Die gute Nachricht kam Mitte Februar: Auch die Bewohner von Einrichtungen der Eingliederungshilfe sollen bevorzugt gegen das Coronavirus geimpft werden. Für Heilerziehungspflegerin Julia Körner eine Erleichterung, denn die Befürchtung, das Virus könnte in die Tagesförderstätte mit Wohnheim gelangen, ist groß.

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Seit gut zwei Jahren leben 24 Menschen in der Zieglerschen Wohngruppe in der Engener Mundingstraße. Weitere kommen von außen in die Tagesstrukturen und den Förderbereich. Die Bewohner sind zwischen 22 und 55 Jahre alt. Das Haus des diakonischen Unternehmens Zieglersche umfasst ein Wohnhaus mit Wohnplätzen und Gemeinschaftsräumen für Menschen mit geistiger und Hör-Sprachbehinderung und einen Förder- und Betreuungsbereich.

Die Besuchsregeln sind streng: „Wir haben hier auch Menschen mit Herz- und Lungen-Vorerkrankungen“, erklärt Julia Körner die Vorsichtsmaßnahmen. „In der Regel dürfen Besucher nur bis zur Haustür. Wer von zu Hause kommt, wird getestet.“ Auch die Betreuer selbst hätten ihre Kontakte auf das Nötigste reduziert: „Ich könnte es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, dass ich jemanden anstecke“, sagt Julia Körner. Vieles im gewohnten Jahreslauf musste und muss wegfallen: Ausflüge, Einkaufen, Spaziergänge, Theaterbesuche, Lagerfreizeiten und die jahreszeitlichen Feste. Für Menschen mit Behinderungen sind solche wiederkehrenden Angebote ein wichtiger Fixpunkt im Alltag. „Sie haben einfach eine andere zeitliche Orientierung“, erklärt Körner.

Beziehungsarbeit fängt viele Probleme auf

So gut wie möglich versucht man daher, in der Einrichtung in der Mundingstraße wenigstens die Tagesabläufe aufrecht zu erhalten: „Die Werkstatt-Arbeiten können bei uns in einem separaten Raum weitergehen. Werkzeug und Material wurden geliefert“, so die junge Heilerziehungspflegerin. Auch die Förderangebote wie Logo-, Physio- und Ergotherapie, Gesellschaftsspiele und Basteln bleiben bestehen. Einfach sei es trotzdem nicht: „Es ist nicht für alle Bewohner leicht, aber wir können viel über Beziehungsarbeit auffangen“, sagt Körner. Kontakte mit den Familienangehörigen durch Briefe, Telefon oder Messenger werden unterstützt. Beeinträchtigt werde die Kommunikation durch die Masken, denn, so Julia Körner, „gerade Menschen mit Hör- und Sprachbehinderungen sind auf Mimik und Gebärden angewiesen“.

„Wir versuchen, so gut wie möglich die Tagesabläufe aufrecht zu erhalten.“ Heilerziehungspflegerin Julia Körner von der Einrichtung der Zieglerschen in der Engener Mundingstraße berichtet über den Umgang der behinderten Menschen mit der Corona-Situation.
„Wir versuchen, so gut wie möglich die Tagesabläufe aufrecht zu erhalten.“ Heilerziehungspflegerin Julia Körner von der Einrichtung der Zieglerschen in der Engener Mundingstraße berichtet über den Umgang der behinderten Menschen mit der Corona-Situation. | Bild: Holle Rauser

Nun liege alle Hoffnung auf den Impfungen. Die Aktion soll von den Einrichtungen der Eingliederungshilfe vorbereitet werden. So müssen etwa Einverständnisse der Eltern eingeholt werden. Auch bis dahin soll der Corona-Blues draußen bleiben: „Bei uns ist meistens gute Stimmung. Das muss auch so sein“, so Julia Körner. Unsere schlechte Laune überträgt sich ja auf die Klienten. Wenn wir alle Trübsal blasen, wird ein Acht-Stunden-Dienst ganz schön lang“, sagt sie – und lacht.

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