Das wäre doch mal ein schlagkräftiger Titel: „Ein schwarzer Wolf mischt die Schafe am Hohentwiel auf“. So ließe sich der Besuch des baden-württembergischen Ministers für Justiz und Europa-Angelegenheiten mit CDU-Parteibuch, Guido Wolf, auf der Hohentwiel-Domäne zweifellos viel zu reißerisch umschreiben, um im Wortspiel zu bleiben. Ein echter Wolf hat wie andernorts auf der Domäne noch keine Schafe gerissen. Es waren vermutlich Hunde, welche weidende Schafe auf Bahngleise getrieben hatten. 30 Tiere waren zu Tode gekommen. Und für einen mächtigen Schreck hatte ein Großbrand auf der Domäne gesorgt. Der Hohentwiel gilt aber weiterhin als touristische Perle, wie Guido Wolf festgestellt hat.

Auf der Weide unterm Hohentwiel ist Michael Thonet der Chef. Seinem Ruf folgen die 600 Schafe und 120 Jungtiere ganz genau.
Auf der Weide unterm Hohentwiel ist Michael Thonet der Chef. Seinem Ruf folgen die 600 Schafe und 120 Jungtiere ganz genau. | Bild: Tesche, Sabine

Der Minister greift durchaus süffisant Vergleiche aus der Tierwelt auf. So nahm er den Ball auf, den ihm nach der SÜDKURIER-Glosse „Schwarzer Wolf trifft roten Jungfuchs“ Tengens Bürgermeister Marian Schreier bei seiner ersten Schätzele-Markt-Kundgebung zugespielt hatte. Beide fabulierten eine tierische Pointe nach der anderen, Wolf spontan in Gedichtform. Das Publikum tobte. Umso mehr, als der Präsident des Bauernverbandes, Werner Räpple, trocken formuliert hatte: „Ob Fuchs oder Wolf: In der Landwirtschaft haben wir mit beiden ein Problem.“

Wolfs Nachbarrevier

Kein Problem hatte Engens Bürgermeister Johannes Moser damit, dass ihn Minister Wolf mit einer Rede bedachte. Diese in Zusammenhang mit dem Amtseid, den Moser nach seinem vierten Wahlerfolg leistete. „Welche Ehre. Guido Wolf kenne ich schon 24 Jahre lang, wie als früheren Landrat des Landkreises Tuttlingen„, bekennt Moser. So war Wolf also im Nachbarrevier tätig. Ob Wolf oder Moser: Beide sind in ihrem Metier längst alte Füchse.

Der 61-jährige Johannes Moser kann nun ganz entspannt wie in den vergangenen Wochen die geballten Bürgermeisterwahlen im Landkreis Konstanz verfolgen. Wie nach dem Gottmadinger Votum übernimmt Moser auch gerne die Aufgabe, als Kreisvorsitzender des Gemeindetages, Wahlsiegern wie Michael Klinger, in einer kurzen und meist launigen Rede zu gratulieren.

Engens Bürgermeister Johannes Moser bei einer Parade der Bürgerwehr nach der erfolgreichen Wahl mit Gattin Sonja vor der Engener Stadthalle.
Engens Bürgermeister Johannes Moser bei einer Parade der Bürgerwehr nach der erfolgreichen Wahl mit Gattin Sonja vor der Engener Stadthalle. | Bild: Tesche, Sabine

Und wie macht sich ein Bürgermeister darüber schlau, wer künftig im Kollegenkreis der Gemeindechefs bleiben oder sich neu dazu gesellen könnte? „Ich informiere mich vorwiegend über die öffentlichen und soziale Medien. Da ich gut vernetzt bin, erkundige ich mich auch bei Bürgermeister-Kollegen, deren Umfeld oder Bekannten. Im eigenen Wahlkampf blieb mir dazu wenig Zeit. Wenn es die erlaubt, schaue ich mir auch die Internetseiten von Kandidaten sein“, erklärt Moser. Lernen braucht er nichts mehr. Moser kann alteshalber keine fünfte Amtszeit ansteuern.

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