Sie ist ein sehr attraktives Gemüse und ihre Stacheln kommen nicht von ungefähr, denn die Artischocke gehört zu den Distelgewächsen. Sie ist im Orient und rund ums Mittelmeer beheimatet. Araber verpflanzten sie im 13. Jahrhundert nach Spanien und Sizilien. Sie kam über Neapel nach Florenz, erschien 1473 in Venedig, ging Anfang des 16. Jahrhunderts über die Alpen nach Frankreich. In Deutschland wurde die Artischocke schon um 1540 in Ulm und Augsburg kultiviert und befand sich 1565 unter den Besonderheiten des Stuttgarter Lustgartens. In Frankreich war sie bald eine Speise der vornehmen Bürger und des Adels. Außerdem wurde das damals noch neue Gemüse als wirkungsvolle Medizin vor allem für alte Leute sowie für melancholische und phlegmatische Menschen verabreicht.

Artischocken sind nicht nur bekömmlich, sie schmecken auch sehr gut. In Italien und Spanien, zum Teil auch in Frankreich wurden und werden sie noch heute angebaut und gelten regional als ein Volksnahrungsmittel. Man isst von der Artischocke den ganzen Blütenkopf mit den äußeren Hüllblättern und genießt bevorzugt den – durch die Kultur vergrößerten – Blütenboden, den sogenannten Stuhl, und zwar abgekocht mit Essig und Öl als Salat oder in Butter geschmort mit einer einfachen Sauce als Gemüse.

Ideales Gemüse für geduldige Genießer

Es gibt verschiedene Sorten, davon wachsen die größten Exemplare in der Bretagne. Diese sind abgekocht eine wunderbare Vorspeise, wenn sie mit Sauce hollandaise oder Vinaigrette auf den Tisch kommen. Die kleinen, für die italienische Zubereitungsart idealen Sorten werden in Scheiben geschnitten und in Fett schwimmend ausgebacken oder man mischt sie unter ein Reisgericht. Beim Artischockenessen gibt es übrigens viel Abfall. Man isst die fleischigen Teile der äußeren Blätter, indem man sie abzupft und mit den Zähnen ausstreift, und sich so zum delikaten Stuhl vorarbeitet. Artischocken werden nicht nur für den Feinschmecker feilgeboten, sondern ein großer Teil wird vergoren und destilliert und ist dann die bewährte Basis für Kräuterliköre und Magentropfen. Mancher Leber- und Gallengeplagte hat schon deren heilsame Wirkung erfahren dürfen.

 

So wird’s gemacht

Artischockenreis aus Apulien: 8 kleine zarte Artischocken putzen, äußere Blätter entfernen, die harten Spitzen der übrigen Blätter abschneiden. In einer Schüssel kaltes Wasser mit dem Saft einer Zitrone mischen, geputzte Artischocken sofort hineinlegen. Backofen auf 200°C vorheizen. 1 Bund glatte Petersilie und 2 Knoblauchzehen fein hacken, einige Minzeblätter in feine Streifen schneiden. Alles mit der abgeriebenen Schale einer Zitrone mischen. 250 g Reis in einen großen Topf schütten, die Artischocken abtropfen lassen und nebeneinander auf den Reis setzen. Mit dem Kräutergemisch bestreuen, salzen und pfeffern, mit 4 EL Olivenöl beträufeln. 3/4 l heiße Hühnerbrühe angießen, den Topf zudecken und in den vorgeheizten Ofen schieben. Etwa 25 Minuten garen, bis der Reis bißfest ist. Nach Bedarf noch mehr Brühe oder heißes Wasser angießen. Das fertige Gericht mit frisch geriebenem Parmesan bestreuen und gleich servieren.