Kein leichtes Unterfangen, eine mehrere zehntausend Briefe umfassende Korrespondenz zu sichten, einzuordnen, zu reflektieren. Einen Teil davon hat Volker Michels bearbeitet und eine gut einstündige Konzeption für eine Lesung entworfen. Die Freundschaft zwischen Thomas Mann und Hermann Hesse war das Thema der Lesung mit dem Titel „Spitzbübischer Spötter und treuherzige Nachtigall“ im Rahmen der Ausstellung „Die Manns am Bodensee“ im Hesse-Museum (bis 16. September, dienstags bis sonntags, 10 bis 17 Uhr).

Schauspieler-Trio beeindruckt

Im lebendigen Vortrag, mit informativen Zwischentexten, von der Schauspielerin Graziella Rossi gelesen, schlüpften die Schauspieler Helmut Vogel als Thomas Mann und René Ander-Huber als Hermann Hesse in die Rollen der beiden Autoren. Beide Literaten mussten vorzeitig das Gymnasium verlassen, in beiden wirkte die frühe Verletzung lange nach. 1904 trafen sie sich bei ihrem Verleger das erste Mal. Sie schätzten einander, nicht ohne auch kritische Töne am Werk des anderen zu äußern.

Die Schriftsteller und ihre Haltung zum Krieg

Man möchte etwas lesen, bei dem er nicht an den Leser denke, warf Hesse Thomas Mann vor. Als der Erste Weltkrieg losbrach, positionierte sich Hesse klar, schrieb in der Satirezeitschrift „Simplicissimus“ 1914 seinen Aufruf gegen den Krieg („O Freunde, nicht diese Töne“) und verließ Deutschland. Er erkrankte, musste sich einer Psychoanalyse unterziehen und schrieb unter dem Pseudonym Emil Sinclair seinen „Demian“.

Erika Mann spricht von Brüdern im Geiste

Thomas Mann rätselte, wer der Verfasser ist, verglich das Buch lobend mit Goethes „Die Leiden des jungen Werther“. Als der Zweite Weltkrieg bevorstand, kehrte auch Mann Deutschland den Rücken. Er besuchte Hesse in seinem Domizil in Montagnola und schlug den „Bruder im Geiste“ (Erika Mann), für den Nobelpreis vor. Ihre Romane „Dr. Faustus“ und „Das Glasperlenspiel“ empfand Thomas Mann „brüderlich verwandt“. Beide wehrten sich vehement, gegeneinander ausgespielt zu werden, wie es Medien und fanatische Leser versuchten. Nach Manns Tod 1955 schrieb Hermann Hesse einen bewegenden Nachruf in der Züricher Zeitung