Gaienhofen Beim Helferkreis in Gaienhofen sind Fremde zu Freunden geworden

Vor gut zweieinhalb Jahren begann die Arbeit für den Helferkreis Gaienhofen. Seitdem ist viel passiert in dem Ort auf der Höri. Mit viel Engagement der Helfer hat man die 100 neuen Nachbarn integriert. Doch noch ist das "Wir schaffen das" nicht erreicht.

Die Bedenken waren anfangs groß. Im Sommer 2015 kam die Nachricht, dass die Höri-Gemeinde Gaienhofen rund 100 Flüchtlinge aufnehmen soll. Ein ehemaliges Internatsgebäude wurde zur Unterkunft umfunktioniert. 500 Menschen waren im Juni 2015 zur Informationsveranstaltung des Landkreis Konstanz gekommen. Es wurden Sorgen und Bedenken geäußert, schließlich sollte Gaienhofen innerhalb kürzester Zeit einen Bevölkerungszuwachs von drei Prozent erleben. Klingt erst einmal nicht viel. Doch für ein Dorf, in dem jeder jeden kennt, können 100 neue Nachbarn beängstigend wirken. Doch die Gaienhofener ließen sich nicht von den Sorgen lenken, sondern packten an. 100 Menschen kamen einen Monat später zusammen, um den Helferkreis zu gründen. Abholen statt Abschotten, in Gaienhofen wollte man es selbst in die Hand nehmen.

Zweieinhalb Jahre ist dies nun her. Vor dem ehemaligen Wohnheim der Schlossschule toben Kinder, es wird gelacht und geredet. In der kleinen Kaffeeküche drängen sich viele Menschen, Gespräche sind kaum möglich, so laut ist es. Aber die Stimmung ist entspannt. In einem der Räume, in denen Deutschkurse und andere Angebote stattfinden sitzen Ima Feurer, Susi Feix, Eva Eberwein und Bernd Sutter vom Helferkreis. Sutter ist umringt von mehreren Bewohnern des Wohnheims, sie füllen gerade Formulare aus. Auch ohne die Sprachbarriere erfordert es Konzentration. "Die Arbeit hat sich verändert im Lauf der Jahre", sagt Ima Feurer. Anfangs ging es um existenzielle Hilfe: Die Menschen brauchten Kleidung, Essen, ein Bett und ein Dach über dem Kopf. Heute seien die Anforderungen viel komplizierter.

"Wir helfen bei Behördenangelegenheiten, bei der Suche nach Arbeit oder Praktikumsplätzen und bei der Wohnungssuche", erzählt Feurer. Und dies gestalte sich mehr als schwierig. "Es gibt keine freien Wohnungen", sagt Eva Eberwein. Und wenn das Wort "Flüchtling" falle, sei das Gespräch ohnehin meistens beendet.

Die einzigen positiven Vermittlungen funktionieren nur über persönliche Beziehungen und Fürsprache. Hier sei es von Vorteil, dass man sich auf der Höri eben kenne, sagt Ima Feurer. Drei der jungen Männer, die mit im Raum sitzen haben Arbeit auf der Höri gefunden. Eine Ausbildung als Koch in einem Restaurant, als Mitarbeiter eines Elektrobetriebes, natürlich sei man am Anfang noch mitgegangen und habe nach dem Rechten geschaut. Der Aufwand hat sich gelohnt. Die Höri ist für die Menschen aus Syrien, dem Iran oder Afghanistan zur neuen Heimat geworden. Die Flüchtlinge wurden zu Nachbarn. Früher, als noch Internatsschüler die Wohnheime bewohnt hatte, sei das noch viel lauter gewesen als jetzt, berichten die Ehrenamtlichen des Helferkreises. Das Dorfleben habe sich an sich gar nicht verändert. Wann immer eine Veranstaltung in Gaienhofen stattfinden, sind die Geflüchteten dabei.

Von den ehemals 100 Interessierten der Gründungsveranstaltung im Sommer 2015 sind nicht mehr so viele da. Dabei könnte der Helferkreis noch immer Unterstützung gebrauchen. "Wir werden gelobt, haben den Bürgerpreis bekommen, aber im Grunde gibt es noch viel zu tun und wir werden immer weniger", sagt Ima Feurer. Gute Erfahrungen habe man mit Patenschaften gemacht. Ein Ehrenamtlicher kümmert sich um einen Flüchtling und oder die ganze Familie. So sind schon Freundschaften entstanden. "Am Anfang wollten alle Flüchtlinge weg aus dem Dorf, in eine größere Stadt. Aber jetzt möchten sie bleiben und finden leider keine Wohnung", sagt Eva Eberwein.

Neben solch positiven Erlebnissen mischen sich auch immer noch Ereignisse, die den Ehrenamtlichen der ersten Stunde sehr nah gehen. Vor einigen Wochen sei ein junger Mann aus Afghanistan in einer nächtlichen Aktion abgeschoben worden. Besonders bitter für die Helfer: Seine Mutter und Schwester hätten einen positiven Bescheid erhalten. Der junge Mann habe schnell Deutsch gelernt. "Es war ein Schock und ist für uns einfach nicht nachvollziehbar. Wir sind entsetzt", sagt Ima Feurer. Der Flüchtlingsrat habe sich ebenfalls in der Sache eingeschaltet, was passieren werde sei unklar. Mutter und Schwester blieben in Gaienhofen.

 

Organisation

Der Gaienhofener Helferkreis hat sich im Lauf der Jahre eine organisierte Struktur zugelegt. Die einzelnen Bereiche sind wie folgt aufgeteilt: Eva Eberwein: Kinder, Jugend und Freizeit; Susi Feix: Sachspenden, Fahrradwerkstatt; Ima Feurer: Orga-Team; Bernd Sutter: Behörden und Anträge; Peter Huber: Paten, Fahrten; Tanja Mai: Sprachgruppen; Ilse Lang: Begrüßungsgruppe.

Kontakt: orga.gaienhofen@gmail.com, weitere Informationen im Internet:www.gaienhofen-helferkreis.de

 

 

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