Video-Sprechstunde eingerichtet. Was sich zunächst einmal gut anhört, stellt Patienten und die Praxismitarbeiter vor neue Aufgaben. Jürgen Mäder erläutert: „Durch die neue Datenschutzgrundverordnung haben wir in der Vergangenheit uns von jedem Patienten eine Einverständniserklärung unterschreiben lassen müssen. Wenn wir jetzt eine Video-Sprechstunde einführen, ist das zwar für die Verringerung des Infektionsrisikos ein wichtiges Instrument, es bedeutet aber auch, dass jeder Patient nochmals eine Erklärung abgeben muss.“ Dies ist eine Forderungen der Krankenkassen. Erst wenn diese Erklärung vorliege, könne ein Zugang zu einem Computer-Programm erstellt werden und eine Video-Sitzung stattfinden. Nur dieses Programm garantiere eine Datenverschlüsselung und sei abhörsicher, sagt Mäder.