Weg vom Klassenzimmer, hin zur Lernlandschaft – mit dem neu errichteten Unterstufenbau an der Schlossschule Gaienhofen verwirklicht die evangelische Schule ihr Konzept des individualisierten Lernens. Der Neubau vereinigt in einer lichtdurchflutenden Umgebung deutlich mehr Fläche für die Schüler. Das Gebäude kombiniert auf zwei Etagen großzügige, helle Zimmer mit Sichtachsen zu den anderen Räumen, bei dem auch der Flur eine pädagogische Rolle spielt. Der Bau wurde innerhalb von 17 Monate errichtet. An ihm beteiligten sich 52 Firmen. Die Baukosten betrugen rund 3,75 Millionen Euro. Bei der offiziellen Einweihung des Unterstufenbaus durchschritten mehr als 300 Besucher ein Kunstwerk von Harald Björnsgard und Antonio Zecca, das den menschlichen Studien von Leonardo da Vinci nachempfunden war.

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Die Schlossschule Gaienhofen orientiere sich mit ihrer Pädagogik am Konstruktivismus und an der Erkenntnis, dass das Lernen ein aktiver und individuell unterschiedlich kreativer Prozess sei, so Direktor Dieter Toder in seiner Festrede: „Das hatte auch Auswirkungen auf die Architektur und auf die Raumgestaltung des neuen Gebäudes.“ Die Rolle des Lehrers sei nicht mehr nur der eines Vermittlers von Wissen, er sei gleichzeitig Lernbegleiter für die Schüler, die ihren Lernweg eigenverantwortlich gestalten sollen. „Diese Veränderung im Bildungssystem brauchte auch eine Anpassung der Unterrichtsräume“, erklärte Schulleiter Toder.

Rund 300 Besucher erlebten die Lernlandschaft des neuen Unterstufenbaus an der Schlossschule Gaienhofen. Bilder: Georg Lange
Rund 300 Besucher erlebten die Lernlandschaft des neuen Unterstufenbaus an der Schlossschule Gaienhofen. Bilder: Georg Lange

Die Landtagsabgeordnete Nese Erikli, verfolgt seit Jahren die Entwicklung der Schule und nahm auch Stellung zu Ereignissen auf der Bundesebene: „Hier werden junge Menschen auf ihr Leben vorbereitet. Sie sollen Verantwortung und Gemeinschaftsgefühl übernehmen, verbunden mit der Vermittlung von christlichen Werten.“ Die Schule habe die Zukunft fest im Blick, so ihr Urteil: Sie meistere den Spagat aus Geschichte und Zukunft, aus Tradition in Kombination mit modernen Methoden. Ziel sei es, junge Menschen zu selbstbewussten Mitgliedern der Gemeinschaft entwickeln zu lassen, die bereit seien Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen. Lange Zeit habe man der jungen Generation vorgeworfen unpolitisch zu sein und sich nicht zu engagieren, so Erikli: Nun demonstrieren jeden Freitag tausende Schüler für ihre eigene Zukunft und der Erhaltung ihrer Lebensgrundlagen. Augenzwinkernd wendete sie sich an das Auditorium: „Wenn wir die Kinder zur Eigenverantwortung ermuntern, so müssen wir auch die Konsequenzen aushalten können“, kommentierte sie die Kritik an den bundesweiten Demonstrationen.

Der neue Unterstufenbau der evangelischen Schlossschule Gaienhofen kostete 3,75 Millionen Euro inklusive Ausstattung und Außenanlage.
Der neue Unterstufenbau der evangelischen Schlossschule Gaienhofen kostete 3,75 Millionen Euro inklusive Ausstattung und Außenanlage.

Gaienhofens Bürgermeister Uwe Eisch zeigte sich beeindruckt vom neuen Bau: „Er ist mehr als gelungen." Die Gemeinde sei stolz, dass die Schule am Standort Gaienhofen ist. Die Versorgung der Schule mit dem Internetbreitband soll zügiger voranschreiten, versprach Eisch: Die Gemeinde habe einen weiteren Bautrupp beauftragt, damit die Versorgung schneller vorankomme. Die Gemeinde hat das ehemalige Internat der evangelischen Schlossschule erworben und zum Rathaus umgebaut. Mit Blick auf den Unterstufenbau scherzte Eisch zum Abschluss: „Ich hoffe nicht, dass dieses Gebäude zum neuen Rathaus von Gaienhofen wird.“