Am Ende der zehnten Klasse stellt sich für viele Schüler und deren Eltern die Frage, wie die Weichen für die nächsten Jahre gestellt werden sollen. Die evangelische Schule Schloss Gaienhofen bietet allen Schülern, die die Mittlere Reife abgeschlossen haben, seit diesem Schuljahr einen neuen Schultyp an: das Aufbaugymnasium. Es ist das erste im Landkreis. Doch eigentlich ist der neue Gymnasialzweig so etwas wie ein Schritt in die Vergangenheit, die Rückkehr zum allgemeinbildenden Gymnasium, in dem das Abitur nach 13 Schuljahren abgelegt wird. Seit Einführung des sogenannten G 8 absolvieren die meisten Schüler an allgemeinbildenden Gymnasien in Baden-Württemberg bereits nach acht Jahren am Gymnasium und insgesamt zwölf Schuljahren das Abitur. Der höhere Leistungsdruck führte allerdings immer wieder zu Diskussionen. In Baden-Württemberg wird derzeit ein Modellversuch unternommen. An 44 Gymnasien, an einem in jedem Landkreis, wird nun wieder bis zur 13. Jahrgangsstufe unterrichtet.

Neu am Aufbaugymnasium in Gaienhofen ist jedoch, dass es allen Schülern, die die zehnte Klasse absolviert haben, offen steht. Egal, ob sie von einer Realschule kommen oder nach der zehnten Klasse auf einem G 8 den Leistungsdruck für die letzten Schuljahre mindern möchten. „Die elfte Klasse hatte traditionell einen Gelenkcharakter“, erklärt Gunnar Horn, stellvertretender Schulleiter in Schloss Gaienhofen. Vor Einführung des achtjährigen Gymnasiums sei in dieser Jahrgangsstufe viel Unterrichtsstoff wiederholt worden. So hätten Schüler ihr Wissen festigen können, bevor es in die Kursstufe weiterging, in der die Gymnasiasten Schwerpunkte für die letzten zwei Schuljahre setzen.

In Gaienhofen steht Schülern ein breites Spektrum weiterführender Schultypen zur Auswahl: Eine Realschule, ein achtjähriges allgemeinbildendes Gymnasium, das nun durch einen Wechsel auf das Aufbaugymnasium auch auf neun Gymnasialjahre verlängert werden kann. Und schließlich zwei berufsbildende Schularten, ein Wirtschafts- und ein Sozialgymnasium. Nachdem berufsbildende Gymnasien nach der 13. Klasse abschließen, haben manche Schüler sich in der Vergangenheit entschieden, nach der zehnten Klasse von einem allgemeinbildenden G 8 zu einem beruflichen Gymnasium zu wechseln. Damit mussten sie sich nach der zehnten Klasse allerdings auf einen wirtschaftlichen oder sozialen Schwerpunkt festlegen. Vanessa Habres, die seit September das Aufbaugymnasium besucht, berichtet, ihr habe nach der zehnten Klasse noch etwas gefehlt. Sie sei froh um die elfte Klasse, die es ihr ermöglicht, vieles zu wiederholen. Außerdem wolle sie ihren Schwerpunkt im Abitur auf die Musik setzen.

Eben diese Möglichkeit bietet das Aufbaugymnasium. Schüler können einen vierstündigen Unterricht pro Woche auch für Fächer wie Musik, Kunst oder Sport wählen. Lennart Kluge sagt: „Ich fand es schwer, mich zwischen dem Wirtschafts- und dem Sozialgymnasium zu entscheiden.“ Jetzt nutzt er die elfte Klasse als Orientierungsjahr. Zusätzlich schätzt er die Betreuung durch die Lehrer: „Sie gehen gut auf uns ein.“ Das liege auch an der kleinen Klasse im ersten Jahr des Aufbaugymnasiums. Gerade einmal 13 Schüler sitzen in der elften Klasse. Paula Menzel, die von einem Gymnasium in Singen nach Gaienhofen gekommen ist, findet: „Es ist eine angenehme Atmosphäre.“ In Zukunft könnten die Klassen größer ausfallen, doch man wolle die Klassenstärke auf 25 Schüler begrenzen, so Gunnar Horn.

 

Schnuppertag

Am Donnerstag, 25. Januar, bietet die evangelische Schule Schloss Gaienhofen einen Schnuppertag für das Aufbaugymnasium an. Von 8.45 bis 13 Uhr können Jugendliche den Schulalltag in Schloss Gaienhofen erleben. Schüler der elften Klasse werden die Besucher als Schulbotschafter begleiten und von ihren Erfahrungen erzählen. Abschließend ist ein Zusammensein in der Mensa geplant, bei dem die Schüler sich ohne die Lehrer austauschen können. Ebenfalls am 25. Januar um 19.30 Uhr findet ein Infoabend zum Wirtschafts-, Sozial- und Aufbaugymnasium an der Schule statt. (rei)

Informationen im Internet:www.schloss-gaienhofen.de