Gaienhofen – „Wir bauen nicht, um mehr Schüler zu bekommen. Wir bauen, um unsere pädagogischen Ideen zu verwirklichen“, freut sich der Leiter der Schlossschule Gaienhofen bei der Vorstellung des neuen Unterstufenbaus. „Unser Konzept braucht Raum.“, erklärt Dieter Toder den Neubau für die Fünft- und Sechstklässler. Der großzügige Bau ermöglicht in einer lichtdurchfluteten Umgebung das Konzept individualisierten Lernens und verbindet deutlich mehr Fläche pro Schüler für ein konzentriertes Lernen. Der Neubau kostete inklusiv Ausstattung und Außenanlage rund 3,75 Millionen Euro. Er wurde innerhalb von 17 Monaten errichtet und mit modernen Kommunikationsmitteln ausgestattet. Am Samstag, den 23. März 2019 feiert die Schlossschule Gaienhofen die offizielle Einweihung, zu der jeder geladen ist. Schulleiter Dieter Toder und der Architekt Jochen Poth erfuhren bereits von den Eltern neuer Fünftklässler sowie bei der Bauabnahme des neuen Gebäudes durch das Landratsamt eine besondere Wertschätzung: „Jetzt würde ich gerne wieder in die Schule gehen“, so die ersten spontanen Resonanzen zum Neubau der Unterstufe.Die Evangelische Schlossschule wurde von Bauhaus-Architekt Hermann Blomeier in den 1960er Jahren erbaut. Die Klinkerfassade der weiträumigen Anlage ist ein Identitätsmerkmal der Schule und besonders pflegeleicht. Das bauliche Merkmal wurde auch für die Fassade des neuen Unterstufenbaus übernommen. Im Innenbereich eröffnet sich jedoch ein ganz neuer Typus an Schulbauten. Das Gebäude ist an die Anforderungen eines individualisierten Lernens mit mehr Raum für die Schüler angepasst. Bereits beim Zutritt in das neue Gebäude fällt die Helligkeit des Flurs auf. Vom Dach aus wird der Flur im Erdgeschoss über einen Lichtschacht mit Tageslicht versorgt. Im Obergeschoss fungieren die Schächte als Säulen, die weiß angestrichen wurden. Der metallhaltige Anstrich ermöglicht den Schülern Mitteilungen und Bilder litfasssäulenartig mit Magneten an die Säulen zu befestigen. Die Lernräume haben Fenster zum Flur und ermöglichen eine Einsicht auf alle Zimmer in der Etage. Akustikdecken gestatten ein ruhiges Sprechen und konzentriertes Zuhören.

Pro Stunde verbraucht ein Schüler rund 30 Kubikmeter an Sauerstoff. Bereits nach einer halben Stunde wäre der Sauerstoff aufgebraucht. Eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung transportiert ständig Frischluft in die Räume.

Digitalisierung und Individualisierung

Seit 2014 findet in der Evangelischen Schlossschule Gaienhofen die Digitalisierung des schulischen Alltags und des Unterrichts statt. „Die Schule ist digital ausgestattet. Nicht mit Smartboards, sondern – und das ist uns ganz wichtig – mit mobilen Endgeräten“, betont Schulleiter Dieter Toder: Das sei eine ganz andere Ausrichtung. Mit Smartboards wird der Unterricht wie gewohnt lehrerzentriert auf eine Tafel projiziert, erklärt der Schulleiter: In der Schlossschule haben die Schüler jedoch ein IPad zur Hand. Das mobile Endgerät ist Teil des individualisierten Lernens. Mit einem weiteren Effekt: „Dadurch findet eine Demokratisierung des Unterrichts statt“, erläutert der stellvertretende Schulleiter, Gunnar Horn: Mit einem Smartboard hätten Lehrer eine Art Herrschaftswissen. Sie kennen die Technik der elektronischen Tafel und können ihren Unterricht auf die Wand projizieren. Mit einem IPad können Schüler hingegen zeitgleich Wissen für alle verfügbar machen, das sei bereits Alltag. Mit dieser Form des individualisierten Unterrichts ist die Schule Vorreiter. Das Konzept wurde in Kooperation mit den Eltern entwickelt.

„Die Digitalisierung mit den neuen Medien kann man nicht mehr rückgängig machen. Aber man kann den richtigen Umgang mit ihnen lernen“, so Architekt Jochen Poth. Der Unterstufenbau der evangelischen Schlossschule folgt dabei den aktuellen Empfehlungen für das individualisierte Lernen in einer digitalisierten Welt. Mit weitreichenden Konsequenzen für die Architektur: „Weg vom Frontalunterricht, hin zum individualisierten Lernen“, so das Credo. Für den Schulalltag bedeutet das eine neue Ausrichtung der Lernangebots mit Frontalunterricht und mit Gruppen- und Einzelarbeit zu gleichen Anteilen sowie eine neue Form der Schularchitektur, die genau das ermöglicht. „Für das Konzept des individualisierten Lernens muss für die Schüler mehr Fläche zur Verfügung gestellt werden“, erläutert der Architekt. Schulleiter Toder spricht dabei von einer „Lernlandschaft“ kombiniert aus hellen Zimmern mit Sichtachsen zu anderen Räumen, bei dem der Flur ebenso eine pädagogische Rolle spielt wie ein Forum mit einer variabel einsetzbaren Wand. Für die verschieden Unterrichtsarten braucht man ebenso eine moderne Technik, bei denen Schüler ihre Arbeitsergebnisse von ihren mobilen Geräten via Airplay und Beamer anderen Schülern vorstellen können. Angefangen vom bereits 2012 eingeweihten Lern- und Medienhaus setzt die Schlossschule Gaienhofen das Prinzip des individualisierten Lernens in der gesamten Schule konsequent um – vom Medienhaus mit seinem zentralen Seminar- und Differenzierungsräumen über den neuen Unterstufenbau bis hin zur Sanierung der Mittelstufe, die Mitte diesen Jahres angegriffen wird.

Feier

Am Samstag, 23. März, feiert die Evangelische Schlossschule Gaienhofen um 10.30 Uhr die Einweihung ihres neuen Unterstufenbaus mit einem Gottesdienst. Gegen 11.15 Uhr richten im Neubau die Schulstiftung, Bürgermeister Uwe Eisch, der Rektor und der Architekt Grußworte an die Gäste. Die Minikantorei begleitet den Gottesdienst sowie den Festakt im Neubau. Die Schule gibt Einblicke zur Pädagogik und Planung der Architektur individualisierten Lernens. Schüler bereiten für Besucher eine Kunstaktion vor. Ganz im Sinne einer digitalisierten Schule bekommen die Gäste einen Zugangscode für das Intranet der Schlossschule. Mit ihren eigenen Smartphones haben Besucher die Möglichkeit. Gruß- und Segensworte an die Schule zu richten, die parallel zu den Reden an die Wand projiziert werden.