Der Verein Hilfe von Haus zu Haus feiert sein 15-jähriges Bestehen und blickte in seiner Jahresversammlung auf ein tatkräftiges Jahr zurück. Obwohl die Regierungskoalitionen von Bund und Land oftmals betonen, das Ehrenamt stärken zu wollen, so empfinden die Aktiven die Realität oft anders: Verordnungen erschwerten die Arbeit im Ehrenamt zunehmend, machte die Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe, Maria Hensler, deutlich und stellte Forderungen an die Politik: "Wir brauchen Freiräume um Neues auszuprobieren. Und fließende Übergänge anstelle von fest zementierten Vorgaben."

"Einfach für andere da sein"

Die Nachbarschaftshilfe hat in Baden-Württemberg bereits in 60 Gemeinden Nachahmer gefunden. Fachleute sprechen vom "Gaienhofener Modell". Das Vereinsmotto: "Einfach für andere da sein, mit viel Liebe und Verständnis", erläutert Hensler.

Der Verein organisiert Alltagshilfen für Bürger der Höri und unterstützt Menschen mit Beeinträchtigungen jenseits professionell angebotener Pflege. Er hilft im Haushalt, übernimmt Einkäufe, begleitet Menschen zu Behörden oder Ärzten. Er unterstützt Familien mit Kinderbetreuung und Schüler mit monatlich 1700 Essen. Die meisten Einsätze gibt es in Gaienhofen. Öhningen hatte mehr Nachfragen als im Vorjahr.

95 Helfer engagieren sich auf der Höri

Der Verein hat 381 Mitglieder und kann auf 95 Helfer zurückgreifen. Seit der Gründung vor 15 Jahren stiegen die jährlich geleisteten Einsatzstunden von 1360 auf 18 480 an. Der Fahrdienst wurde im Jahr 2003 noch für 240 gefahrene Kilometer in Anspruch genommen. Im vergangenen Jahr waren es 40 230. Im Vergleich zu 2016 war das ein Anstieg um 40 Prozent. Helfer begleiteten mit Fahrdiensten beispielsweise Menschen mit einer Seheinschränkung bis nach Tübingen in eine Fachklinik.

Fortbildungen für die Betreuung Demenzkranker

Der Verein betreut häufiger Menschen mit Demenz und bildet seine Helfer dafür fort. Helfer erhalten eine Entschädigung von 9,50 Euro pro Einsatzstunde. Als Vergütung nimmt der Verein 11 Euro. Für 125 Euro Betreuungsgeld können Senioren monatlich rund elf Stunden an Hilfe in Anspruch nehmen.