Ungarn ist ein schönes Land. Doch Ungarn ist auch ein Land, dessen Regierungschef Viktor Orban vorgeworfen wird, die Demokratie Stück für Stück auszuhöhlen und in dem zuletzt ein Gesetz verabschiedet wurde, das die Information über Homo- und Transsexualität einschränkt. Sollte ein deutscher Bürgermeister da die Ehrenbürgerwürde einer ungarischen Stadt entgegen nehmen?

Das könnte Sie auch interessieren

Die Entscheidung getroffen hat Johannes Moser, Bürgermeister von Engen. Die Stadt hat schon seit 1998 eine Städtepartnerschaft mit Pannonhalma, gelegen zwischen Bratislava und dem Plattensee. Vor 25 Jahren gab es den ersten Besuch. Um diesen Jahrestag zu feiern, war eine Delegation aus Engen zum ungarischen Nationalfeiertag Ende August in der Partnerstadt. Und Moser wurde an diesem Tag auch zum Ehrenbürger von Pannonhalma ernannt. Ob er diese Ehrung annehme oder nicht, das habe er sich im Vorfeld durchaus überlegt, sagt Moser dazu. Aber die Ehrenbürgerwürde bekomme er von der Stadt Pannonhalma verliehen, nicht vom Land Ungarn. „Eine Ablehnung wäre wohl weder in Engen noch in Pannonhalma auf viel Verständnis gestoßen“, lautet seine Einschätzung. Im Zusammenleben der beiden Städte spiele die große Politik keine Rolle, denn „wir sind uns einig, dass wir Europäer sind“, so der Engener Bürgermeister. Die Partnerschaft der Städte laufe perfekt. Und die Stadtspitze von Pannonhalma gehöre auch nicht Orbans Fidesz-Partei an. Ein stilles Einverständnis mit der landesweiten Politik in Ungarn könne man aus der Auszeichnung in keinem Fall ableiten, stellt Moser klar. Im Vordergrund der Partnerschaft stünden die großen Verdienste, die Ungarn für die deutsche Einheit erworben habe, sagt Moser, worauf er auch in seiner Dankesrede für die Verleihung der Ehrenbürgerwürde hinwies. Und er weist darauf hin, dass es bei einer Städtepartnerschaft vor allem um die Menschen gehe, die die Verbindung halten. Daher wolle er die Ehrung auch stellvertretend für die vielen Menschen entgegennehmen, die an dem „friedlichen und freundschaftlichen Austausch“ tatkräftig beteiligt sind, wie er in seiner Rede weiter erklärte.

Das könnte Sie auch interessieren

Übrigens unterhält Engen auch eine Städtepartnerschaft mit dem französischen Trilport. Und auch hier gibt es etwas zu feiern, nämlich das 20-jährige Bestehen der Partnerschaft. Das wurde auf dieses Jahr verschoben und wird am kommenden Wochenende in Engen begangen.