Der Präsident lobt das gemeinsame Engagement der Narrenzünfte: Rainer Hespeler, Chef der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee (NVHB), hat am Samstag bei der Zunftmeistertagung ausdrücklich gewürdigt, dass sich so gut wie alle Narrenvereine der Region an der Modernisierung des Fasnachtsmuseums Schloss Langenstein beteiligen.

In seinem Geschäftsbericht vor rund 600 Vertretern in der Höri-Halle in Gaienhofen zeigte sich Hespeler überwältigt vom Engagement der 120 mit der Vereinigung assoziierten Narrenzünfte für das neue Projekt „museum4punkt0“. Das Fasnachtsmuseum Schloss Langenstein in Orsingen-Nenzingen modernisiert derzeit aufwendig sein Konzept. 118 Zünfte beteiligen sich durchschnittlich mit 1500 Euro am digitalen Ausbau. Bis auf zwei Zünfte hätten sich alle bereit erklärt, das Projekt zu unterstützen.

Kein Rückgang der Besucherzahlen

Seit mehr als 600 Jahren wird die Fasnacht gefeiert. Sie gehört zu den ältesten Volksfesten der Welt. Und schon immer gab es Zeiten, in denen die Fasnacht in der Krise steckte. „Wir sehen keinen Rückgang der Besucherzahlen bei den Umzügen. Da ist die Begeisterung nach wie vor groß“, sagte Präsident Rainer Hespeler am Rande der Zunftmeistertagung. Doch wie andere Vereine, so haben auch Zünfte Schwierigkeiten, Bürger für Ehrenämter in der Fasnacht zu gewinnen. Mit der Folge, dass die Mitgliederzahlen zurückgehen.

Mehr als 600 Narren aus 120 Zünften folgten der Einladung der Wangener Monfänger zum Zunftmeistertreffen der Narrenvereinigung Hegau Bodensee in der Höri Halle von Gaienhofen. Bild: Georg Lange
Mehr als 600 Narren aus 120 Zünften folgten der Einladung der Wangener Monfänger zum Zunftmeistertreffen der Narrenvereinigung Hegau Bodensee in der Höri Halle von Gaienhofen. Bild: Georg Lange

Ein zentrales Anliegen der NVHB ist es, Menschen in die Fasnacht und in die Zünfte zu integrieren. Die Fasnacht ist sowohl ein gesellschafts- wie auch generationenübergreifendes Fest. Im neuen Fasnachtsmuseum soll das Fest modern dargestellt und für die Jugend erlebbar gemacht werden. Und durch den völker- und schichtenübergreifenden Charakter sieht sich die Vereinigung in der Pflicht, auch Migranten in die Zünfte und in die Fasnacht zu integrieren.

"Verkrustete Bräuche sterben"

Seit den 1960er Jahren ist Deutschland ein Zuwanderungsland. Viele Narren haben einen Migrationshintergrund aus südeuropäischen Ländern, beobachtet Rainer Hespeler: „Diese Integration haben wir auch heute zu leisten, wenn es um andere Nationen geht.“ Dabei könne sich die Fasnacht auch vom Charakter her verändern. „Bräuche müssen sich an den Zeitgeist anpassen“, so Hespeler: „Wenn wir versuchen, Bräuche zu konservieren, dann werden sie aussterben“, resümiert der Präsident: Sie bräuchten Raum, damit sie sich dem Zeitgeist anpassen können. Es seien nicht die Funktionäre, die bestimmen, was die Fasnacht sei, so Hespeler: „Sondern es sind es die Menschen, die die Fasnacht auf der Straße praktizieren. Bräuche, die man mag und gerne lebt, werden sich weiterhin erhalten. Wobei alte und verkrustete Bräuche sterben.“

Steigende Kosten

Die schwäbisch-alemannische Fasnet wurde von der Unesco vor fünf Jahren auf die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Jede Zunft, die die schwäbisch-alemannische Fasnacht pflegt, praktiziert und sich an die vorgegebenen Regeln hält, ist berechtigt, das Kulturerbe-Logo zu führen. Mit der Anerkennung durch die Unesco bekommen die Narrenzünfte eine besondere Wertigkeit und einen Schutz gegenüber Behörden und Politik.

