Die Corona-Krise hat die Diskussion um den Klimawandel in den Hintergrund gedrängt – akut und aktuell bleibt das Thema dennoch. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Jung gastierte auf Einladung des katholischen Bildungswerks zu einem Vortrag über „Lösungsansätze der Politik zum Klima“ in Welschingen. Klar sei, so Jung, dass die gesteckten Klimaziele nur mit anderen Ländern zusammen erreicht werden können.

Zweiflern am Klimawandel erteilte Jung eine klare Absage

Die extremen Wetterphänomene häufen sich seit 1980“, sagte Jung. Dürren und Überschwemmungen, das schmelzende Eis an den Polen seien weltweite Bedrohungen. „Aber auch im Hegau sieht man den Wandel. Man muss nur mit einem Forstfachmann durch die Wälder gehen“, sagte Jung. Die Auswirkungen der Trockenheit seien hier klar sichtbar. „Und sie werden zunehmend unbeherrschbar“, warnte der Politiker.

Andreas Jung: „Wir müssen jedes Jahr schauen, was wir in welchem Sektor erreicht haben.“
Andreas Jung: „Wir müssen jedes Jahr schauen, was wir in welchem Sektor erreicht haben.“ | Bild: Holle Rauser

Länder mit eigenen Interessen

Seit Jahrzehnten versuche die Politik, mit Konferenzen und Beschlüssen (Rio de Janeiro 1991, Kyoto 1997, Paris 2015,) die Welt auf Maßnahmen einzuschwören. „Die Opec-Staaten, China und die Entwicklungsländer haben aber ganz eigene Interessen. Es ist schwierig, Einigkeit zu erzielen“, machte Jung klar. Um eine Erderwärmung von zwei Grad Celsius wie im Parisa Klimaabkommen festgelegt – besser 1,5 Grad – zu verhindern, wurde für Deutschland die Reduzierung des Co2-Ausstoßes um 40 Prozent bis Ende 2020 geplant. „Das haben wir entgegen der Annahmen auch erreicht – aber aufgrund von Corona“, sagte Jung. Das Ziel solle aber „im normalen Leben“ erreicht werden. Der Prozess sei durch weltweite Krisen verlangsamt worden.

Jung: Gäubahn-Ausbau zu langsam

Andreas Jung forderte daher mehr Konzentration auf die Möglichkeiten und Gesetze zum Klimaschutz. Jung: „Wir müssen jedes Jahr schauen, was wir in welchem Sektor erreicht haben.“ Gerade der Bereich Verkehr/Gebäude sei noch ausbaufähig. Die Automobilindustrie etwa habe die E-Mobilität zu zögernd angegangen, sagte Jung. Aber auch der Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel – Beispiel Gäubahn – gehe zu langsam. Windkraftanlagen sollen weiterhin entstehen – aber in Rücksprache mit den Bürgern. „Wir haben in den letzten Jahren ein Bewusstsein dafür entwickelt, wie wichtig Bürgerbeteiligungsprozesse sind“, sagte der Politiker.

Wirtschaftliches Wachstum unverzichtbar

Für Solarflächen sieht Andreas Jung noch viel Potential: „Wir haben viele ungenutzte Dachflächen oder Parkplätze, auf denen Solarparks entstehen können.“ Angesichts des ehrgeizigen und im vergangenen Jahr gesteckten Ziels des „European Green Deals“ der Europäischen Kommission, der Europa bis 2050 frei von Treibhausgasemissionen machen soll, bleibt Andreas Jung realistisch: „Wir können nicht auf wirtschaftliches Wachstum verzichten, um diese Herausforderungen zu meistern, aber es sollte nachhaltig sein.“

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