Marie Beenkens Schüler denken bis heute zurück an eine Frau, für die Bildung ein Begriff war, der weit über Pflichtlektüre und Vokabeln hinausging. Die Neugier für ein breites Spektrum von Themen, die ihr selbst zu eigen war, erwartete sie auch von den Lernenden. Vielleicht hat ihr dieses tiefe Interesse an der Welt und ihren Menschen bis zu ihrem kürzlichen Tod im Alter von 85 Jahren die geistige Präsenz erhalten, mit der sie jedes Gespräch bereicherte.

18 Jahre als Lehrerin in Gaienhofen

Aus dem deutschen Norden stammend, lehrte die Tochter eines evangelischen Pastors insgesamt 18 Jahre in Gaienhofen. Gekommen war sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Udo. Auch er war Lehrer, aber die beiden hatten sich schon lange vor dem Studium gekannt.

Als sie 17 Jahre alt waren, begegneten sie sich in einem Theaterprojekt und ließen einander nie wieder los. Zusammen gingen sie nach ihrer ersten Gaienhofen-Zeit der Jahre 1969 bis 1973 mit ihren beiden Söhnen ins sauerländische Meinerzhagen, wo Udo Beenken Schulleiter wurde. Marie Beenken war die einzige Frau im Kollegium und wurde dennoch Vertrauenslehrerin, was sie mit einem Anflug von Stolz erzählte.

Besondere Beziehung zu Großbritannien

1982 kehrten sie an den Bodensee zurück und Udo Beenken übernahm die Schulleitung der Gaienhofener Internatsschule. In der Wahrnehmung der Schüler trugen sie die Aufgabe gemeinsam. Marie Beenken vertrat ihre Lehrfächer Deutsch und Englisch mit großer Intensität. Mit der Sprache Englisch verband sie ein tiefes Gefühl zu den Nachbarn jenseits des Ärmelkanals. Als 16-Jährige gehörte sie zu den ersten Jugendlichen, die nach dem Krieg an einem deutsch-britischen Schüleraustausch teilnahmen.

Die Herzlichkeit, mit der die Gastfamilie das Mädchen aus dem Land aufnahm, das fünf Jahre zuvor noch Feindesland war, beeindruckte Marie. Ihr Leben lang pflegte sie diesen Kontakt. Immer wieder zog es sie nach Großbritannien. Zuletzt in diesem Jahr. Die Reise strengte sie an. Aber den Wunsch, ihre in Cambridge studierende Enkelin zu besuchen, wollte sie sich unbedingt noch erfüllen. Auch im Ruhestand blieb Marie Beenken ein vielseitig interessierter, reisefreudiger und engagierter Mensch.

Engagiert für Menschen in Not

Viele Jahre gehörte sie zu den Aktiven des Zonta Club Konstanz, sie fing als Helferin der Telefonseelsorge Verzweifelte auf und ebnete Flüchtlingskindern den Bildungsweg. Überall knüpfte sie intensive, bleibende Kontakte.

Das dürfte ihr geholfen haben, den tiefen Schock zu überwinden, den der frühe Tod ihres Mannes bedeutete. Kurz nach seiner Pensionierung, als sich die beiden in Singen ein neues Zuhause eingerichtet hatten, starb Udo Beenken im Jahr 2000 überraschend. An seiner Seite wird Marie Beenken am Mittwoch auf dem Friedhof Horn beigesetzt.