Die NVHB habe in den letzten Jahren von der Anerkennung profitieren können, so Hespeler. Nun sei es auch die Aufgabe der Politik, das Brauchtum zu schützen und nicht zu erschweren. Zuletzt hatten viele Narrenvereine über steigende Anforderungen und Kosten bei straßenrechtlichen Genehmigungen und Sicherheitskonzepten geklagt. Die Anforderungen seien oft so groß, dass sie Ehrenamtlichen kaum noch zumutbar seien, meinen viele.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Fasnacht sei ein Lebensgefühl und eine verkehrte Welt, die den Menschen die Möglichkeit gebe, auf lustige Art der Obrigkeit den Spiegel vorzuhalten und ihnen dabei das Rügerecht einräume, so Hespeler. In ihr habe man die Möglichkeit, all das loszuwerden, was man unter dem Jahr nicht sagen könne. Allerdings nur auf eine Art und Weise, die niemanden verletzt.

Präsident Rainer Hespeler (links) ehrt Narren, die sich um die Fasnacht besonders verdient gemacht haben (weiter von links): Max Ruf, Herbert Schober (Narrenvogt), Rosl Merk, Klaus Heim, Thomas Litterst, Edwin Gier, Lothar Stengel, Detlev Görn, Eugen Rosler, Blanda Renner, Bernd Schuckert, Nikolaus Weber sowie Carola Schäpke.
Präsident Rainer Hespeler (links) ehrt Narren, die sich um die Fasnacht besonders verdient gemacht haben (weiter von links): Max Ruf, Herbert Schober (Narrenvogt), Rosl Merk, Klaus Heim, Thomas Litterst, Edwin Gier, Lothar Stengel, Detlev Görn, Eugen Rosler, Blanda Renner, Bernd Schuckert, Nikolaus Weber sowie Carola Schäpke. Bild: Eike Brunhöber

Treffen für600 Narren

  • Der Verband: Die Narrenvereinigung Hegau Bodensee (NVHB) wurde 1959 gegründet. Ländliche Zünfte wollten von einer Vereinigung vertreten werden und ihr Brauchtum überregional präsentieren. Der Verband berät die Zünfte, bietet ihnen Versicherungsleistungen und eine Unterstützung für die großen Narrentreffen an. Sie vertritt ebenso die Interessen der Narrenzünfte gegenüber der Politik und den Behörden, erarbeitet Sicherheitskonzepte von Veranstaltungen und hilft bei der Umsetzung straßenverkehrsrechtlicher Anordnungen.
  • Gastgeber und Programm: Ausrichter der Zunftmeistertagung der NVHB war die Narrenzunft der Mondfänger der Hörigemeinde Wangen am Bodensee. Da die Teilortschaft von Öhningen nahe der Schweizer Grenze keine ausreichend große Halle für die mehr als 600 Abgeordneten der 120 Narrenzünfte bereitstellen konnte, wich das Treffen in die Höri-Halle der Nachbargemeinde Gaienhofen aus. Stimmgewaltig unterhielten die Frauen der Mondfängerzunft im Nonnengewand mit einer Persiflage auf das Musical "Sister Act". Der Elferrat nahm mit einer Hypnoseshow das Präsidium der Narrenvereinigung Hegau Bodensee aufs Korn. Ein Chor aller zehn Narrenpräsidenten der Höri brachte die Halle zum Toben. Die Tanzgruppe des Showtanzvereins Sauldorf unterhielt mit einer brillant ausgeklügelten und technisch ausgereiften Tanzdarbietung.