Ganz so radikal wie die Organisatoren des Liggeringer Damenkaffees wollen die Gaienhofener Hägelisaier nicht sein. Bei ihrer ersten Höriweiber-Fasnet am Rosenmontag, 12. Februar, sind, anders als in Liggeringen, Männer nicht nur hinter der Bar und bei der Bewirtung anzutreffen. Sie dürfen auch als normale Gäste rein. Und da während der Fasnacht das Wort "normal" einen neuen Interpretationsspielraum zulässt, heißt in dem Fall, Männer dürfen als normale Gäste rein, wenn sie wie eine Frau verkleidet sind. "Wir haben so tolle Männer hier, die sollen mitfeiern dürfen", erklärt Vorsitzende Corinna Blondtzik-Burgo. Wer sein Frauen-Häs vergisst, der kann sich aus einer Fasnachtskiste am Eingang sein passendes Accessoire für den Mittag zulegen. Doch es lohne sich, sich etwas mehr Mühe bei der Verkleidung zu geben, rät die Hägelisaier-Vorsitzende: Das beste Häs wird prämiert und es locken tolle Preise.

Vorsitzende Corinna Blondzik-Burgo als "Gago von Hofen". Bild: Schneider
Vorsitzende Corinna Blondzik-Burgo als "Gago von Hofen". Bild: Schneider

Die Idee zur Höriweiber-Fasnet war mehr aus der Langeweile am Vormittag des Rosenmontags geboren. Corinna Blondzik-Burgo hatte sich jahrelang diesen Tag freigehalten, um einmal – ganz ohne die repräsentativen Verpflichtungen als Vereins-Vorsitzende – privat mit ihren Freunden die Fasnacht zu feiern. Nun stand sie vor zwei Problemen: Sie wollte gerne schon mittags los und sie würde gerne auf der Höri bleiben. "Wieso wegfahren, wenn man auch hier feiern kann?", fragte sie sich. So entstand die Idee, dass auch die Hägelisaier nach jahrelanger Abstinenz wieder eine eigen größere Veranstaltung auf die Beine stellen. "Früher gab es den Bürgerball am Fasnachtssonntag, aber das ist viele Jahre her", erinnert sich Corinna Blondzik-Burgo.

Nun ist die Zunft-Vorsitzende zwar ihren freien Tag los, aber die Vorfreude auf die Höriweiber-Fasnet steigt. "Wir wissen nicht was uns erwartet, wie viele kommen werden, ob es überhaupt angenommen wird", sagt sie aufgeregt. Aber eingeladen sind alle Hörianer. Bewusst habe man die Feier, die um 12 Uhr im AD Saal beginnt, Höriweiber-Fasnet genannt. Eine mögliche Konkurrenz zum närrischen Kaffeeklatsch der Mooser Rettiche am Rosenmontag ab 15 Uhr im Bürgerhaus sieht sie nur bedingt. "Wir fangen bewusst schon früher an und ich hoffe, dass wir da ganz gut miteinander auskommen", sagt Corinna Blondzik-Burgo. Für die Vorsitzende der Hägelisaier ist ein gutes Miteinander auf der Höri wichtig. Gemeinsame Feiern oder Umzüge habe sie während ihrer Zeit als Vorsitzende immer vorangetrieben und befürwortet. "Gemeinsam ist es besser als einsam", so ihr Motto. Aus diesem Grund sei es auch eine Pflicht und ein Zeichen des Respekts, die Bunten Abende der Höri-Zünfte zu besuchen.

Hauptakteur der Höriweiber-Fasnet ist die Band Sanny und Sascha, die den ganzen Nachmittag bis abend für Partystimmung sorgen sollen. Die Holzhauer der Zunft, ein Männerballett aus Öhningen sowie die Kappegässler und die befreundete Guggenmusiker die Mühlengeister werden kurze Showeinlagen liefern. Da die Feier schon mittags beginnt, werde es ein ordentliches Mittagessen geben. Und wer noch vor 13 Uhr kommt, erhält zur Begrüßung ein Gläschen Sekt. In den AD-Saal der Schlossschule Gaienhofen passen rund 300 Leute. Mit 200 Besuchern wäre Corinna Blondzik-Burgo bereits überglücklich. Bewusst habe man auch der Veranstaltung kein Ende gesetzt. "Wir lassen alles auf uns zukommen und schauen, wie es sich entwickelt", sagt sie.

2019 wartet Jubiläum

  • Die erste Höriweiber-Fasnet der Gaienhofener Hägelisaier findet am Rosenmontag, 12. Februar, ab 12 Uhr im AD Saal in Gaienhofen statt. Einlass haben Frauen und Männer, die als Frauen verkleidet sind. Der Eintritt beträgt fünf Euro.
  • Im kommenden Jahr feiern die Hägelisaier ihr 60-jähriges Bestehen. Corinna Blondzik-Burgo macht sich bereits jetzt Gedanken, wie man dieses Jubiläum feiern könnte, denn sie möchte eine besondere und vor allem ungewöhnliche Fasnachtsfeier veranstalter.