Das "Glasperlenspiel" bleibt vielen Hermann-Hesse-Lesern rätselhaft. Auch von der Literaturwissenschaft wird der Roman des Nobelpreisträgers höchst widersprüchlich wahrgenommen. "In der deutschen Literatur gibt es kaum einen zweiten Roman, dessen Interpretationen so uneinheitlich sind", eröffnete Kurator Lutz Dittrich die sehenswerte Schau "Ein Panzer gegen die hässliche Zeit" im Hermann Hesse Museum Gaienhofen. Seines Erachtens liege das daran, dass die Entstehungsgeschichte des Romans bisher nicht berücksichtigt wurde. Der Schlüssel zum Verständnis sei in einer politischen Dimension zu finden, so der Ausstellungsmacher.

Genau in diesem politisch-zeitgeschichtlichen Rahmen ist die zum Nachdenken anregende Schau über den utopischen Roman angesiedelt, der weder zur Exil-Literatur noch zum Genre der inneren Emigration gehört – aber von Hesse elf Jahre lang während der Zeit des Dritten Reichs verfasst wurde. Die Ausstellung thematisiert die Verflechtungen zwischen der Schweiz, den deutschen Emigranten und der Diktatur, die Hesse zwischen die Fronten geraten ließen.

Stilisierte Boccia-Bahnen empfangen den Besucher

"An was soll sich der Leser halten? Womit beginnen?", wendete sich fragend die Leiterin des Museums, Ute Hübner, an die knapp 100 Vernissage-Besucher. Denn wer das "Glasperlenspiel" lesen möchte, habe gute Chancen zu scheitern. Sie empfiehlt für den Start den Besuch der Ausstellung. Gleich im Flur zu den drei Schauräumen sieht man Hesse in einer Aufnahme beim Boccia-Spiel. Kugeln und Spielbahn sind Stilmittel der Schau. Literarische und historische Dokumente liegen neben Fotografieren auf dem Sand stilisierter Boccia-Bahnen, dazwischen abgenutzte Kugeln. Film- und Hörstationen vergegenwärtigen das Zeitgeschehen des "Glasperlenspiels".

Bei der durch das Propagandaministerium erzwungenen "Arisierung" des S. Fischer Verlags wurde verfügt, dass Hesses Werkrechte in Deutschland zu verbleiben hatten. Damit geriet der Autor in den Machtbereich der NS-Kulturpolitik. Die Schau überrascht mit dem Aufzeigen der Fronten, zwischen die Hesse geriet. Bis hin zu dem Vorwurf des amerikanischen Chef Editors in der besetzten Zone, dass man auf eine Stimme aus der Schweiz gegen die Nazi-Barbarei vergeblich wartete.